Technisch = unweiblich?

Sind Frauen technisch unbegabt? Zu dieser spannenden Frage kam Maria Anhalt, Projektmanagerin bei Hewlett Packard Deutschland, nach etwa 40 Minuten Vortrag über die zahlreichen Berufsfelder in der Informatik. Ihrer Ansicht nach sind Vorurteile, die Frauen von eher technischen Berufen abhalten, kulturell bedingt. Bei einem europäischen Vergleich aus dem Jahr 2002 stellte sich heraus, das in Deutschland nur etwa 15 % der Studierenden in Informatik-Studiengängen weiblich waren. In Bulgarien dagegen, dem Herkunftsland Dr. Anhalts, sind 51% der Informatik-Studierenden Frauen. Und das ist kein Zahlendreher!

Es handelt sich bei diesen Zahlen um kein europäisches Ost-West-Gefälle: in Slowenien sind nur 7% der IT-Studierenden Frauen. Es kann auch kein globales USA/Europa-Asien-Gefälle sein: in Indien sind ebenfalls über 50% der Informatik-Studierenden weiblich. Maria Anhalt zieht daraus den Schluss, dass die Studienwahl länderspezifisch, also kulturell bedingt ist.

Maria Anhalt Dass Technik unweiblich sei, ist eine typisch deutsche Ansicht. In keinem anderen Land ist Dr. Anhalt dieses Vorurteil begegnet. Besonders interessant: das Gegenstück „Pädagogik = unmännlich“ gibt es so nicht. LehrerIn ist ein völlig normaler, akzeptabler Beruf auch für Männer.

Um eine gute Leistung und Zufriedenheit im Beruf zu erreichen, ist es notwendig,
den eigenen Interessen und Neigungen zu folgen. Die Begabungsforschung liefert keine nennenswerten Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Warum also entscheiden sich so wenige Frauen z. B. für ein Informatikstudium?

Ein typisches Vorurteil ist z.B., dass Informatiker „blasse Brillenträger“ sind, die „in dunklen Räumen stundenlang vor dem Computer sitzen“. Das lässt sich ganz leicht entkräften: 60 % der Deutschen tragen eine Brille – also nichts typisch Informatisches. Architekten z. B. verbringen etwa 80 % ihrer Arbeitszeit
vor dem Computer – also ebenfalls nichts typisch Informatisches.

Ein Argument von Frauen gegen ein Informatik-Studium ist oft, dass sie nach einer Babypause nur schwer wieder einsteigen könnten, weil sich dieser Bereich
so rasend schnell weiterentwickelt. Aber gerade das sieht Maria Anhalt als eine gute Chance: Durch die schnelle Abfolge von neuen Entwicklungen ist es relativ leicht möglich, auf der „nächsten Welle“ wieder einzusteigen. Und auch der „Schweinezyklus“ (Nachfrage hoch, deshalb wenig Fleisch => Preisanstieg => verstärkte Züchtung => viel Fleisch => Preisabfall => weniger Züchtung => wenig Fleisch usw.) ist in der Informatik zwar auch vorhanden, im Vergleich zu anderen Ingenieur-Wissenschaften aber viel schnelllebiger. D.h. auch wenn eine Studentin ausgerechnet in einem „Tief“ ihren Abschluss macht, muss sie nicht lange warten bis zum nächsten Aufschwung. Und gerade der Lehrerberuf – sehr beliebt unter Abiturientinnen – ist dem Schweinezyklus ganz massiv unterworfen.

Also: werdet Informatikerinnen!

Friederike

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