Der Orient aus Ingenieurssicht

Paris-Basra

Cover Bodo Rudolf träumt davon, das Angenehme mit dem Notwendigen zu verbinden, im Ausland zu leben und zu arbeiten. Am besten dort, wo Palmen locken, weiße Strände und blaue Lagunen, wie seine Frau einwirft. Dem Ingenieur steht die Welt offen, hieß es in den Sechziger Jahren. Bodo Rudolf ging also los, nach Paris, in den Mittleren Osten, den Irak, den Iran, nach Syrien, Abu Dhabi, nach Sumatra und noch weiter. Er lebte  jahrzehntelang auf Großbaustellen unter Palmen, mit und ohne seine Familie. Die Lagunen waren eher rar. Um nicht zu sagen, sehr, sehr weit weg. Immerhin gab’s Palmen.

Zum Beispiel im Irak. Sechs Kegelbrüder fahren mit zwei Autos und einer Handvoll Bussen nach Basra, mit der irakischen Geheimpolizei geht es auf Wildsaujagd in die mesopotamischen Sümpfe, schwäbische Zitherklänge erklingen in subtropischen Nächten. Dann kommen Kriegszeiten, in denen die Ingenieure ihren Humor selten verlieren und beweisen, dass sie sich durchboxen können. Auch einen Blick ins Gefängnis werfen die Helden des Buches. Im revolutionären Iran wird Bier gebraut und gekeltert, zensierte Zeitungen gibt es da genauso wie im Irak.

Die Stories sind voller Sympathie für die Gastländer und ihre Bewohner. In Paris-Basra erzählt der Autor humorvoll von den Menschen, denen er begegnete, und von Orten, die er entdeckte, und zeigt, dass mit Humor selbst kritische Situationen gemeistert werden können. Dabei schlägt er einen gemütlichen Erzählton an, der mich sofort an einen imaginären alten Onkel denken lässt, der mir am Abend seines langen Lebens von seinen Abenteuern erzählt. Nicht adrenalingeladen, sondern gelassen und heiter. Also nix für Spannungsfans, eher was für die gemütliche Fraktion. Wobei, wer keine Kamelspinnen und Riesenkäfer im Dunkeln mag, könnte Albträume bekommen…

Fazit: Nette Abendlektüre, mit dem Charme der guten alten Zeit

Bodo Rudolf: „Paris-Basra: Ein Ingenieur im Orient“. Stories & Friends 2011. 18,90 EUR. ISBN 978-3-942181-08-2.

Augen-Logo Maria

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