Angst? Nicht mit mir!

Herr G. hat Angst

CoverMorgens droht der Weltuntergang. Klima, Krieg, Katastrophen. Die Menschheit: am Abgrund. Die Zukunft: ungewiss. Was Menschen wie Herrn G. lähmt, ist eine große Angst. Diffus, schwer greifbar. Wie ein Gift sickert sie in alle Lebensbereiche und nimmt jede Hoffnung. Doch was, wenn die Angst nicht mehr das letzte Wort hätte?
Dieses Buch sucht Antworten: Was ist diese Angst und wo kommt sie her? Wie kann man sie verstehen und wie bezwingen?
So beginnt für Herrn G. eine Reise durch Möglichkeit eines guten Lebens mit der Angst. Am Ende wird er fündig. Und wenn Herr G. einen Weg finden kann, dann können es alle.

Wir begleiten also einen ganz normalen Menschen (normal wie in „wie Du und ich“) – eher Lebensgeschichte mit Aha-Momenten und Lerneffekt als dröges Sachbuch. Super flüssig zu lesen. Ich tauche so in die Geschichte ein, dass ich fast vergesse, dass es unterm Strich doch ein Sachbuch ist. Danke sehr :-)

Lustig: Der innere Kritiker mit seiner Gegendarstellung mischt sich auch mal sehr selbstbewusst und eigenständig ein. Hier und da spricht Herr G. mit seinem Physikerfreund mit eigener Sicht auf die Welt. In der Physikergarage.

Was mich auch begeistert hat, ist das Zitat aus einem Song von Baz Luhrmann, das das Buch mir mitbringt: „Don’t worry about the future, or worry, but know that worrying is as effective as trying to solve an algebra equation by chewing Bubble gum.“ Schön, oder?

Hintergrund des Autors: Eigenes Erleben, Philosophiestudium und eigene Fachrecherchen. Konsequent und ohne viel Getue durchweg gegendert (mit Doppelpunkt); passt. Tolle Literaturliste!

Fazit: Auf jeden Fall lesen! Aus Interesse oder einfach für den Unterhaltungswert :-)

Themen

  • Neugier, Mitgefühl, Augenblick
  • Neurologie / Bewusstsein
  • Philosophie
  • Psychologie
  • Biologie
  • Soziologische Analyse: „Wettbewerbskultur mit eingebauter Steigerungslogik“
  • Achtsamkeit, Self-Care und Spiritualität
  • Enge oder Weite
  • Weisheiten aus aller Welt
  • karuna
  • Stärke des Verzichts
  • Die alten Griechen u. a. m.
  • Worst-Case- und Best-Case-Überlegungen
  • Eigene Empfehlungsliste gegen Angst (ggf. mit täglicher Erinnerung)
  • 3 Fragen (um festzustellen, ist das funktional oder dysfunktional?)
  • Gedankenkinder und Herdenschafe
  • Ziele vs. Werte
  • Die Sache mit dem Nicht-Ich (+ Teilchenphysik + Neurowissenschaft)
  • … und noch einiges mehr

Thorsten Glotzmann: „Herr G. hat Angst. Und macht sich auf eine Reise durch Philosophie, Wissenschaft und Spiritualität“. Berlin 2024. 22,- EUR (D) / 22,70 EUR (A). ISBN 978-3-8270-1496-2.

siehe auch: TED-Talk The three secrets of resilient people (engl.)
siehe auch: Podcast https://www.tenpercent.com/podcast

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Forschungsreise ins Eismeer

Auf der Suche nach der geheimnisvollen Riesenqualle

CoverDie Sterne auf dem Cover glitzern tatsächlich, wenn man das Buch im Licht etwas bewegt. Ui!

Wir starten in die Geschichte in einem Labor. Dr. Morley ist die Forscherin, die man im nächsten Schritte beim Rauszoomen in diesem Labor mitten auf einem Forschungsschiff werkeln sieht. Dr. Morley, die junge Forscherin, liebt Quallen. Besonders fasziniert ist sie von der legendären arktischen Riesenqualle. Niemand hat diese Riesenqualle bisher gesehen.

Um sie zu finden, machen sich die junge Wissenschaftlerin und ihr Team auf eine Reise in die eisigen Gewässer des Nordens. Der Polarkreis ist voller Wunder. Verspielte Orcas, schimmernde Polarlichter und beeindruckende Eisberge.

Dr. Morley leitet die Expedition der Forschungsgruppe Richtung Nordpolarmeer, wo sie… naja… eben die geheimnisvolle Riesenqualle suchen gehen. Finden gehen. Auf dem Weg forschen sie natürlich auch an den anderen faszinierenden Phänomenen des Eismeers.

Auf den Bildern kann man hier und da kleine Entdeckungen machen: Hier eine Krabbe, da ein Entenschnattern, und … ist da hinten nicht eine Riesenqualle?!?

Zwei InhaltsseitenBeeindruckt hat mich bei aller künstlerischen Ausdrucksweise der Bilder die realistische Darstellung, z. B. die Rillen der Eisberge unter Wasser. Auf dem neusten Stand der Wissenschaft. Nett.

Was mir sehr gefallen hat: Manche Bilder ähneln sich und sind doch etwas unterschiedlich. Also hab ich vor- und zurückgeblättert und verglichen. Ein Vergnügen :-)

Schild, mit Kuli auf Papier geschriebenSchön auch: Kids (und Große) entdecken schon früh das gesuchte Tier – und sind damit der Forscherin und ihrem Team voraus. Dieser erzählerische Trick macht das Verfolgen der Geschichte nochmal spannender. Man möchte der Forscherin beim Tauchen ein Schild vor die Taucherbrille halten: „Auf der ANDEREN Seite vom Eisberg gucken!“

So macht Lesen sehr viel Spaß!

… und das Ende hat mich auf der letzten Seite überrascht.

Fazit: So soll ein Bilderbuch sein! Faktenreich! Spannend! Überraschend.

Themen

  • Ausrüstung
  • Forschungsteam
  • Faszination
  • Liebe zur Natur

Chloe Savage (Übersetzt von: Stephanie Menge): „Auf der Suche nach der geheimnisvollen Riesenqualle. Eine magische Reise zum Nordpol“. Alter ab 4 Jahre. Sauerländer Fischer 2024. 15,- EUR. ISBN 978-3-7373-7273-2.

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Kooperativ einen Turm zusammenbauen

TowerBrix

Foto des KartonsKooperativ mit bis zu 6 Personen einen Turm aus 9 Holzbausteinen zusammenzubauen, klingt erst einmal nicht sonderlich schwierig. Jede Mitspielerin hat aber ein bis mehrere Bedingungskarten, die alle erfüllt sein müssen, um eine Runde zu gewinnen, z. B. „Kein roter Stein liegt waagerecht“ oder „Genau drei Steine liegen senkrecht“. Selbstverständlich dürfen die Spieler:innen sich nicht über ihre jeweiligen Bedingungen austauschen.

Das Spiel beinhaltet 4 Schwierigkeitsstufen bei den Bedingungskarten, gibt mögliche weitere Herausforderungen („Nur ein Stein darf den Boden berühren“) und lässt sich auch solo spielen. Die Anleitung ist kurz, die Spielregeln sind relativ einfach und damit der Einstieg schnell möglich.

Was hat mir gut gefallen? Schneller Start und das kurzweilige Spielen mit einem ungewöhnlichen Spielkonzept.
Was hat mir nicht so gut gefallen? Die Solo-Variante ist wenig herausfordernd, und auch in einer Gruppe sehe ich keinen Langzeitspielspaß.

Fazit: Spiel für Zwischendurch

„TowerBrix“ ab 10 Jahre. 1 bis 6 Spieler:innen. Kosmos 2023. 24,99 EUR. EAN 4002051684228

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Evolutionär Organisationen verbessern und wettbewerbsfähig machen

Kanban

CoverDas Buch führt von den Wurzeln der Kanban-Methode über Erfahrungskonzepte, die Anpassung der Konzepte aus der Industrie an die moderne Wissensarbeit, bis hin zu Learnings aus den „ersten Jahren“. Es erzählt von Praktiken, Prinzipien und Werte der Kanban-Methode anhand realer Fallstudien, zeigt kritische Elemente eines erfolgreichen organisatorischen Wandels und stellt das Kanban-Reifegradmodell vor.

Im Großen und Ganzen funktioniert es gut, die Theorie der Methode anhand einiger Praxisanekdoten (wieder) kennen zu lernen. Es geht nicht nur um die abstrakte Vorgehensweise, sondern auch um mögliche (psychologische) Widerstände. Solche Widerstände aller Arten von Stakeholdern kennen alle, die Projekte managen – hier gibt es ein paar Ideen und valide Hintergründe, so dass man der (eigenen) Lösung näher kommen kann.

Auch interessant: Die Erläuterung zu evolutionärem Vorgehen – mit Giraffe Fred – mit Verweis auf Antifragilität und Robustheit, was man durchaus mal gegenüber Effizienzstreben und rational vorgegebenen Prozessen nutzen kann. In dem Moment entscheidet man sich für die Fähigkeit, sich anzupassen an Veränderungen der Umgebung und Erwartungen. Und wenn etwas antifragil ist, wird es durch Widerstände stärker, das ist mehr als Resilienz. Feine Sache, das.

Erkenntnisgewinn: Kanban hat viel mit Kultur zu tun, mit Veränderungsmanagement sowie psychologischen und soziologischen Gründen für Widerstand von Menschen und Organisationen gegen Veränderung. Stichwort: Kanban-Maturity-Model. Spannend, denn diese Widerstände sind ja gerade der Punkt, an dem sich Erfolg und Misserfolg entscheidet. Fast immer.

Ein großer Teil beschäftigt sich mit der Frage, was man mit Führungskräften tun muss, damit eine kontinuierliche Verbesserungskultur möglich ist und damit die Mitarbeitenden befähigt werden, aus eigener Initiative heraus zu handeln und eigene Entscheidungen im Sinne der Organisation zu treffen. Und ja – auch das Thema Verantwortung kommt vor :-)

Kanban hilft, Priorisierungen direkt vor der Umsetzung zu platzieren. Das verhindert ein „Sich-verlaufen-in-zu-vielen-Parallelarbeiten“. Wirkungsvoll. Schwierig zu erreichen in der Praxis. Es erzwingt gewissermaßen implizit ein hohes Maß an Disziplin bei der Entscheidung, was WIRKLICH als nächstes getan wird.

Lesefreundlich: Am Ende von jedem Kapitel gibt es eine übersichtliche Liste von Aufzählungspunkten, die das Kapitel zusammenfasst.

Nicht so toll: Im Stichwortverzeichnis finde ich nicht alles, was ich suche (den Begriff „Festigungspraktiken“, durchaus ein Wort, bei dem ich mir mehr Kontext wünsche). So semi. Immerhin gibt es dieses Stichwortverzeichnis und auch ein Literaturverzeichnis, was ich grundsätzlich schätze.

Was mich irgendwann etwas nervte, sind die vielen Verweise auf andere Bücher (einer Reihe zu Kanban). Das kann man ja zentral mal irgendwo platzieren. Hier hätte ich mir einfach gewünscht, direkt auf den Punkt zu kommen – und dann evtl. am Ende des Kapitels in der Zusammenfassung auf die weiterführenden Quellen / Literatur hinzuweisen. Auch die Formulierung einer Fußnote finde ich etwas .. naja umständlich: „Eine Version dieses Kapitels erschien zuerst als Anhang im Buch ‚Fit for Purpose‘.“ Too much information!

Spannend dagegen, dass ich wieder daran erinnert wurde, dass die Art und Weise, wie Kanban in einer Organisation implementiert ist, den Reifegrad sehr gut widerspiegelt. Hier spielen Schlagwörter wie „Geschäftsverhalten“, Führung, Risikomanagement, Organisationskultur … ihre Rollen. Am Ende kann man an Geschäftsergebnissen erkennen, wie sie mit den Kanban-Reifegraden korrelieren.

Fazit: Gut für Erfahrene; vielleicht etwas zu wenig Grundlagen für Neulinge

Themen

  • Definition und erste Schritte
  • Widerstände beseitigen
  • Flow-System
  • Service Delivery Manager
  • Tiefergehende Hintergründe
  • Kodifizierung der Methode
  • Maturity Model
  • Leadership-Fahrplan
  • Kleiner werdende Timebox und ihre Tyrannei
  • Autonomes, agiles Abhängigkeitsmanagement
  • Kanban und Führung

David J. Anderson: „Kanban. Der evolutionäre Weg zu agilen Organisationen“. dpunkt 2024. 36,90 EUR. ISBN 978-3-86490-986-3.

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One Pot = praktisch. One Auflaufform = praktischer.

One Auflaufform

CoverKennst Du das auch? Du sitzt mittags im Homeoffice und hast nur eine halbe Stunde Pause, und der Magen knurrt schon wieder wie ein Bär. Du würdest Dir gern etwas Gesundes und Leckeres zubereiten, aber die Zeit rennt davon und Du hast die Wahl zwischen dem etwas labberige Salat vom Vortag oder die Altes-Frittenfett-Pommes von der Imbissbude um die Ecke. Alles etwas suboptimal.

Da gibt es nur eins: One-Pot-Gerichte. Oder – noch besser – One-Auflaufform-Mahlzeiten! Kein stundenlanges Schnippeln und Vorkochen – alles kommt direkt in den Ofen und in kurzer Zeit steht ein leckeres Mittagessen auf dem Tisch. Und weniger abwaschen muss man auch.

Liebevoll gestaltet, farbenfroh, minimalistisch. Frei nach dem Motto: Einfach vor kompliziert, 1 Messer, 1 Brett, 1 Form – fertig.

Sortiert nach Jahreszeiten, dazu Alltime-Aufläufe und oben drauf noch Menüvorschläge. Et voilà!

Und wie schmeckt das so? Hervorragend! Vegane Rezepte sind durch ein Icon nochmal extra leicht zu finden, alles andere ist vegetarisch. Je für 2 Personen berechnet. Kurze Zubereitungszeiten, unkomplizierte Zutaten mit der Option zum individuellen Verfeinern. In max. 20 Minuten Vorbereitung und max. 60 Minuten Gesamtzeit hat man was Leckeres auf dem Tisch. Es gibt dazu noch Tipps zu Beilagen und Dips und damit ist man dann garantiert auch satt und zufrieden. Ein Tipp, schon mal gehört, hier nochmal wiederentdeckt: Je kleiner man Zutaten schnippelt, umso schneller gar. Und hier und da gibt es noch mehr Profitipps.

Apropos Profis: Autorin und Autor sind Sportwissenschaftler:innen mit Schwerpunkt auf Ernährungslehre. Gesundes und abwechslungsreiches Essen spielt also neben der unkomplizierten Zubereitung eine wichtige Rolle. So gefällt mir das :-)

Zusatzservice: Tabellen, die zeigen, welche Zutaten man durch welche anderen Zutaten problemlos ersetzen kann. Super auch: Manches kann man sogar mitnehmen, Überschrift: „Für eine Frühlingswanderung“ – da bekommt man doch sofort Lust loszulegen und loszuwandern und loszupicknicken. Das Einzige, was mir fehlt, sind die Nährstoffangaben; das wäre noch praktisch.

Wunsch für die nächste Auflage? Ringbindung.

Fazit: Praktisch, schnell & für jeden Geschmack – das kommt in Griffnähe!

Rezepte (Auswahl)

  • Babyspinat-Ei-Feta-Walnüsse-Auflauf
  • Kürbis-Maronen-Champignon-Auflauf
  • Blumenkohl-Bulgur-Ricotta-Auflauf
  • Kidneybohnen-Mais-Tomaten-Buchweizen-Auflauf
  • Spinat-Hirtenkäse-Kichererbsen-Auflauf
  • Mango-Zuckerschoten-Reis-Kokos-Auflauf
  • Pfirsich-Heidelbeeren-Salzbrezeln-Schoko-Auflauf

Lisa Volk, Andreas Volk: „One Auflaufform. 50+ vegetarische Gerichte für alle, die es schnell und gesund lieben. In den Ofen – fertig – lecker“. TOPP 2023. 16,- EUR. ISBN 978-3-7358-5175-8.

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Von Vermissung und technischer Experimentierlust

Himmelwärts

Cover Toni und YumYum sind auf einer Mission – Kontaktaufnahme Richtung Himmel!

In einer sternenklaren Sommernacht funken sie mit einem selbst gebastelten Radio in den Himmel, um Kontakt zu Tonis verstorbener Mutter aufzunehmen. Toni hat große Vermissung, und Weltall-Expertin YumYum hat Experimentierlust.

InhaltsseiteBestens ausgerüstet (vor allem mit Snacks) erleben die beiden sehr viel mehr, als zu erwarten wäre.

Denn statt der Mutter antwortet ihnen Astronautin Zanna von der ISS. Alle 80 Minuten bekommen sie Kontakt. Mit ihr philosophieren sie über das Dasein und die Sehnsucht, aber vor allem über das großartige Leben auf dem Planeten Erde, das uns so viel Trost und Freude schenkt.

Dazwischen müssen Energieüberschüsse im dunklen Garten wegbewegt werden – dann wieder Energie in Form von allen(!!) möglichen Snacks aufgetankt werden. Und das alles, ohne dass Papa sie hört! Denn eigentlich schlafen sie ja schon ganz lange ganz brav… ;-)

Inhaltsseite

Den Steckbrief findest Du von Toni und YumYum und … von Dir, wenn Du magst. Und am Ende noch von der Autorin und der Illustratorin. Danach kennt man sich schließlich erst so richtig ;-)

Was ist Deine schnellste Reisegeschwindigkeit? 107.000 km/h vielleicht…? Antwort im Buch.

Was mir außer der Geschichte besonders gut gefallen hat, sind die kleinen Spielchen, die man sich abgucken kann. Wobbeln. Marshmallow-Challenge. Und noch mehr.

Fazit: Un! Be! Dingt! … Absolut empfehlenswert, für alle Altersgruppen unterhaltsam, ergreifend und lustig.

Ausgezeichnet

Ausgezeichnet mit dem LUCHS im Februar 2024: Abenteuer im Bauch und Vermissung im Herzen – eine ebenso leichtfüßige wie tiefgründige Geschichte von Karen Köhler, durchgehend farbig illustriert von Bea Davies

Autorin

Karen Köhler wurde in Hamburg geboren, sie wollte Kosmonautin werden, hat Fallschirmspringen gelernt und an der Hochschule für Musik & Theater in Bern Schauspiel studiert. Nach 12 Jahren am Theater begann sie zu schreiben und veröffentlicht heute Theaterstücke, Drehbücher, Hörspiele, Essays, Erzählungen und Romane. Ihre Arbeit hat sie nach Tirana, Reykjavik, Marseille, London und New York getragen. Ihr Lebensmittelpunkt ist St. Pauli. Ihr Band Wir haben Raketen geangelt wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Ebenso ihr Roman Miroloi (2019). Seit 2008 schreibt sie für das Kinder- und Jugendtheater. Himmelwärts ist ihr erster Roman für Kinder.

Und: Er ist unglaublich lebendig geschrieben :-)

Illustratorin

Bea Davies wurde in Italien geboren, lebt seit 2012 in Berlin und arbeitet als freie Illustratorin und Comiczeichnerin. Sie studierte Illustration und Visuelle Kommunikation an der School of Visual Arts in New York und an der Weißensee Kunsthochschule in Berlin.
Und: Sie malt wirklich tolle Bilder :-)

Karen Köhler und Bea Davies: „Himmelwärts“. Ab 10 Jahren. Hanser 2024. 19,- EUR (D) / 19,60 EUR (A). ISBN 978-3-446-27922-3.

Interview: 5 Fragen an Karen Köhler

Liebe Karen, was hat dich dazu inspiriert, Himmelwärts zu schreiben?
Seit 2008 schreibe ich regelmäßig fürs Kinder- und Jungendtheater. Damit habe ich nicht aufgehört, auch wenn 2014 mit Wir haben Raketen geangelt mein erstes Buch für Erwachsene erschienen ist. Himmelwärts war zuerst ein Theaterstück, ein Auftragswerk […]. Das Theater kam auf mich zu, ob ich mir vorstellen könnte, ein Stück zum Thema Kosmos für sie zu schreiben.

Ich so: Kosmos? Ja! Hier! Sofort! Es war gerade Pandemiebeginn und ich hatte bei ausgefallener Lesereise viel Zeit zum Nachdenken. Beim Recherchieren bin ich auf ein Programm der NASA gestoßen, das Mädchen beibringt, selbst ein Radio zu bauen und damit zur ISS zu funken. Damit hatte ich das Grundsetting gefunden.

Dazu webte ich eine tiefere Ebene: Dass es um Trauer geht, dass Toni ihre kürzlich verstorbene Mutter erreichen will, von der alle behaupten, sie sei jetzt im Himmel. Weil Toni nämlich Komplettvermissung hat. Ich plottete das Theaterstück einmal durch, schrieb die ersten Szenen. Dann, Monate später, verrückt, wie es manchmal ist, bekam mein Vater aus dem Nichts eine unheilbare Krebsdiagnose und das bis dahin fiktive Thema wurde auf einmal autobiografisch. Zwischen dem Termin beim Arzt und seinem Tod lagen vier Monate. Ich habe ihn pflegend beim Sterben begleitet.

Mit der Astronautin Suzanna Randall hatte ich in der Zeit Kontakt aufgenommen, das Theater arrangierte ein Zoom mit der Zielgruppe und der Astronautin, viele der Fragen im Text stammen tatsächlich von Kindern aus diesem Gespräch. Direkt nach Papas Tod habe ich in nur drei Wochen die erste Fassung des Theaterstücks geschrieben. Das Theater und seine Gewerke warteten bereits dringend auf den Text. Ich hatte die Deadline wegen Papas Deadline (haha) mehrmals verschoben.

Himmelwärts war zunächst ein Kindertheaterstück, das bereits aufgeführt wurde. Was hat dich gereizt, daraus einen Kinderroman zu machen?
Ich wollte eigentlich gar keinen Kinderroman aus dem Theaterstück machen, hatte auch keine Ambitionen, Kinderbuchautorin zu werden, aber dann hatten Jo Lendle und Saskia Heintz vom Hanser Verlag mein Theaterstück gelesen und ich bekam einen Liebesbrief, von wegen: Bitte mach mit uns ein Buch aus Himmelwärts. Erst dann hab ich überlegt, wie ich das eigentlich machen würde, aus dem Dialog einen Langtext zu bauen, das ist ja eher der ungewöhnliche Weg für eine Adaption. Mir war wegen meiner eigenen Trauersituation sofort klar, dass ich – anders als im Theaterstück – aus Tonis Perspektive erzählen wollte. Mich beschäftigte zu der Zeit der Aspekt, wie ich mich an meinen Vater gut erinnern könnte. Ich habe (noch immer) Angst, Teile von ihm zu vergessen. So kam mir die Idee mit Tonis Notizbuch, in das Toni alle Erinnerungen an ihre Mutter aufschreibt, um sie nicht zu vergessen. Das Magische am Schreiben ist ja, dass nicht nur ich den Text schreibe, sondern der Text auch mich schreibt. Tonis Tonfall war sofort da. Den gab es ja auch schon im Theaterstück. Ich konnte ihn einfach ausdehnen und reinschlüpfen und fühlte mich in der Figur sofort geborgen. Das Buch ist tatsächlich ein Herzstück von mir geworden.

Welche Themen oder Aussagen in Himmelwärts sind dir besonders wichtig?
Himmelwärts ist ein Buch über Freundinnenschaft, die durch Krisen trägt. Es ist ein Buch über das Trauern, aber es ist nicht von Schwere geprägt, sondern von Tonis Versuch, ihre Vermissung zu verkraften, das hat durchaus komische Aspekte. Es ist ein Buch, das Grenzen überwindet.

Ein Buch, in dem Kinder wirklich wichtige Fragen stellen. Über den Kosmos, wo wir herkommen, über das, was nach dem Tod kommt, über Liebe und Familie und wie unterschiedlich die sein kann. Es ist ein Buch, das Mädchen die Gestaltungskraft ganz selbstverständlich in die Hände legt. Es ist ein Buch über die Kunst und den Trost des Snackens. (Sehe innerlich schon die Mails von Prof. Dr. Emeritus vor mir: „Frau Köhler, wie können Sie Süßigkeiten so verherrlichen! Wissen Sie nicht, wie schädlich sich Zucker auf die Gehirne von Zehnjährigen auswirkt …“).

Wenn ich mit befreundeten Kindern über den Tod spreche, dann ist das sehr natürlich. Die allermeisten Erwachsenen leben aber so, als gäbe es den Tod nicht, und sind dann, wenn sie damit in Berührung kommen, vollkommen geschockt, dass auf der anderen Seite der Gleichung von Geburt eben – fette Überraschung – der Tod steht. Wir können unser Ende vielleicht nicht immer mitdenken, aber ein Durchschimmern des Bewusstseins in unseren Handlungen, dass Lebenszeit endlich ist, täte uns allen ganz gut. Ich denke mich oft vom Tod ausgehend. Das macht manche Entscheidungen einfacher, und das Erleben von Zeit auch kostbarer.

Toni vergleicht Lebenszeit mit einer Lakritzschneckenschnur, auf die du Erlebnisperlen fädeln kannst. Sie sagt am Ende, dass sie keine Hätte-ich-doch-Perlenkette um den Hals baumeln haben will.

Du bist eine erfolgreiche Romanautorin und Dramatikerin, Himmelwärts ist dein erstes Kinderbuch. Spielt das eine Rolle beim Schreiben?
Es geht mir beim Schreiben immer um alles. Egal, wie alt meine Zielgruppe ist. Es soll immer der mir bestmögliche Text rauskommen. Ich bin der Behauptung auch echt müde, Kinder- und Jugendliteratur sei eine unliterarischere Gattung. Gähn. Unterfordern und die Intelligenz der Lesenden unterschätzen kann auch Erwachsenenliteratur […]. Da gibt es kein Abonnement auf „interessant“. Hingegen scheiben zum Beispiel Finn Ole Heinrich, Dita Zipfel, Saša Stanišić oder John Green sehr gute, sehr literarische Texte für eine junge Zielgruppe.

Welche Rolle spielt die Illustration von Bea Davies?
Bea war meine Wunschillustratorin. Ich habe mich mit Brummps in ihre Arbeit verknallt. […] Es lief hier ganz klassisch: Es gab den fertigen Text, den Bea Davis dann illustriert hat. Bea, solltest du das jemals lesen: Ich möchte bitte noch viele Bücher mit Dir machen, noch viel mehr zusammen entwickeln. Danke für Deine fantastische Arbeit!

(Quelle: Verlagsseite)

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Buntes Schafzählen

10 kleine Schafe

CoverPATSCH! Ein gelbes Schaf hüpft in die Matschpfütze. Auf der nächsten Seite kommt ein rotes dazu, die beiden Schafe machen flugs ein Picknick. Gemeinsam mit dem grünen Schaf singen sie zu dritt Lieder.

Und dann kommen immer mehr dazu…. 10 bunte Schafe stellen 10 lustige Sachen an. Bis sie wieder ihrer Wege gehn. Und dann kann alles von vorne starten.

Auf jeder Seite entdecken die Kids ein buntes Schaf mit einer neuen verrückten Idee – und im Schafumdreh´n zählen sie schon bis zehn! Und können das sicher bald schon ganz allein, denn das robuste Pappbilderbuch hält so einiges an Selberblättern aus.

Besonders hübsch finde ich die am Rand übereinandergestapelten Schafe. Und neben den Schafen kann man auf den Bilderbuchseiten immer auch noch andere Entdeckungen machen… da sind ja noch mehr Tiere!

Für Kindergarten und Vorschule geeignet, natürlich auch für zuhause: Fördert ein erstes Verständnis von Zahlen und vom Zählen und von Farben. Und auch noch die Konzentrationsfähigkeit.

Fazit: Bin schockverliebt in die Schafbande! Sehr bunt, sehr hübsch, sehr zählerisch ;-)

Autorin

Franziska Gehm wurde 1974 geboren und lebt nun als Autorin und Übersetzerin mit Familie in München. Sie hat Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, die in viele Sprachen übersetzt wurden.

Illustratorin

Marina Rachner wurde 1971 in Hamburg geboren, wo sie auch an der Fachhochschule für Gestaltung studiert hat. Heute lebt sie in Weinheim. Schon während ihres Studiums hat sie für verschiedene Verlage Kinderbücher illustriert.

Franziska Gehm, Marina Rachner: „10 kleine Schafe. Von 1 bis 10 im Schafumdreh’n“. Pappbilderbuch für Kinder ab 2 Jahren. Loewe 2022. 8,- EUR (D) / 8,30 EUR (A). ISBN 978-3-7432-1251-0.

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Stopptaste und ab zum See

25 letzte Sommer

CoverZwei Männer treffen zufällig in aller Frühe eines Sonntagmorgens am See aufeinander. Die beiden leben sehr unterschiedliche Leben. Der Erzähler führt ein gehetztes Leben, das er als endlose Todo-Liste empfindet. Er verbringt die meiste Zeit in Konferenzräumen, am Laptop und am Telefon.

Karl dagegen sortiert Tag für Tag Kartoffeln und denkt ganz anders über die Welt und das Leben. Karl  konfrontiert den neuen Freund an seinem Küchentisch mit den großen Fragen des Lebens:

  • Warum verbringen wir so viel Zeit mit unserer Arbeit anstatt mit Menschen und Dingen, die uns wirklich wichtig sind?
  • Woher nehmen wir den Mut, unsere eigenen Träume zu verwirklichen?
  • Warum beginnt das richtige Leben oft erst, wenn wir erkennen, dass wir nur eines haben?

Im Buch kann man sich leicht wiedererkennen, sich selbst und Menschen, die man kennt: Das immerwährende Streben nach Anerkennung, das Glück und der Stolz, etwas erreicht zu haben, das ewige Arbeiten für Wohlstand und Status – und gleichermaßen diese Sorge, mal lauter, mal leiser, aber immer da, so sehr im Strudel des Lebens gefangen zu sein, dass das wahrhaftige Leben an einem vorbeizieht.

Die Geschichte nähert sich diesem Thema auf eine feine, kluge Weise. Nicht mit dem Anspruch, alle Fragen zu beantworten, aber wohl dem, sie genauer anzusehen und neu zu betrachten.

Wie stets war der Erzähler zum Laufen aufgebrochen. Auch, um seinen ständig kreisenden Gedanken zu entkommen. In seinem Kopf taucht dabei die Erinnerung auf, wie er als kleiner Junge Trost gefunden hat in der Klarheit und Tiefe des Wassers. Einfach abtauchen. Kurzentschlossen biegt er zum See ab – und trifft dort auf Karl, der hier regelmäßig schwimmt. Die beiden kommen ins Gespräch über das Leben, und sie hören das ganze Wochenende nicht damit auf. Sie reden und reden, über das dauernde Streben, in allem genug sein zu wollen, sein zu müssen, und über die gleichzeitig so große Sehnsucht nach einem Leben in Balance. Nach innerer Ruhe.

Aquarell einer Wiese mit Büschen, ein Rad lehnt am Rande eines schmalen PfadesSie teilen ihre Lebensgeschichten miteinander, und wir folgen diesen zwei besonderen Menschen an den Küchentisch bei Kaffee und Kuchen, auf Karls Kartoffelacker, in seine kleine Bibliothek, in den Garten und den Wald. In eine Geschichte, die sich wie ein Trostpflaster auf die gestresste Seele legt.

Im Laufe des Gesprächs wird klar: Es bleiben noch ungefähr 25 Sommer für dieses Leben. Oh. Gar nicht mal so viel.

Zum Hintergrund

Der Kartoffelbauer Karl hat ein Vorbild im wahren Leben. Er malt Aquarelle. Das finde ich sehr schön, es macht das Buch für mich noch ein bisschen besser.

Ein bisschen erinnert das Buch an „Das Café am Rande der Welt“ und andere Bücher von John Strelecky; dies hier gefällt mir persönlich besser, scheint mir lebensnäher.

Aquarell: Eine offene Wiesenlandschaft mit Busch oder Hecke, im Hintergrund ein kleiner Wald

Fazit: Ein Sonntag, wie er sehnsüchtiger kaum sein kann.

Themen

  • Sehnsucht nach Leben in Gleichgewicht
  • Das Zuviel und das Zuwenig im Leben
  • Streben nach… Verschiedenem und Widersprüchlichem
  • Freundschaft
  • Auf Karls Kartoffelacker
  • In Karls kleiner Bibliothek
  • Im Garten
  • Im Wald

Stephan Schäfer: „25 Sommer letzte Sommer“. park x ullstein 2024. 22,- EUR (D) / 22,70 EUR (A). ISBN 978-3-98816-009-6.

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„Sicher doch!“ Mensch und IT

Mensch und Informationssicherheit

CoverInformationssicherheit, das ist Technik. Hase-und-Igel-Spiel. Und: Es geht um Menschen! Also kommen die Themen Psychologie, Manipulation, Gefühle… Schwächen, aber auch Stärken.. uvm. auch noch ins Spiel – und das nutzt der einen oder der anderen Seite.

Diese Sichtweise adressiert das Buch.

Alle Nutzer:innen müssen nicht zuletzt im Arbeitskontext verantwortlich mit digitalen Diensten umgehen können und sich möglicher Gefahren und Fehlerquellen bewusst sein. Aus diesem Grund ist die Bedeutung des Faktors Mensch für die Sicherheit in den letzten Jahren stark gestiegen.

Die zunehmende Bedeutung wird anhand verschiedener Facetten in diesem Buch aufgeblättert. Es stellt dar, wie der Mensch als Teil eines ganzheitlichen Informationssicherheitsmanagements in Organisationen eingebunden werden kann. Die beteiligten Menschen werden für die bessere Übersicht erst mal in verschiedenen Rollen hervorgehoben: Als Angreifende, Insider, Verantwortliche, Angriffsziel oder Vorbild.

Man erfährt, wie Mitarbeitende in Unternehmen tatsächlich für den verantwortlichen Umgang mit IT sensibilisiert und geschult werden können. Dabei überträgt die Autorin fundierte Erkenntnisse, z. B. aus der Psychologie, in anwendbare Konzepte und zeigt anhand von Beispielen, was in der Praxis wirklich funktioniert.

Der Stil lässt erkennen, dass das Thema aus Sicht der Wissenschaft beleuchtet wird (mir hätten manchmal weniger Literaturangaben auch gereicht) – nichtsdestotrotz kommt man damit auch nah (genug) an die Praxis ran.

Fazit: Gute Übersicht, verständlich und umfassend (im Rahmen eines Einstiegs)

Themen

  • Der Mensch: Vom Problem zur Lösung
  • Der Mensch als Bedrohung
  • Impersonating / Pretexting
  • Typische Szenarien – (un)sicheres Verhalten
  • Enemy Mine – Malicious Insider
  • Der Mensch als Opfer: No-Tech-Hacking
  • Wahrgenommene Norm
  • Information Security Awareness messen und fördern
  • Thinking, Fast and Slow
  • Wahrnehmung, Gewohnheiten
  • Autoritäten und Ablenkung
  • Mediendidaktik
  • Salienz
  • Verhaltensabsicht, Wissen, Gewohnheit
  • Zukunft

Kristin Weber: „Mensch und Informationssicherheit. Verhalten verstehen, Awareness fördern, Human Hacking erkennen“. Hanser 2024. 34,99 EUR. ISBN 978-3-446-47645-5.

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Reportage zu Intelligenz und Hochbegabung

Verschiedene Erfahrungen & wissenschaftliche Sicht

Screenshot

Im Herbst 2022 fragte die TV-Lehrredaktion „KURT“ an der TU Dortmund an, ob sich Mitglieder von Mensa für ein Interview zum Thema „Intelligenz und Hochbegabung“ zur Verfügung stellen. Herausgekommen ist jetzt eine sehr gut gemachte, sachliche und wohlwollende Reportage, die vom Alltag von Diana, Carsten und Jacob erzählt. Zusätzlich geben zwei Professoren der Psychologie und der Neurologie Hintergrundinformationen zum Thema.
Link:
www.nrwision.de/mediathek/nahaufnahme-intelligenz-und-hochbegabung-230718

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Mobiler halbautomatischer „Bildergenerator“

Fotografie mit dem Smartphone

Cover Wer gut und gern mit Büchern lernt, ist mit diesem gut bedient.

Mit dem Handy gut komponierte, richtig belichtete und perfekt bearbeitete Fotos machen – das wird immer einfacher. Technisch. Und bleibt genauso schwierig. Konzeptionell.

Alles, was ich im ersten und im zweiten Schritt dazu brauche, wenn ich mit einem Smartphone in die Fotografie eintauchen möchte, finde ich hier gut beschrieben.

Mit einem halbwegs aktuelles Smartphone, ein paar Apps und Spaß an der Sache geht es los. Im Buch lernt man anhand kurzer Einführungen, mit Licht, Schärfe, Bewegung und Bildaufbau zu arbeiten. Thematisch geht es um Porträt-, Landschafts-, Architektur- und Makrofotografie. Ob Panoramabilder, Spiegelungen und Doppelbelichtungen, ob Schwarzweißfotografie oder Bewegung – hier ist alles zu finden. Daneben geht es darum, die Bilder auf dem Smartphone mit Snapseed und Adobe Lightroom CC zu optimieren und sie mit Cloud und Mac/PC zu synchronisieren.

Inhaltsseite aus dem Buch zum Thema Serienbildfunktion

Besonders gut gefallen hat mir die Sicht auf den Einsatz von und Umgang mit dem Selfiestick – sooo blöd, wie ich dachte, ist der gar nicht ;-)

Die Checklisten erlauben ein rasches Nachschlagen. Durchstöbern funktioniert wunderbar. Und von vorn bis hinten Durchlesen dauert nicht zu lang, da die Texte erfreulich kurz und doch prägnant sind. Voila!

Autorin

Simone Naumann ist Profifotografin und lebt in Oslo. Sie gründete die SMARTphotoschule, Deutschlands erste Schule, die sich auf Fotografie und Videodreh mit dem Smartphone spezialisiert hat. Dort unterrichtet sie nicht nur Neulinge, sondern auch erfahrene Fotograf:innen im kreativen Umgang mit Smartphone-Kameras und Apps.

Inhaltsseite aus dem Buch zum Thema Mitziehen der Kamera bei bewegten Motiven

Fazit: Auf den Punkt – kurz und knapp – empfehlenswert!

Themen

  • Basics: Belichtung und Schärfe automatisch und von Hand
  • Perspektiven
  • Makro
  • Events fotografieren
  • Licht & Schatten
  • Schlechtes Wetter? Gibt’s nicht!
  • Nachts fotografieren
  • Bilder bearbeiten und verwalten
  • Nützliches Zubehör
  • uvm.

Simone Naumann: „Fotografie mit dem Smartphone. Bilder machen, bearbeiten und verwalten mit Android-Handys und iPhones“. dpunkt 2024. 24,90 EUR. ISBN 978-3-86490-999-3.

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Nachdenken über eine Art der Führung

Führung = Beziehung

Cover Im Untertitel findet sich, was hier Programm ist: Inspirationen.

Das Buch setzt den Beziehungsaspekt in den Fokus. Beziehung ist hier verstanden als wichtig(st)er Faktor in der Führung. Die Verantwortung teilen sich dabei Führungskraft und Geführte. Eine innovative Sicht auf Führung, die über formale Führungsrollen und individuelle Eigenschaften von Führungskräften hinausgeht.

Die Autor:innen bringen kompakte Texten und – ich würde sagen – expressionistische Zeichnungen ein, um vor allem Führungskräfte über ihre Führungsbeziehung zum Nachdenken anzuregen. Die Inspirationen sollen einladen, das eigene Führungsverhalten zu reflektieren. Das Buch ist als Impuls gedacht, um Führung als einen gemeinsamen Prozess zu verstehen.

Zitat:

Wenn Führung in Beziehungsdimensionen gedacht wird, muss zwangsläufig auch die Führungsverantwortung so verstanden werden. Beziehungsbasierte Führung legt Wert auf die Entwicklung von beziehungsorientierten Praktiken sowie ethischen Standards im Umgang miteinander und der Verantwortung gegenüber anderen.

Dabei liegen zwei Fragestellungen zugrunde. Zum einen geht es darum, dialogische Praktiken zu entwickeln. Zum anderen liegt der Fokus auf der Entwicklung von Organisationen, in denen die Mitglieder einander respektieren und füreinander sorgen.

Inhaltsseite

InhaltsseiteDas Buch will ein Leitfaden für Führungskräfte sein, die sich von einer personenzentrierten Betrachtung der Personalführung lösen möchten. Es richtet sich an Führungskräfte und alle, die „… nach alltagstauglichen, direkt anwendbaren Inspirationen“ für ein besseres Miteinander suchen.

Ein Pluspunkt: „Weibliche Führungskräfte und das Problem gegensätzlicher Erwartungen“ ist ein Abschnitt, der erläutert, warum es immer noch oft so ist, dass man beim Führen als Frau eigentlich nur was falsch machen kann… Gut, dass es aufgegriffen ist. Schade, dass der Abschnitt dann doch so kurz geraten ist und nur das Problem anreißt, weniger Auswege zeigt.

Fazit: Für meinen Geschmack eher philosophisch als alltagstauglich – wenn ich an die Führungskräfte denke, die ich kennengelernt habe.

Sabine Pelzmann, Ingo Winkler und Tomislav Bobinec: „Führung = Beziehung. 44 kompakte Führungsinspirationen in Wort und Bild“. Schäffer-Pöschel 2024. 29,99 EUR (D) / 30,90 EUR (A). ISBN 978-3-7910-6048-4.

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„Ha! Gut hab ich die Drachen gehütet!“ – „Siehe: Mein Amulett strahlt rot!“

Drachenhüter

SpielkartonWer hütet die jungen Drachen am besten? Das Kartenspiel lässt mich Zauberin sein, die sich um die knuffigen Knuddels kümmern darf. So sammle ich Drachen in einer Farbe, um Teile von magischen Amulette zu bekommen. Wie viele Drachen in welcher Farbe ausgelegt werden dürfen, bestimmt das magische Buch. Und das kann ich auch noch verzaubern und so das Spiel nach meinen Wünschen verändern.

Möglichst viele Drachen von einer Art auf einmal auslegen? Und so hohe Belohnungen bekommen? Oder möglichst viele Arten so schnell wie möglich aufdecken? Und so ein Wappen mit Siegpunkten erhaschen? Oder möglichst schnell Amulette vollenden und Perlen erhalten und damit Siegpunkte anhäufeln? Spätere Siegpunktbelohnungen sind allerdings höher als die ersten… Die richtige Taktik ist gefragt!

Je nach Zahl der Mitspielenden endet bei einer bestimmten Anzahl an fertigen Amuletten das Spiel. Dann wird gezählt, wer die höchste Summe für Amulette, Perlen, Wappen und Dracheneier bekommt.

Erster Eindruck: Gut

Das Spiel liegt vor mir, ein ca. DIN-A4-formatiger Karton. Das Auspacken beginnt: Eher wenig Plastikmüll, insgesamt ein gutes Verhältnis von Kartongröße zu Spielmaterialmenge. Im Fach für die Karten kann man noch ein Pappstück als Trenner der beiden Stapel hochklappen, praktisch. Die Sonderkarten lege ich quer drüber, so ist alles gut sortiert gepackt.

Spielmaterial: Das Pappmaterial lässt sich leicht aus den Stanztafeln lösen, nur die Truhen wollen etwas überredet werden. Doch am Ende sind auch sie sauber raus. Die kleinen Teile sind aus kräftiger Pappe, die (Hand-)Karten sind „normal“, d. h. robust genug. Dazu kommt die außerordentlich hübsche Optik vor allem auf den Drachenkarten.

Mit Säckchen für Kleinmaterial (Eier, Kristalle, Perlen, Amulettstücke) macht das einen aufgeräumten Eindruck. Das bringt mich zu einem ersten kleinen Kritikpunkt: Was fehlt? Verschließbare Beutel, um Kleinmaterial wie Kristalle, Eier, Perlen sicher aufzubewahren (ich hab dann Säckchen aus dem Vorrat gekramt). Außerdem könnte man noch Bleistift und Zettel für die Auswertung mit reinpacken, damit wäre man komplett ausgestattet. Sonst muss man eben im Kopf addieren oder sich was aus der Schublade dazulegen. Geht auch.

Weiter geht’s: Die Anleitung ist 4 Seiten lang und damit überschaubar… schön wären noch kleine „Erinnerungskärtchen“ für die wesentlichen Punkte, die man sich zu Beginn zum Nachsehen hinlegen kann – aber so ging es auch; in der 2. Gesamtspielrunde war das schon kein Thema mehr.

Dann gibt es noch ein Begleitheft mit weiteren Erläuterungen, Beispielen, Sonderfällen, taktischen Tipps und erweiterten Spielmöglichkeiten für Fortgeschrittene (die Magie der Zaubertruhen kurz erklärt).

Aufbereitung

Je ein Kartenstapel bildet die linke und die rechte Seite des „magischen Buches“. Eine Seite zeigt die Anzahl an Drachen, die man ablegen darf (mit Belohnung, die man dann bekommt), die andere zeigt die Drachenfarbe, die in diesem Spielzug auf den Tisch gelegt werden darf.

Deswegen ist es auch gut, wenn man die Karten im Karton gut sortiert aufbewahren kann: So kann man die 4 Sorten an Karten schnell ihren Funktionen zuordnen. Das spart Zeit beim Starten ins Spiel.

Die grafische Gestaltung ist nicht nur wunderschön, sondern macht es auch leicht, durcheinander geratene Karten wieder auseinander zu sortieren, wenn am Ende alles aufgestapelt bzw. ausgelegt ist.

Spielidee im Praxistest

  • Schnell erlernbar
  • Spielzug ändern via Kartenmechanismus („Manipulation der aktuellen Regel“)
  • Kurze Spieldauer, ca. 20 Min

Erstes Probespiel: 2-Personen-Runde

Zuerst habe ich alles ausgeräumt, vorbereitet, aufgebaut … und dann mal schnell eine Runde gegen mich selbst gespielt. Wer hat gewonnen? Ich ;-)

Das Spiel ist schnell erklärt, schnell verstanden (nur das Spielende habe ich zuerst übersehen, das könnte vielleicht optisch in der Anleitung nochmal hervorgehoben werden, in einen Kasten gesetzt, als eigene Karte für die Tischmitte o.ä.).

Zweites Probespiel: 4-Personen-Runde

In geselliger Runde haben wir dann zwei Runden durchgespielt.

Auch hier: Die Anleitung war recht schnell verstanden, die erste Runde warf vereinzelt noch Fragen auf, bis die Spiellogik bei allen verankert war.

Die zweite Runde war schon fluffiger und wurde schnell auch taktischer.

Am Tisch saßen 1 Fan von komplexen Spielen, 1 Universalprofi in allen Spielarten (mit Erwachsenen und Jugendlichen), 1 ehemalige Lehrerin und ich selbst als Fan von kurzen Spielen mit einfachen Regeln und nur überschaubar viel Taktik.

Wir haben am Ende den Eindruck, dass das Spiel auch dann kurzweilig bleibt, wenn man es öfter spielt. Zumal es mit den Zaubertruhen für Fortgeschrittene noch mehr Twists gibt.

Spielspaß? Yes!

Meine Mini-Umfrage nach der Viererrunde ergab im Wesentlichen positive Antworten.

„Würdet Ihr nochmal spielen?“ – „Ja!“ – „Beim ersten Mal kam das Spielende sehr plötzlich.“

„Was möchtet Ihr sonst noch berichten?“ – „Die Spieloptik ist echt niedlich!“ – „Man muss ein bisschen aufpassen, aber nicht zu viel.“

Das Spiel hat Spaß gemacht, dauert nicht zu lange und lässt sich für Fortgeschrittene ausbauen. Ob man das Spiel mag, liegt natürlich auch an den eigenen Spielvorlieben.

Fazit: Unbedingt empfehlenswert!

Screenshot

Inhalt

  • 123 Karten
  • 45 Amulett-Stücke
  • 15 Perlen
  • 3 Wappen der Vielfalt
  • 10 Kristalle
  • 9 goldene Eier
  • 6 Zaubertruhen
  • Anleitung, Begleitheft
  • Plus: Kostenlose Erklär-App

„Drachenhüter“. Ab 8 Jahren, für 2 bis 4 Spielende, Spieldauer ca. 20 Min. KOSMOS. 22,99 EUR. EAN 4002051683757

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Berge an magischen Bildern, aufgestapelt, seitenweise

Berge

CoverDer 3,8 kg schwere Table-Top-Titel mit dicken Papierseiten führt durch die Höhen Europas:  Ein Kontinent voller Berge und Welten hoch unterm Himmel. Zwischen Arktis und Azoren: Wilde Gebirge, Mythen, Wege und Weitblicke. Das Werk erzählt von (Erd-)Geschichten, Geologie, Ausmaßen, verschiedenen Bergtypen u. v. m.

Die Texte malen nochmal eigene Bilder in den Kopf, die Beschreibungen beschwören Szenen und Panoramen, Settings und Plots herauf, die mich mitten hinein setzen in Fels und Wald, an See und Hang. Die Geschichte von Tschingel gefällt mir besonders. Lest selbst, wenn Ihr Erstbesteigungen mögt… ;-)

Buch, aufgestellt auf einem Stuhl, um seine Größe zu veranschaulichen: 30 mal 38 cmEin paar besonders magische Bilder lassen mich neue Reisen planen, z. B. entdecke ich die Erdpyramiden von Percha im Pustertal. Viele der Bilder haben diesen Effekt auch mich. Die große Tiefenschärfe bringt die Gewaltigkeit hervor, manchmal noch eindrucksvoller durch Menschlein im Bild. Nicht von ungefähr sind die Werke preisgekrönt im Bereich der Bergfotografie.

Das Durchblättern und Lesen schmeißt meine innere Traummaschine an, Entdeckungen inklusive. Da gibt es eine schöne Aufnahme, die das optische Phänomen des „Berggeistes“ zeigt, das ich bisher nur vom Brocken im Harz kannte. Das gibt es auch anderswo, klar. Es müssen nur Sonne und Luftfeuchtigkeit in bestimmter Weise mit dem eigenen Standort (Blickrichtung) zusammenspielen. In das eine oder andere Bild möchte ich selbst eintauchen wie Alice (die im Wunderland), so fantastisch sehen die Fotos aus.

Europas Berge sind eine ganz eigene Welt. Ungezähmte Landschaften finden sich jenseits der Zivilisation. Vom Arber im Bayerischen Wald über den Großglockner und den Triglav in Slowenien geht die Reise nach Italien, in die Abruzzen und Toskana, über Korsika, Sardinien bis zum höchsten Gebirge Griechenlands, dem Olymp.

Leuchtende Lichtstimmungen fangen die Fotografen Stefan Hefele und Daniel Kordan in der Tatra und im Balkangebirge ein. Sie zeigen die Vielfalt der Natur im Kaukausus und den Pyrenäen. Dann geht es übers Meer bis zu den Kanarischen Inseln, nach Madeira, zum schottischen Ben Nevis, nach Island und zu den Azoren.

Themen

• Magisches Licht
• Imposante Hochebenen
• Gipfel, Steilwände, Schluchten
• Menschen und Mythen

Inhaltsseite: Milchstraße und Zitat - Demut gebietend und erhebend zugleich, kaum etwas in der Natur flößt uns soviel Ehrfurcht ein wie der Anblick von Bergen. Kofi Annan

Das Eingangszitat von Kofi Annan bringt es auf den Punkt

Schön: Bei jedem Bild ist eine kleine Erläuterung dabei. Überhaupt, die Bilder:  Die Ehrfurcht vor der Natur transportiert sich definitiv.

Kleines Wermutströpfchen: Für die massive Größe des Bandes ist der Text eher klein, das macht das Lesen mühselig – vor allem, da ich etwas Abstand halte. Das Buch liegt ja auf dem Tisch und ich halte es mir nicht vor die Nase (viel zu schwer…). Das Register am Ende erleichtert das rasche Finden bestimmter Orte (Berge).

Fazit: Bildgewaltig und märchenhaft. Der würdige Titel für ein hölzernes Stehpult im herrschaftlichen Lesezimmer :-)

Stefan Hefele, Daniel Kordan und Eugen E. Hüsler: „Berge. Unberührte Landschaften in Europa“. Frederking & Thaler Verlag 2023. 98,- EUR. ISBN 978-3-95416-404-2.

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Es hat schon angefangen: Gute Zukunftsideen

Die Neue Welt

CoverKlimawandel, soziale Ungleichheit, explodierender Arbeitsdruck: Wir stehen weiterhin ratlos vor den großen Herausforderungen.

Da kam mir dieses Buch gerade recht: Was wäre, wenn die Antworten schon längst gefunden sind? Der Gründer von TheDO, „a community of changemakers“, berichtet hier über 30 Vordenkerinnen und Vordenker. Diese weisen mit ihren Projekte, ihren Lebenswegen oder Ideen den Weg in eine erstrebenswerte Zukunft.

In den vergangenen zehn Jahren ist der Sozialunternehmer durch die Welt gereist, um herauszufinden, welche Skills und Ressourcen wir konkret brauchen, um vom Fleck zu kommen.

Er machte dabei eine großartige Entdeckung; es gibt zahlreiche Menschen, Gemeinschaften und Orte, die bereits in der Zukunft angekommen sind. Im Buch stellt er viele davon vor: ihre Überzeugungen und Prinzipien, mit denen sie jeden Tag nachhaltige Transformationsarbeit leisten. Ihre Geschichten.

Die Berichte aus der Gegenwart beweisen: Wir können von den Pionierinnen und Pionieren lernen, mit ganz anderen Augen auf die Welt und unser Leben zu blicken. Und hier und da kann man direkt selbst und konkret den eigenen Aufbruch gestalten. Nice.

Die Reise geht von New Work über Nachhaltigkeit bis hin zu gerechter Bildung und Impact Investing.

Buch mit vielen Klebezetteln als Lesezeichen drin

Zuerst dachte ich, da kommt so ein reiches Bürschchen und erklärt die Welt, wie sie ist, wenn man nur genug will. Aber nix da – die vorgestellten Projekte, Ideen und Initiativen haben mich so überzeugt, dass ich mir eine Liste draus gemacht habe, die ich mir nach und nach mal näher ansehen möchte. Und jetzt ist wieder mal ein Buch auf meinem Tisch, das viele, viele Lesezeichen hat.

Fazit: Nach dem Lesen des Buches habe ich (neue) Hoffnung bekommen und definitiv bessere Laune als vorher :-)

Themen: Die Neue Welt…

  • … folgt ihrer Leidenschaft und sucht nach Sinn
  • … ist unabhängig und arbeitet vernetzt
  • … lernt weiter und überwindet Angst
  • … ändert die Richtung und spielt
  • … hat ein Beginners Mindset und zelebriert Komplexität
  • … lebt Hoffnung und findet zu sich selbst
  • … versucht sich in Konsistenz und ändert Gewohnheiten
  • … organisiert sich neu und verteilt Geld besser
  • … übt sich im Schulterschluss und baut Wirtschaft um
  • … lebt lokal und hat eine andere Logistik
  • … lebt Gemeinschaft und verlässt die Blase
  • … ist kühn und ermöglicht Teilhabe
  • … versucht sich in Hoffnung

Florian Hoffmann: „Die Neue Welt. Meine Expeditionen zu den aufregendsten Orten und Menschen, die bereits in der Zukunft angekommen sind“. Murmann Publishers 2022. 22,- EUR. ISBN 978-3-86774-718-9.

Ein ähnliches Thema behandelt das Buch, das unter dem Titel „Was hält Euch aufrecht?“ rezensiert ist.

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Was hält Euch aufrecht?

Generation Hoffnung

CoverDie junge Generation heute? Ein kollektives Burnout. Oder wo gibt es noch Vorfreude auf die (eigene) Zukunft?

Innerhalb kurzer Zeit ist die heile Welt einer ganzen Generation ins Wanken geraten. Die Journalistin und Autorin des Buchs ist selbst noch recht jung. Sie ist Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin und beschreibt auf einfühlsame und persönliche Weise, welche Umstände junge Erwachsene in Deutschland heute prägen.

Im Kern die Frage: Wie schaffen sie es, optimistisch zu bleiben? Und: Welche Ziele können sie sich setzen? Schließlich: Wie verändern sie die Welt? Meine eigene Frage möchte ich noch hinzufügen: Wie kann ich da mitmachen, auch wenn ich gar nicht zu genannter Generation gehöre? (Spoiler: Genauso wie die Jüngeren.)

Auf der Suche nach Lösungen treffe ich im Buch Experten, Aktivistinnen und Influencer, Fotografin und Leute, die in meiner Nachbarschaft leben könnten – alle mit einer gewissen Hoffnung in Zeiten der Krise.
Im Interview: Sophia Thiel (hat Selbstoptimierung aufgegeben), Nadine Breaty (influenct im Web), Louisa Dellert (Autorin und mehr), Fabian Grischkat (produziert Webvideos und ist Aktivist), Annahita Esmailzadeh (führt bei Microsoft, davor bei SAP), Valeria Shashenok (ukrainische Fotografin), Dario Schramm (während der Pandemie Stimme der Schülerinnen und Schüler, studiert jetzt und setzt auf eine andere Bildungspolitik), …

Die Packen sind groß, schwer und lasten auf der Schulter. Doch am Ende jedes thematischen Abschnitts gibt es jeweils einen Lichtblick.

Autorin
Amelie Marie Weber wurde 1995 in Kaiserslautern geboren. Sie erläutert in ihren Texten und auf den sozialen Medien politische und gesellschaftliche Themen aus einer jungen Perspektive. Ihre Interviews mit dem Spitzenpersonal der deutschen Parteien haben eine passable Anhängerschaft gefunden. Und sie wurde für ihre Arbeit bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Das spricht für eine gewisse Qualität ;-)

Fazit: Aufgeben ist auch keine Lösung und Zuversicht macht Spaß

Themen

  • Klima: Fakten, Globalisierung, Verantwortung, Aktivismus, Politik, Lösung…
  • Pandemie: Psyche, Polarisierung, Wirtschaft, Dankbarkeit…
  • Krieg: Ukraine, TikTok, Nachrichtenflut, Frieden…
  • Internet: Smartphones, Sucht, Freiheit, Fotos, Influencer,, Beziehungen, digitale Gewalt, digital Detox…
  • Gesundheit: Gefühle, Schönheitsideale, Operationen, Körperbild, Natürlichkeit…
  • Diskriminierung: Mütter, Geschlechterrollen, Social Media …

Amelie Marie Weber: „Generation Hoffnung. Wie junge Menschen zwischen Klimawandel, Krieg und Selfie-Sucht die Zukunft gestalten“. Klartext 2023. 19,95  EUR. ISBN 978-3-8375-2569-4.

Tipp! Seht Euch auch die Rezension „Es hat schon angefangen: Gute Zukunftsideen“ an… hier gibt es noch mehr Hoffnung.

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Frieden schließen mit stacheligen Mitmenschen

Wie man ein Stachelschwein umarmt

CoverGeht das? Schwierige Zeitgenossen umgänglicher machen? Das kompakte Büchlein mit häppchenweise Handlungsoptionen will jedenfalls dabei helfen. Meine Empfehlung zur eigenen Umgangsweise mit den Tipps: Take what you need. Natürlich passt nicht jeder Tipp auf jede Situation. So schlau seid Ihr ja selbst. Beleuchtet werden hier Stachelige aus verschiedenen Lebensbereichen: Familie und Arbeit, aber auch das „freie Feld“ (Stichwort: Supermarkt).

Schon die Zitate zu jedem Themeneinstieg finde ich sehr gut gewählt; die sind an sich schon ein Augenöffner :-)

Wer kennt nicht jemanden, der oder die regelmäßig Konflikte schürt oder Ärger hervorzuruft? Oder scheint das vielleicht nur so?

Solche Störenfriede sind nicht unbedingt immer schon so gewesen, wie sie sind. Das ist die gute Nachricht: Mit ihnen umzugehen, kann man lernen.

Das Buch erklärt, dass und wie es möglich ist, mit anderen Frieden zu schließen. Die Beispielsituationen und empfohlenen Vorgehensweisen, die Kommunikationstipps und Ursachenbeleuchtung sind in kurzen Paragraphen untergebracht. Das lässt sich leicht und relativ schnell lesen. (Die Umsetzung in der Praxis ist eine andere Nummer… wen wundert’s.)

Die Analogie mit den Stacheltieren zieht sich durch und wird auf Probleme im echten Leben angewendet. Sie hilft, eigene Konflikte nochmal in einem neuen Licht anzusehen.

Wie bei wilden Tieren helfen Dinge wie Geduld, souveräne Gelassenheit, Vernunft und Offenheit gegenüber der Sicht meines Gegenübers.

Fazit: Kurzer Rundumblick mit vielen Handlungsoptionen

Themen

  • Auf der Arbeit
  • Partnerschaft
  • Elternsein
  • Eigene Eltern
  • In der Öffentlichkeit
  • Sei konkret
  • Stell Dich auf Kompromisse ein
  • Vermute nicht, frage nach

Dr. Med. Stefanie Schmid-Altringer: „Wie man ein Stachelschwein umarmt. Einfache Wege im Umgang mit schwierigen Menschen“. SCORPIO 2023. 15,- EUR (D) / 15,50 EUR (A). ISBN 978-3-95803-574-4.

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Zauber am Amazonas in besonderer Gestalt

Der Ruf des Schamanen

CoverWow! Zuerst: Klapp das Buch auf, blättre ein bisschen durch… Und….?!? Genau! Das ist krass gut!

Die Texte leben. Sätze, die sich schlängeln. Wörter, die hüpfen… und noch mehr abenteuerliches Layout. Schwarz auf Weiß. Weiß auf Schwarz. Dicht, verstreut, unscharf, gewellt. Wow!

Und dann ist da ja noch die Geschichte: Emotional packend.

Laila erzählt über eine magische Reise ins Amazonasgebiet. Ihr Kumpel El Rato auch. Und alle, die auf ihrer Seite stehen. Sie alle haben ein magisches Tier. Das alles und noch viel mehr erschließt sich erst nach und nach.

Dialog zwischen Jaguar und KondorWorum geht es denn nun? Lass mal kurz in die Geschichte eintauchen: „Seit Stunden schon kämpfen sich Laila und ihr Freund El Rato durch den dichten Urwald. Sie müssen unbedingt den alten Schamanen finden. Er ist Lailas letzte Hoffnung, denn sie leidet an einer unheilbaren Krankheit. Doch allmählich bricht die Nacht herein und die Dunkelheit ist voller Gefahren …“ Nicht umsonst nennt man den Amazonas auch grüne Hölle. Und das bezieht sich nicht nur auf das mörderische Klima oder giftige Tiere und Pflanzen. Es gibt auf dem Weg und mittendrin auch noch mehr, dem man lieber niemals begegnen möchte – vor allem nicht die sehbeeinträchtigte Laila.

Text und Textverlauf im Grundriss der Klinik

Was ich besonders mag, dass nichts so recht vorhersehbar ist. Ich werde immer mal wieder überrascht. Es gibt auch dunkle Momente und gefährliche Situationen. Und das Ende ist auch etwas anders als gedacht.

Blickfeld des kranken Mädchens: Wie durch ein Fernglas, außen alles schwarz

Sehr! Großes! Kino!

(Werde mir direkt mal die anderen Bücher in der Reihe vornehmen…)

Fazit: Großes Abenteuer – besonders geeignet für alle, die besondere Bücher lieben! Verschenken! Selbst lesen :-)

Themen

  • Krankheit
  • Kriminelle
  • Freundschaft
  • Furchteinflößende Natur
  • Furchteinflößende Gesellschaft
  • Magie
  • Eigene Möglichkeiten in aussichtslosen Situationen

Viele Infos und Hintergründe rund um das Buch und die Entstehung gibt es unter
www.thienemann-esslinger.de/der-ruf-des-schamanen

Davide Morosinotto: „Der Ruf des Schamanen. Unsere abenteuerliche Reise in das Herz der Dunkelheit“. Für Jugendliche ab 12 Jahren. Thienemann 2021. 18,- EUR. ISBN978-3-522-20274-9.

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„Federn sind erstarrte Funktion“

Federn

CoverSchon das Titelbild ist so außergewöhnlich, dass es Lust auf die Lektüre macht.

Ein beeindruckender großformatiger Prachtband: Die Feder multifunktional. Schutzschild, Sonnenschirm, Regenmantel, Wärmedecke, Flugmechanik, Tarnkappe, Kommunikationsmittel. Hier ist selbst der Truthahn wunderhübsch (naja, sein Federkleid, Kopf und Kropf sind nicht zu sehen).

Gar nicht mal so viel Text, der jedoch mit sehr vielen Infos, Fakten, umfassend und bunt wie die Federfarben. Sehr vielfältig, beeindruckende Nahaufnahmen. Schön designt bis ins Kleinste: Die Zitat-Anführungszeichen gleichen gleitenden Möwen (im Abendlicht über dem Meer, ich gerate ins Schwärmen…). Am Ende findest sich ein bebildertes Register der gezeigten Vogelarten / Jede Menge Detailinfos im Anhang zu jedem Foto / jeder Feder.

Seit der Mensch zum Himmel schaute, sah er die Vögel, und sie waren schön in ihren Federn, und sie konnten fliegen. Er nicht.
[…] Seine Körperoberfläche, in jungen Jahren glatt, erschien zunehmend faltig, mal heller, mal dunkler. Aber nicht farbenfroh. Wie anders wirkten doch di Vögel. Diese Wesen waren dem Himmel nah […].
Dafür stand die Feder. Sie symbolisierte die Beziehung zu einer außermenschlichen Wirklichkeit, fungierte als Mittlerin zwischen den Welten […].

Ein fantastisches Buch, und auch etwas mystisch. Die große Besonderheit ist, dass man wirklich nur Federn sieht, aber keine Vögel. Und so frage ich mich, wie die Vogelarten denn eigentlich aussehen:

Federn aus der ganzen Welt, sowohl geografisch als auch thematisch aus vielen Welten. Wie diese kuriose Anekdote: „Vogelzählung“ in den Straßen von Manhattan 1886 („Hutmacherei war ein mörderisches Geschäft“), daraufhin bewachte ab 1902 der erste Wildhüter die Letzten ihrer Art.

Mein Lieblingszitat aus dem Buch, zu gebrauchen für jeden Lebenslage, stammt von Annette von Droste-Hülshoff:

Es mag mir mitunter schaden, daß ich so starr meinen Weg gehe und nicht die kleinste Pfauenfeder in meinem Krähenpelz leide; aber dennoch wünschte ich dies würde anerkannt.

Hier noch einige erstaunliche Learnings für mich, die meine Begeisterung für das Buch belegen mögen: Der junge afrikanische Strauß trägt sowas wie eine wunderkerzenförmige Feder – spektakulär anzusehen. Zwergflamingo und Fadenkopf bringen zauberhafte, zarte Formen hervor. Und was ich gar nicht wusste: Königspinguine tragen auch kupferfarbene Federkiele am Körper.

Autorenpaar und Fotografieprofis

Das aufgrund ihrer Sichtweise vielfach preisgekrönte Fotografiepaar zeigt Federn aus der ganzen Welt. Die hochpräzisen Fotografien sorgen für eine außergewöhnliche Atmosphäre.

Fazit: Kraft und Poesie; ein Kunstwerk für sich – ornithologische Expertise inklusive

Themen

  • Aufbau und Wachstum der Feder
  • Material
  • Tyndall-Effekt (Farbgebung)
  • Farbe und Widerstandsfähigkeit gegen Bakterien
  • Farbsehen bei Vögeln (was die Tiere wahrnehmen)
  • Plumologie
  • Physik und Fluganatomie
  • Federmode
  • Evolution der Feder
  • Mauser
  • Reparaturmechanismus
  • Federtypen
  • Sensorik: Rezeptoren
  • Seltenheit & menschliche Gier
  • Making of
  • Mythologie
  • Wissenschafts- und Kulturgeschichte

Heidi und Hans-Jürgen Koch: „Federn. Meisterstücke der Evolution“. Frederking & Thaler 2023. 45,- EUR. ISBN 978-3-95416-393-9.

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Essbare Werke der Kunstgeschichte

Kunst kochen

CoverEin großformatiger Band (ca. Din A4) mit einer Mischung aus Kunstgeschichte & Kochkultur. Ein paar Appetizer:

  • Meeresfrüchte, Fleisch
  • Vegetarisches, auch mal was Veganes
  • Bruschetta mit Bayonne-Schinken, Kirschen und selbstgemachtem Ricotta
  • Gefüllte pinkfarbene Eier

KuchenfotoJeweils ein Kunstwerk, vorgestellt auf einer Doppelseite: Text &  Bild. Der Text beschreibt die Kunstschaffenden und ihre ganz persönliche Beziehung zum Essen (damit hätte ich nicht gerechnet). Das Bild wird dann auf der Folgeseite in Form eines Rezepts aufgegriffen, mal optisch analog, mal inspiriert und etwas freier interpretiert.Hütten, gemalt von Claude Monet

52 Künstler:innen aus Europa, Asien und US-Amerika inspirieren (laientaugliche) Rezepte – eigene Kreationen, Lieblingsrezepte, Besonderheiten und Vorlieben. Bei den Zutaten lerne ich dazu, z. B. kannte ich bisher gar keine Hoisin-Sauce oder Fünf-Gewürze-Pulver. Mit Tipps zum Anrichten, um das „Bild“ kunstgerecht in Szene zu setzen… ich geh schon mal das Geschirr sortieren…

Unter anderem entdecke ich hier Werke von Marina Abramović, Jean-Michel Basquiat, Louise Bourgeois, Salvador Dalí, Frida Kahlo, Henri Matisse, Georgia O’Keeffe und Pablo Picasso. Schöne Fotos und hochwertige Reproduktionen zeigen die Ähnlichkeit zwischen all den Köstlichkeiten und ihren künstlerischen Vorlagen. „Leider sind insbesondere Frauen und ethnische Minderheiten in der Kunstgeschichte unterrepräsentiert“ – mal wieder das Problem der mangelnden Diversität. Dagegen stellt sich dieses Buch auch. Dem Trend zum Trotz hat die Autorin und Fotografin und Köchin einigen faszinierenden eher unbekannten Kunstschaffenden eine kulinarische Bühne gegeben. Gut so.

Skurrile Anekdoten wie diese: „Die Futuristen lehnten Nudeln ab… “ (man fragt sich doch sofort, wieso?!)… „Henri de Toulouse-Lautrec versteckte Alkohol in seinem Spazierstock“ (sieh an, sieh an). Oder: „Jackson Pollock backte preisgekrönte Apfelkuchen“ (delikat, und ein wunderbar einzigartiger Satz).

Als Sahnehäubchen gibt es noch einen Menüplaner zum Abschluss: Menüvorschläge mit Rezepten aus dem Buch – damit kann die nächste Einladung rausgehen.

Autorin
Felicity Souter ist Künstlerin, Food-Stylistin, Food-Fotografin und leidenschaftliche Hobbyköchin. Sie lebt in London.

Fazit: Augenschmaus trifft Gaumenschmaus – für Fans von Freude am „kultivieren Kochen“ ;-)

Themen

Blaues Glas mit Stil

  • Vorspeisen
  • Beilagen
  • Hauptgerichte
  • Nachtisch
  • Getränke
  • Menüplaner

Felicity Souter: “ Kunst kochen. 52 Rezepte inspiriert von Kunstwerken, von Mark Rothko bis Frida Kahlo“. Prestel 2023. 36,- EUR (D) / 37,10nbsp;EUR (A) / 47,90 CHF (Schweiz). ISBN 978-3-7913-8878-6.

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