Wo Spiritualität in der Organisationsberatung hilfreich sein kann

Organisation und Inspiration: Ein neues Modell von Führung

Cover

Transformation und Führung sowie den Begriff der Inspiration für Management, Organisations- und Personalentwicklung auf dem Hintergrund westlicher Theologie – das will das Buch aufgreifen. Ausgehend von Ansätzen des Buddhismus, erschließt das Buch das Thema Inspiration unter Rückgriffe auf westliche Ansätze (z. B. Altes und Neues Testament).

Dabei ist Führung ein immer komplexeres Phänomen verstanden, das über die Person des Führenden hinausgedacht werden muss, nämlich im Kontext von Teamführung als Systemsteuerung und Beziehungsaufbau im Team. Dabei werden auch die in der Führung üblichen Heldengeschichten adressiert. Den Abschluss macht eine Ergänzung im Kontext von Zukunftsfähigkeit: Preferred Futuring von Larry Lippitt. Als allgemeiner Bezugsrahmen dienen die bewährten Organisationsentwicklungsansätze von Edgar H. Schein: Helfen, Prozessberatung, Gutes Befragen und Kulturentwicklung.

Ein Aspekt widmet sich Überlegungen zur Frage, wie man z. B. Lernangst verringert. Dies geschieht u. a. durch…

  • positive Vision
  • notwendige Fertigkeiten trainieren
  • Lernende am Lernprozess beteiligen
  • beteiligte Gruppen informell trainieren
  • positive Rollenvorbilder beobachten lassen
  • Organisationsstruktur anpassen

Gut gefallen hat mir die Unterscheidung der Definitionen von Change (Changemanagement, Veränderungsmanagement) und Transformation (organisationalen Kontext ändern in zukunftsfähig). Das Buch ist aktuell genug und verständlich. So gibt es ein Beispiel zu systemischen Effekten und Krisenmanagement im Kontext der Ölkatastrophe von 2010 („Deepwater Horizon“-Explosion). Wie es gelaufen ist. Wie es klüger gemanaget worden wäre.

Der Abschnitt „System und Person entwickeln“ dagegen verdient Kritik: Hier ist mir gar nicht klar geworden, wie das zu den restlichen Inhalten passen soll?!?

Achtung: Es handelt sich doch um eine anspruchsvolle Lektüre. Was sich an diesem Zitat einschätzen lässt: „Wollen wir diese Überlegungen für die beratende Arbeit fruchtbar machen, braucht es eine Übersetzung von Lebensbeobachtungen auf ihr inhärentes Prinzip. Die existenziellen Vollzüge müssen in ihrer Wesenhaftigkeit beschrieben und begreifbar werden. Eine strukturierende Landkarte hilft dann prospektiv auch dazu, klärende Porzesse schrittweise einzuordnen und zu verstehen.“

Es liest sich also nicht einfach so weg, sondern man muss schon sehr konzentriert sein beim Lesen.

Das Buch gibt dafür durchaus hilfreiche Impulse, vor allem dadurch, dass die Beiträge im Buch die religiöse Bildsprache (Altes und Neues Testament) zurück in „unseren supervisorischen Kontext“ übersetzen. Es gibt viele Metaphern, entwicklungspsychologische Aspekte und Erkenntnisse zur Gruppendynmik. Ausgangspunkt und Grundannahme ist, dass Organisationen werden als lebendiges System betrachtet werden, die mehr sind als „viele Personen“. Das kennt jeder, der mal länger in einer größeren Organisation war und beobachten konnte, dass die „Kultur“ sich durchsetzt, auch wenn die Personen wechseln und durchaus änderungsbereit sind.

Hier geht es um mehr als Methoden, es geht um innere Haltung, Offentheit und die Bereitschaft zur Persönlichkeitsentwicklung. Es geht unter anderem auch um „Weisheit“. Und wie das bzw. diese in Beratungssituationen Menschen unterstützen kann, für sich selbst Veränderungen (also hier: krasse Veränderungen, nämlich Transformationen) mutig zu durchleben.

Achtung, es gibt sogar Poesie (Gedicht „Morgendämmerung“ von Britta Schönberger) ;-)

Vor dem Hintergurnd von Systemtheorie, Theorie U und dem Berücksichtigen von spirituellen Gesichtspunkten werden organisationsberaterische Ansätze vorgestellt, wie erwähnt u. a. die „Acht Schritte im Preferred Futuring“ von Lawrence L. Lippitt (hier kurz in meinen Worten):

  • Die eigene Geschichte erzählen = einander verstehen
  • Prouds & Sorries sichtbar machen
  • Werte und Anschauungen offenlegen
  • Umfeld (Trends, Ereignisse) einbeziehen = Sog in die Zukunft
  • Bevorzugte Zukunftsvision entwickeln
  • Vision auf Umsetzbarkeit prüfen (u. a. Hindernisse identifizieren und ggf. ihre Überwindung)
  • Lernangst überwinden = Ermutigung
  • Plan in Aktionen umsetzen  = Machen!

 

… mit den entsprechenden (organisatorischen) Voraussetzungen:

  • sorgfältige Auftragsklärung (sic!)
  • alle(!!) Beteiligte: Bereitschaft sich einzulassen
  • Vertrauen in die Methode
  • Fähigkeit, Energie zu halten, und mit wachsender Energie umzugehen
  • Dokumentation der Lernschritte = Erfolgsschatz (echt, nicht als Feigenblatt)
  • erfahrerne/r Transformationsleiter/in

Fazit: Anspruchsvoll, tiefgründig, übergeordnet und teils abstrakt

Gerhard Fatzer, Britta Schönberger und Sabina Schoefer: „Organisation und Inspiration: Ein neues Modell von Führung“. EHP Organisation. EHP 2015. 37.99 EUR (D) / 61,- CHF (CH). ISBN 978-3-89797-070-0.

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Profis über das Hirn: Mädchen und Jungs – Frauen und Männer

Dr. Gerald Hüther: ScreenshotMädchen und Jungs – wie verschieden sind sie?

Diesen Vortrag hielt Dr. Gerald Hüther, erfahrener Experte der Hirnforschung, bei einer Fortbildungsveranstaltung zum Girls´ Day.

Er zeigt hier, wo und wieso es Unterschiede in der Entwicklung beider Geschlechter gibt und wie sich diese auswirken. Also hauptsächlich im Hirn. Und auch insgesamt. X-Chromosome und Y-Chromosome und wo man Mitleid entwickelt. Und warum Unterschiede ja ganz schön sind. Und dass Gleichsein nicht das Wichtigste ist (gleiche Chance schon, das ist ja was anderes).

Gerald Hüther stellt auch die Sinnfrage, ob es denn einen Girls´ Day geben muss. Dazu gibt es unterm Video noch ein paar Anmerkungen.

Vortragslink:
www.youtube.com/watch?v=V5UAgR8gyFY (ca. 50 Min)
Am 7. Apr. 2016 veröffentlicht auf YouTube. Der Vortrag wurde am 15. März 2016 in Linz / Österreich aufgezeichnet.

ScreenshotVera F. Birkenbihl: „Männer – Frauen. Mehr als der sogenannte Unterschied“ (in 2 Teilen)

Wie es zum Geschlecht kommt, wenn ein Kind entsteht. Und wie es weitergeht. Und wie das Gehirn männlich oder weiblich ist. Und auch der Körper. Sehr unterhaltsam, sehr spannend, sehr informativ.

Zitat: „Eigentlich… sind wir nicht kompatibel…
wie ein PC und ein Macintosh. (Wir sind hier Männer und Frauen.) Beispiel: Für Frauen ist Kommunikation für Verbindung zuständig. Für Männer ist Kommunikation ein Machtinstrument. Männer- und Frauengehirne neigen zu unterschiedlicher Wahrnehmung und entsprechenden Reaktionen darauf. Wir können jedoch lernen und uns austauschen, so dass es funktioniert.

Noch ein Zitat: „Männer definieren ihre Identität ausschließlich über Männer. Frauen über Menschen.“

Für Männer sind Taten wichtiger. (Als Worte.) So, und daraus kann man lernen. Beispiel aus dem Vortrag: Ein Paar sitzt zu Hause, er ohne Hemd. Sie könnte jetzt sagen, dass sie das stört und warum. Was tut sie? Zieht ihre Bluse und ihren BH aus. Er steht wortlos auf und geht sich etwas anziehen. So ist das gemeint, dass für Männer Taten wichtiger sind als Worte.

ScreenshotNach Milliarden von Jahren einer getrennt erfolgten Entwicklung (grundlegende Asymmetrie) und Millionen von Jahren mit einer zwangsläufig sehr unterschiedlichen Basis-Motivation wurden 1928 zwei Werke publiziert, die alles, was man wusste, in Frage stellten. Eines begründete den Behaviorismus (Umwelt ist alles), das zweite schien zu beweisen, dass jede Kultur völlig anders geartete Männer und Frauen heranziehen kann (Kultur-Relativismus). Als dann in den Siebzigern ein gewisser Dr. John Money behauptete, alle Kinder seien bis Ende des zweiten Lebensjahres neutral, und könnten zu Jungen ODER Mädchen erzogen werden, stand die absurde Tatsache fest.

Man muss wissen, wie es dazu kam, um zu begreifen, wie echte Gender-Chancengleichheit geschaffen werden kann.

www.youtube.com/watch?v=PNmumMFx8l4 (ca. 2,5 Std.)
Am 3. Feb. 2013 veröffentlicht auf YouTube.

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Selbst werkeln, leicht gemacht

Werkzeuge für Maker und Bastler

CoverWer als Bastlerin (neudeutsch: Maker) unterwegs ist, benötigt in der Regel Wissen über den Umgang mit verschiedenen Materialien und Werkzeugen, z. B. um das eigene Arduino-Projekt in einer optisch anspruchsvollen Holzbox unterzubringen.

Wie auch schon das Buch „Make: Elektronik – Eine Einführung für Bastler, Geeks und Künstler“ vom selben Autor bietet dieses Buch ein guten soliden Einstieg in das Thema mit vielen Projekten und einer „wir machen was kaputt“-Mentalität. Es ist dabei für Anfängerinnen geschrieben, aber auch Fortgeschrittene werden wieder auf ihre Kosten kommen.

Wie auch beim ersten Buch gefällt mir der lockere und witzige Schreibstil, die wieder mal vielen exzellenten Abbildungen und die vielen Erklärungen, warum wir etwas auf die und nicht auf eine andere Weise machen. Es wird auch wieder was kaputt gemacht! Grundsätzlich ist das Buch wieder ein Mitmachbuch mit vielen unterschiedlichen Projekten, von nützlich (Bilderrahmen), verspielt (Schiebepuzzle) bis „weil’s geht“ (Origami-Kranich). Zwischen den Projekten werden in Form eines Steckbriefs verschiedene nützliche Informationen zu Material und Werkzeug eingestreut (z. B. alles über Bohrmaschinen, Bohrer und Bits).

Ich habe das Buch fast wie einen Roman gelesen und war nach jeder Seite gespannt darauf, was wohl als nächstes Projekt kommt. Viele der Projekte laden zum Mitmachen ein und ich bin schon krampfhaft am überlegen, wie ich meinen Topfuntersetzer kaputt bekomme, damit es sich lohnt, das vorgeschlagene Topfuntersetzer-Projekt zu machen. Na gut, ich könnte das Projekt auch so machen, ohne etwas vorher kaputt zu machen :)

Was mir nicht so gut gefallen hat, wie auch schon beim ersten Buch: Das Auge der Leserin könnte bei manchen Bildern mehr geführt werden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Gegen Ende des Buches gibt es ein Bild von einer Nutfräse. Im angrenzenden Text wird erklärt, wie diese eingesetzt wird, zum Beispiel mit welchem Teil der Fräse gefräst wird. Ein kleiner roter Kringel oder ein Pfeil auf die entsprechende Stelle hätte mir beim Verstehen sehr geholfen.

Eine weitere Kleinigkeit, die mir ebenfalls beim ersten Buch schon negativ aufgefallen ist, ist die fehlende Sprachsensibilität: Im Buchtitel steht „Bastler“, Frauen sind vermutlich mal wieder „mitgemeint“. Die englische Version kommt da mit einem „Make: Tools“ deutlich genderneutraler rüber. Im Fließtext fällt es nicht so auf, da der Autor die Lesenden in der „Sie“-Form anspricht.

Aus meiner Sicht auf jeden Fall eine Kaufempfehlung, für alle, die aktuell versuchen die digitale Welt (z. B. Arduino) in analoge Materialien (z. B. Acrylbox) zu bringen. Aber auch für alle, die sich – unabhängig vom Digitalen – für die genannten Materialien und dessen Verarbeitung interessieren, für ausgebildete Tischlerinnen (o. ä.) ist das Buch jedoch nichts.

Themen

  • Werkzeugkunde (Hammer, Nägel, Bohrmaschine, Bohrer, Bits, Zwingen, Schrauben, Schraubendreher und weitere)
  • Materialkunde, insbesondere Holz, Verbundwerkstoffe, Acryl, Polycarbonat
  • Projekt: Schiebepuzzle
  • Projekt: Würfel
  • Projekt: Bilderrahmen (4-eckig, 5-eckig, 6-eckig….)
  • Projekt: Lotusflöte
  • Projekt: Monstertruck
  • Projekt: Pantograf
  • Projekt: Holzkiste (in mehreren Variationen)
  • Projekt: Origami-Kranich

Charles Platt: „Werkzeuge für Maker und Bastler“. dpunkt 2017.

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Personen fotografieren, eine persönliche Sicht

Manche Fehler muss man selber machen

CoverAls Mischung aus Fachbuch und autobiografischen Fotosessionberichten ist das Buch nach einem eher außergewöhnlichen Konzept aufgebaut. Aufmerksam gemacht hat mich als erstes mal der Titel. Super! Fehlerkultur! Da bekomme ich nicht nur fotografische Inspiration, sondern auch etwas mehr. Leider war meine Erwartungshaltung zu hoch… die Fehler, die beschrieben sind, sind zwar lehrreich. Manche davon hätte ich selbst allerdings auch beim ersten Mal eher nicht gemacht ;-)

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Zunächst erzählt der Autor über seine grundlegende Philosophie; über seinen Ansatz, Menschen zu fotografieren. Der zweite Teil ist eine Sammlung seiner persönlichen Lieblingsbilder, wie sie gemacht wurden und vor allem wie die Geschichte dahinter ist. Manche Bilder haben eine längere Geschichte, andere gar keine. Wie der Autor selbst sagt: „Ich möchte mit dem Buch eine persönliche Sicht auf die Dinge geben. Es soll keine Anleitung sein, sondern ein Denkanstoß, eine Ermutigung.“

Nun zu meinem Eindruck… Das Titelbild ist Käse, jedenfalls war das mein erster Gedanke. Im Buch drin, mit Kontext, wäre es besser platziert. Was das Fachwissen angeht, Expertise und Erfahrung sind beide da. Mich hat das Buch trotzdem nicht gepackt. Vor allem fühlte ich mich im Aufbau verloren. Es gibt eine Gliederung, die sogar recht explizit ist. Doch gleichzeitig hatte ich den Eindruck, der rote Faden franst aus, ist dann auch mal gar nicht da. Da ist ein Abschnitt, in dem der Autor beschreibt, wie es zu diesem Buch kam: „Ich über mich“. Sehr gut. Nur leider mitten im Buch positioniert; zwischen den beiden Buchteilen. Das war mir für’s Verständnis zu spät.

Die Fotos sprechen mich auch nicht sonderlich an. Sehr viele Fotos könnte man als ästhetischen Frauenabbildungen kategorisieren, darunter auch (meist stilvolle) erotische Aufnahmen. Andere zeigen Porträts z. B. von Schauspielern. Hier war ich wieder irritiert. Einige Fotos erinnerten mich beim ersten Ansehen an… ist das nicht…? Ein bekannter Schauspieler. Genau. Und irgendwo weiter hinten – gefühlt sehr weit hinten – erzählt der Autor dann auch, wer da abgebildet ist. Und wie er dazu kam, Porträtaufnahmen von Schauspielern zu machen. So entstand vor meinem inneren Auge kein Spannungsbogen, der mich durch die rund 240 Seiten trägt.

Ein bisschen wirkte die Lektüre auf mich auch wie eine Werbebroschüre des Fotografen – auch wenn es offensichtlich nicht so gemeint war. Ganz gut gefallen haben mir die Beispiele (mit Making-Of) für „Bilder am Fenster“, wo es um Licht geht und wie man damit den Eindruck eines Bildes steuern kann.

Zu den äußeren Werten: Das Buch ist groß, schwer und hat eine eher kleine Schriftart. Es riecht nicht gerade gut, wenn man die Folie entfernt hat. Und Tage später immer noch nicht… Dafür hat es ein Lesebändchen, das finde ich sympathisch.

Ein paar Tipps und Fachbegriffe kann man sicher beim Weg durch das Buch aufsammeln, immerhin.

Fazit: Geschmackssache; halb so langl wäre mehr, fachlich fundiert, sehr persönlich

Themen

  • Licht
  • Bildgestaltung
  • Kreativität
  • Umgang mit Menschen vor der Kamera

Patrick Ludolph: „Manche Fehler muss man selber machen oder wie ich Menschen fotografiere“. dpunkt 2018. 36,90 EUR (D). ISBN 978-3-86490-612-1.

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Finanzen in den Griff bekommen – und Spaß daran entwickeln

Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können

Cover 75 % der Frauen in Deutschland erwartet später eine Rente unter 400 EUR. Nicht schön. Gar nicht schön.

Warum? Weil Frauen unterm Strich weniger verdienen (Ausbildung, Familienzeit, Teilzeit…). Weil Manche immer noch vergessen, dass ein Mann keine Art von Altersvorsorge ist.
Natascha Wegelin appelliert an alle Frauen, sich selbst um ihre finanziellen Angelegenheiten zu kümmern und sich finanziell unabhängig zu machen – und sie weiß auch, dass es einem von Bankberatern und Finanzdienstleistern nicht leicht gemacht wird. Das Buch enthält Tipps und Einblicke, mithilfe derer sich Jede ihre ganz persönliche Finanzstrategie erarbeiten kann. Nebenbei baut sie innere Blockaden, Hemmungen und Scheu ab, sich mit Anlagen und Aktien zu beschäftigen.

Alles in allem ist das Thema sehr gut erklärt. Man erfährt Hintergründe (wer verdient woran?), Möglichkeiten (je nach individuellem Ziel) und Strategien (Wege zum Ziel). Dabei kommen auch Fallen zur Sprache, in die man – oft wegen Uninformiertheit – tappen könnte.

Scheinbar komplizierte Finanzthemen werden durch leicht verständliche kurze Beschreibungen der Begriffe (die ich in einer Bank oder von einem kostenlosen „Berater“ so nicht ohne hartnäckige Nachfrage erklärt bekomme) und Analogien „aus dem richtigen Leben“ sehr leicht durchschaubar. So habe ich verstanden, wie ich mit meiner Bestandsaufnahme ganz einfach anfangen kann. Immer wieder gibt es ganz einfach umsetzbare Tipps. Sogar für die Gehaltsverhandlung: Auf Totschlagargumente der Personalabteilung kann man etwa mit freundlicher Nachfrage reagieren,  „… habe ich richtig verstanden? Mein Gehalt richtet sich ausschließlich nach Dauer der Betriebszugehörigkeit? …“ Manchmal wirkt so eine einfache Frage ja Wunder. Apropos Gehalt, noch so ein Tipp: Ein bezahltes Verhandlungscoaching kann sich lohnen! Monetär oder mindestens im Sinne von Vorbereitung für das Gehaltsgespräch und / oder Erfahrung. Und eine Investition in sich selbst ist eine der wichtigsten Anlagestrategien.

Das Schwierigste ist, dass man die Unlust am Thema am Anfang immer wieder beiseite schiebt. Und dann nimmt man sich ein bisschen Zeit. Das geht aber auch in kleinen und kleinsten Schritten. Im Grunde kann man es als spannendes Spiel sehen, und das Risikolevel kann man selbst bestimmen. Natürlich sollte man nicht soweit gehen, dass man echtes Geld zum Verzocken nimmt ;-) Ich selbst habe eine Wette mit mir laufen, dass ich mich jeden Tag (sagen wir.. mindestens jede Woche) mit dem Thema Finanzen beschäftige. Sei es etwas lesen oder mir überlegen oder meinen Stand checken. Wozu sollte ich den Aufwand treiben? Dafür, dass es sich lohnt: Man kann Überblick gewinnen und im Normalfall dann auch (mehr) Vermögen aufbauen für eine unabhängigere Zukunft.

Nur am Ende fehlte mir noch ein bisschen mehr an Input. Zwei oder drei weitere Anlagemöglichkeiten oder Strategien oder z. B. weitere Definitionen für gängige Begriffe (Bundesschatzbriefe – gibt’s die noch? – oder Staatsanleihen).

Fazit: Teils tatsächlich unterhaltsamer Einstieg und motivierender Augenöffner

Themen

  • Notgroschen
  • Status quo
  • Positive Bilanz als Start
  • Stufenweiser Aufbau
  • Glaubenssätze
  • Unabhängigkeit
  • Gehaltsverhandlung
  • Versicherungen
  • Selbständig, angestellt, freiberuflich
  • Vollzeit, Teilzeit

Natascha Wegelin: „Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“. rororo 2018. 10,99 EUR. ISBN 978-3-499-63374-4.

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Redox-Flow-Batterie: Riesig und unterirdisch

ScreenshotNicht nur für Chemikerinnen und Umweltingenieurinnen interessant; dieser Spektrum-Artikel beschreibt, wie man Energie nicht nur nachhaltig herstellen, sondern auch aufbewahren kann: „Eine gigantische Batterie im Untergrund„. Gut geschrieben ist der Artikel außerdem. Kein Wunder, die Wissenschaftsjournalistin Katja Engel (außerdem promovierte Materialwissenschaftlerin) kenne ich vom dib und weiß daher, dass sie was davon versteht.

Worum geht’s?

Um ein fehlendes Puzzleteil in der Energiewende. Jedenfalls könnte es das sein. Geforscht wird an riesigen Batterien im Untergrund. In Ostfriesland soll bald die erste ihren Dienst tun. Der aktuelle Rekord liegt bei der Lithiumionenbatterie Hornsdale Power Reserve. Gebaut hat sie Tesla. Sie liefert seit Ende 2017 Strom ins australische Netz. Ausgestattet ist sie mit einer Kapazität von 129 MWh.

Der ganze Artikel:
www.spektrum.de/news/eine-gigantische-batterie-im-untergrund/1575718

Redox-Flow-Batterie:
https://de.wikipedia.org/wiki/Redox-Flow-Batterie

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Physikalisch-technische Erkundungsreisen

Experimentierkästen „Pepper Mint“

Abseits von Rosa und Glitzerwelten: Mit der Experimentierreihe, die gezielt für Mädchen konzipiert wurde, können Kids Spaß mit MINT erfahren. Die selbstbewusste Hauptperson Pepper Mint begleitet sie dabei. Allein oder gemeinsam kann der junge Forschungsnachwuchs an bespielbaren Modellen technische und naturwissenschaftliche Phänomene untersuchen,  verschiedene Versuchsaufbauten konstruieren – und gleichzeitig Abenteuer nachspielen oder erfinden.

Damit sollen vor allem Mädchen für MINT Themen begeistert werden. Nach erfolgreicher Mission (Geschichten gibt es im Begleitheft) können die Holzmodelle mit eigenen Abenteuern bespielt werden und bleiben so weiterhin spannend. Als Identifikationsfigur ist die abenteuerlustige und clevere Pepper Mint besonders für junge Forscherinnen motivierend – denn weibliche Vorbilder in MINT-Berufen, wie Elektroingenieurinnen oder Physikerinnen, sind immer noch selten.

Beide Kästen sind sehr leicht. Das ist schon mal sehr angenehm, kein Abschleppen beim Transport nach Hause ins Kinderzimmer. Neben den Experimentierkomponenten und Bauelementen ist auch eine kleine Spielfigur von Pepper Mint dabei, das macht die Abenteuerschauplätze noch attraktiver. Leider fehlt im Baumhaus die Figur von „Peppers neuem Freund“.

Mit der Verpackung wird allerdings verschwenderisch umgegangen. Der Karton könnte um einiges kleiner sein, und es würde doch noch alles reinpassen. Schade, soviel angeberische Luft drumherum haben die Kästen gar nicht nötig… Okay, ich hab schon schlimme Plastikschlachten gesehen, das hält sich hier in Grenzen. Trotzdem kann man da noch optimieren.

Inhalt: Holzstecksystem zum Aufbau, Pepper Mint als Spielfigur, Zahnräder, Rollen, Achsen, Gummis, Schnüre, LEDs, Wasserschläuche und Spritzen, Batteriefach, leitfähiges Garn und Steckfedern, Schläuche, Pumpen, Schnüre, Gummis, Motor, Propeller, Batteriefach und Steckfedern, Messbecher, Farbpulver, Rührspatel, Stanzbogen und sonstige Kleinteile.

Die Begleithefte sind gut gelungen, die Schrift ist groß, die Bilder sind ansprechend. Sie enthalten auch noch spezielle Hinweise für Eltern. Im DIN-A5-Format liegen sie auch nicht so schnell im Weg rum ;-)

Pepper Mint und das Baumhaus-Abenteuer

Experimentierkasten-PackunPepper (die fröhliche Rothaarige auf dem Karton) geht auf Entdeckungstour. Im Dschungel besucht sie ihre Tante. Diese ist leidenschaftliche Affenforscherin und lebt in einem Baumhaus, ganz ohne Zivilisation. Dafür hat es eine trickreiche Strickleiter, eine Seilwinde, Rollen und Zahnräder. Das Gepäck ist zu schwer, um es alleine ins Baumhaus zu tragen? Kein Problem! Ein Flaschenzug schafft Abhilfe.

Zwei Mädchen experimentieren mit dem BaumhausPhysikalische Grundgesetze und mechanische Helferlein haben nach dem Abenteuer alle kapiert. Ob Katapult, Affenaufzug oder LED-Lichterkette: Gemeinsam mit Pepper Mint gelingt alles sehr leicht.

Im Baumhausabenteuer gibt es 9 Experimente: Strickleiter, Flaschenzug, Lichterkette, Katapult … lassen die physikalischen Prinzipien Hydraulik, Kraftübertragung, Energieumwandlung, Beschleunigung u. a. erleben. Was man sonst noch braucht, ist übersichtlich aufgelistet: Münzen, Papier, Leim, Klebeband etc.

Die Bauanleitung ist sehr gut beschrieben und anschaulich bebildert. Da kann nix schief gehen.

Pepper Mint und das Tiefsee-Abenteuer

Experimentierkasten-Packung Pepper begleitet eine Expedition ins Bermuda-Dreieck. Als die Motoren und Geräte des Forschungsschiffs ausfallen, beginnt sie, Wasser als Antrieb zu nutzen und experimentiert mit Druck und Dichte. Die begleitende Geschichte führt die Nachwuchsforscherinnen von Versuch zu Versuch und zeigt, wie sie Maschinen mit Wasser bewegen können. Am Ende ist der Strom wieder da und junge Elektroingenieurinnen bauen ihre eigene Seifenblasenmaschine.
Ein paar Sachen braucht man außerdem noch: Lineal, Schere, … Münzen, … Batterien oder Akkus, Bleistift, … Wasserfarbe etc. Was alles, das ist im Begleitheft genau aufgelistet. Das Begleitheft ist auch bei diesem Abenteuer gut gelungen.

Im Tiefseeabenteuer gibt es genau wie im Dschungel 9 Experimente. Die physikalisch-mechanischen Prinzipien dahinter sind Hebelwirkung, Bernoulli-Effekt, Kraftübertragung und noch mehr. Auch das Prinzip Stromkreis ist enthalten; das finde ich in Verbindung mit dem Wasser (Hydraulik) dann doch nochmal aufregender. Achtung, es kann – ein wenig – nass werden, etwas Wasser könnte sich versuchen wegzustehlen. Also ein großes Tablett oder ähnliches bereithalten.

Die Bauanleitung ist auch hier wieder sehr gut beschrieben und anschaulich bebildert. Läuft ;-)

Gesamtfazit

Ich würde empfehlen, zuerst das Baumhaus-Abenteuer auszuprobieren. In der Tiefsee sind m. E. etwas anspruchsvollere Experimente drin – und deutlich nassere… ;-)

Fazit: Macht Spaß!

KOSMOS Experimentierkasten-Reihe „Pepper Mint“. KOSMOS Verlag 2016. 39,99 EUR. Alter: 8-11 Jahre. Baumhaus: EAN 4002051626020 und Tiefsee: EAN 4002051626037

MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik

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Seesternprogrammierung in verschiedenen Editoren

Calliope mini

CoverWer Spaß am Basteln hat und nebenbei noch programmieren lernen möchte, kann sich dieses Buch mal ansehen. Ohne Vorwissen wird man Schritt für Schritt in die Welt des Programmierens eingeführt und kann mit wenigen Klicks eigene Anwendungen für den Mini-Computer erstellen.  Den (jungen) Leserinnen und Lesern werden verschiedene Editoren vorgestellt:  Calliope mini Editor und MakeCode und Open Roberta Lab. Auch das Ausprobieren von Programmen in der Simulation kommt dort vor. Sehr ausführlich ist die bebilderte Beschreibung aller Hardware-Komponenten, das ist wirklich gut gemacht!

Sowohl die grafische Programmierung als auch das Schreiben bzw. Bearbeiten von Quelltext – für Manche ist dies ja erst das „echte Programmieren“ – sind enthalten. Variablen, Schleifen, Bedingungen… und alle anderen grundlegenden programmierlogischen Konstrukte werden erklärt.

Erklärt wird auch, wie man Motoren ansteuert, um z. B. einen Ventilator zu bewegen. Und hier noch einige Beispiele, die im Buch vorgestellt werden:

  • Spiele
  • Quiz
  • Christbaumschmuck
  • „Musik“ (naja, eher Töne)
  • Stromkreislaufexperimente
  • Taschenlampe
  • Nachtlicht
  • Wasserstandsmelder
  • Temperaturanzeiger
  • Lärmwarner
  • Calliope-Flugzeug…
  • Grundlagen zu JavaScript

Es gibt sogar Tipps zur richtigen Aufbewahrung und Pflege des Calliope mini. Ein Glossar am Ende zeigt gesammelt die wichtigsten Begriffe. Schließlich gibt es noch eine Erläuterung, wie man in Communitys (z. B. GitHub) mitmacht, inkl. Sicherheitshinweisen.

Das Buch ist altersgerecht verständlich geschrieben.

Fazit: Sehr guter Einstieg

Themen

  • Vorstellung von Calliope und vom Buch
  • Einstieg ins Programmieren
  • Wichtige Wörter
  • Das Äußere des Calliope mini
  • Den Calliope mini warten
  • Verbinden mit dem Computer
  • Bedienoberfläche
  • Programmieren
  • Programmieren mit dem Smartphone oder Tablet
  • Programmieren mit JavaScript
  • Calliope-Communitys
  • Editor MakeCode
  • Editor Open Roberta Lab
  • Glossar für Bastler und Hacker

Philip Kiefer: „Calliope mini. Coden, basteln, entdecken“. Rheinwerk 2018. 19,90 EUR. ISBN 978-3-8421-0493-8.

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Nordwärts über die Insel im Hudson River

Durch Manhattan

CoverEin Journalist und eine Künstlerin, Niklas Maak und Leanne Shapton, wandern zwei Tage durch Manhattan, immer nordwärts. Sie lassen sich treiben und beobachten die Stadt: Die Straßen, die gelben Taxen, die alten Backsteinfassaden, den chinesischen Schrotthändler, die Überwachungskameras, den Trump-Tower, die Flugzeuge am Himmel. Niklas Maak macht sich Notizen, Leanne Shapton tuscht dazu stimmungsvolle, meist eher abstrakte Farbflächen. Nach und nach entsteht ein Blick auf New York, banal und gleichzeitig sehr eigentümlich, ein Stimmungsbild der Stadt. Dabei authentisch und irgendwie intim. Intim? Ja, man begleitet den Erzähler und die Zeichnerin quasi auf einem Spaziergang von Süd nach Nord und sieht ihnen dabei über die Schulter bei dem, was ihnen so begegnet. Gegebenheiten und kurze Einblicke in Menschenleben, Situationen und Historie. Oft sind es Beobachtungen, dann wieder wiedergegebene Gespräche.

Fazit: Atmosphärisch dichter Spaziergang von der Big City hoch in die Felsenregion

Niklas Maak: „Durch Manhattan“. Mit Niklas Maak und Leanne Shapton unterwegs in New York. Hanser Verlag 2017. 25,- EUR (D) / 25,70 EUR (A). ISBN 978-3-446-25666-8.

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Abkürzungen fürs Rechnen

Mathe to go: Magische Tricks für schnelles Kopfrechnen

CoverMathematik ist nicht die Kunst des Rechnens. Trotzdem hilft sie, wenn man mal rechnet. Der Mathematiker Christian Hesse sagt, Mathe sei die Kunst, Rechnen durch Denken weitgehend überflüssig zu machen. Wie das geht, und zwar im Kopf, zeigen seine vielen Beispiele.

So lassen sich dreistellige Zahlen wie 271 in kaum sieben Sekunden im Kopf quadrieren. Oder das furchteinflößende Produkt 396 x 178 mit ein paar schnellen Manövern austüfteln. Oder die mächtige Zahl 2134215 in einer einzigen Zeile durch 9 dividieren. Mein Lieblingsbeispiel ist:

„x %  von  y     entspricht     y %  von  x“

Das Ganze ist unterhaltsam geschrieben, es gibt zur Auflockerung Rezepte (u. a. Kaffee mal als Cold Brew Fizzy Tonic). Denn wie wir wissen ist Mathematik etwas, bei dem eine Maschine aus Kaffee Theoreme macht. (Für Nicht-Eingeweihte: Diese Maschine nennt sich Mathematiker*in.)

… und noch ein Beispiel zum Mitnehmen: Wieviel ist 18 * 11? Okay, sooo schwer ist das nicht. Es geht aber noch leichter, nämlich mittels Addition im einstelligen Bereich. Das kann nun wirklich Jede: Quersumme bilden und das Resultat (eine Ziffer) zwischen die beiden Ziffern der Ausgangzahl schieben. Voila! Aber Achtung, das gilt nicht für alle Multiplikationen! Wo das gilt, bleibt der Leserin zur leichten Übung überlassen ;) wie früher im Studium.

Fazit: Unterhaltsam und – wenn man sich ein paar Sachen merkt – gut, um zu beeindrucken

Themen

  • Schweizer Taschenmesser des Multiplizierens
  • Quadrieren
  • Altchinesisch mit Essstäbchen
  • Triple Trouble
  • Teilen und Herrschen: 1- und 2-stelliger Divisor und umgekehrt
  • Probe: Neuner- und Elfer-Ergebnis-Check
  • Wurzeln schätzen
  • Wurzeln: Was hätte Heron gemacht?
  • Anti-Dekonstruktiv
  • Logarithmus
  • Datum: Sag den Wochentag

Christian Hesse (Autor) und Alex Balko (Illustrator): „Mathe to go: Magische Tricks für schnelles Kopfrechnen“. C. H. Beck 2017. 12,- EUR. ISBN 978-3-406-71385-9 .

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Lichtschein über dem Meer

Wächter der See

CoverZitat: „An Heiligabend des Jahres 1695 versank das Handeslsschiff Constant […] bei den Felsen des Eddystone-Riffs. […] Keiner hat jemals all die Schiffe gezählt, die hier zerschellten. […] Die Kaufleute von Plymouth hatten die köngliche Erlaubnis bekommen, auf dem Eddystone ein Leuchtfeuer zu errichten.“

So beginnt das Buch über die unverwüstlichen und standhaften Wächter der See. Die Geschichte der Leuchttürme erzählt vom gefährlichen Bau, von der Entwicklung der Leuchtfeuer und vom Leuchtturmwärterleben. Und auch vom Ende einer Ära.

Die Melancholie steckt zwischen den Zeilen: Neue Leuchttürme? Fehlanzeige. Die Technik hat die alten Gebäude weitgehend überflüssig gemacht als Retter im Meer. Sie sind oft nicht viel mehr als Tourismus-Kulisse.

Wunderschön, atmosphärisch, nostalgisch: Alte Fotografien, Skizzen, Pläne, stereoskopische Aufnahmen, Darstellungen alter Bücher, Bauteile und Zubehör, eine visuelle Welt. Dazu im Großformat und von beträchtlichem Gewicht. Mit einem Wort: Der Band macht was her. Die Geschichten vom Bauen und Leuchten wechseln mit vielen, vielen Bildern ab. Das Buch stellt hübsche, beeindruckende, aber auch undurchdachte Türme vor. Überall in der Welt.

Leuchttürme halten gewaltigen Wellen und Unwettern stand und senden in der Nacht ihre Lichtsignale übers Meer. Sie warnen vor gefährlichen Untiefen und weisen Schiffen den Weg in den Hafen. Zahllose Seefahrer verdanken ihnen ihr Leben. Weltweit prägen Leuchttürme unsere Küsten und üben eine besondere Faszination auf uns aus. Das Buch erzählt von Anstrengungen und technischen Meisterleistungen, die es möglich machten, selbst auf den kleinsten Felsvorsprüngen und sogar mitten im Meer Bauwerke von enormer Größe und Stabilität zu errichten. Es beschreibt das zentrale Element der Türme – das Licht – und seine Entwicklung vom schwachen offenen Feuerchen hin zu weithin sichtbaren gebündelten Strahlen. Es berichtet von Schiffbrüchen und heldenhaften Seenotrettungen und nicht zuletzt von der großen Verantwortung und dem isolierten Leben der Leuchtfeuerwärter.

Historische Baupläne und Aufrisse sind was für Bauingenieurfans. Sie richten den Blick auf das Äußere und Innere von über fünfzig Leuchttürmen an den verschiedensten Orten der Welt. Zeitgenössische Zeichnungen und Fotografien bezeugen, was es bedeutete, diese zu bauen, zu bewohnen und instandzuhalten.

Fazit: Liebhaberstück mit nostalgischem Charme

Themen

  • Historie des Leuchtturmbaus
  • Ablauf beim Bau und dessen Fortschritt im Laufe der Jahrhunderte
  • Entwicklung von Lampen und Linsen
  • Leben im Leuchtturm

 

R.G. Grant: „Wächter der See. Die Geschichte der Leuchttürme“. DUMONT 2018. 28,- EUR. ISBN 978-3-8321-9936-4.
Originalverlag: Thames & Hudson Ltd, London 2018, Originaltitel: Sentinels of the Sea. A Miscellany of Lighthouses Past

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Elektronik vom Einfachen zum Komplizierteren, verständlich erklärt

Make: Elektronik – Eine Einführung für Bastlerinnen, Geeks und Künstlerinnen

CoverWer sich mit dem Arduino beschäftigen möchte, kommt nicht umhin, sich einige Grundkenntnisse in Elektronik anzueignen. Sei es, LEDs zum Leuchten zu bringen, Sensordaten auszulesen oder Motoren anzusteuern. Das Buch bietet genau diesen Einstieg für all diejenigen, bei denen der Physikunterricht schon etwas her ist oder im Hirn nicht wirklich haften geblieben ist.

Es ist als Mitmach-Buch gedacht und besteht daher grundsätzlich aus verschiedenen, teilweise aufeinander aufbauenden Experimenten. Einige der Experimente machen sofort Lust, es auszuprobieren. Man benötigt jedoch einen Grundstock an Materialien wie LEDs, Kondensatoren, Widerstände, etc. Aus meiner Sicht muss man das Buch aber nicht komplett durcharbeiten bzw. die Experimente nachbauen, um einen Nutzen daraus zu ziehen.

Das erste was auffällt: Das Buch hat sehr viele Fotos und Zeichnungen, die so gut wie alle hilfreich und nützlich sind. Bauteile, Werkzeuge und Schaltungen sind sehr gut fotografiert und zeigen das Wesentliche, bspw. der Unterschied zwischen Draht und Litze. Die Zeichnungen erklären viele theoretische Grundlagen auf eine witzige Weise, ohne zu sehr in Formeln abzudriften – beispielsweise wird das Ladeverhalten von Kondensatoren mit einer Person erklärt, die Kuchen isst.

Neben den vielen Bildern gibt es passend zum jeweiligen Experiment Textboxen zur Theorie, (meist geschichtliches) Hintergrundwissen und auch Warnhinweise. Was mir positiv aufgefallen ist: Bei vielen Schaltungen erklärt der Autor auch, warum der Aufbau so ist, wie er ist. Zum Beispiel, warum bei Pin 3 des ICs ein Kondensator mit 10nF angeschlossen wird. Bei vielen Tutorials im Internet findet man häufig nur die Information, DASS, aber nicht, WARUM etwas eingesetzt wird. Bei besonders schwierigen Schaltungen werden auch schon einmal die Spannungsveränderungen im zeitlichen Verlauf über mehrere Abbildungen verdeutlicht (bspw. beim Buzzer-Quiz). Ganz toll, so etwas würde ich mir bei mehr Lehrbüchern wünschen.

Auch eine schöne Sache an dem Buch: Es wird nicht nur die heile „So und so geht das richtig“-Welt gezeigt, sondern es wird auch mal was kaputt gemacht; wie bekomme ich eine LED kaputt, wie sieht eine durchgebrannte Sicherung aus und was passiert eigentlich, wenn ich einen Elektrolytkondensator falsch herum anschließe?

Was mir an dem Buch nicht so gut gefallen hat: Die Bildnummerierung und Benennung im Text war manchmal fehlerhaft, was hin und wieder irritiert. Und bei einigen Bildern hätte man mit Pfeilen oder Umrandungen das Auge der Leserin besser lenken können. Ich habe gefühlt eine halbe Ewigkeit auf das Vorher-Nachher-Bild einer Sicherung geschaut, bis ich den Unterschied gefunden habe. Auch hätte ich mir mehr dieser tollen Erklärungen gewünscht, warum an einer Stelle ein Widerstand oder Kondensator und warum gerade in dieser Größe eingesetzt wird. Da ist noch Luft nach oben!

Alles in allem kann ich dieses Buch allen Bastlerinnen empfehlen, die in das Thema Elektronik gerade einsteigen. Es vermittelt gute Grundlagen mit Praxis, ohne zu sehr in die Mathematik abzudriften. Aber auch für schon fortgeschrittene Bastlerinnen ist etwas dabei, z. B. wie der 555er Timer-Chip genau funktioniert oder was frau beim Kauf eines ICs beachten sollte, so dass ich hier auch eine Empfehlung aussprechen möchte.

Themen

  • Elektrizität (bspw. „Brate eine LED“)
  • Werkzeug- und Materialkunde
  • Widerstände, LEDs, Relais, Kondensatoren, Transistoren, Schalter, Spulen, Integrierte Schaltungen (ICs)
  • Schaltzeichen
  • Logik-Gatter
  • Löten
  • Mikrocontroller PICAXE
  • Pulsierendes Glühen
  • Selbst erzeugte Töne
  • Alarmanlage
  • Stromerzeugung auf dem Tisch
  • Frequenzen filtern
  • Fuzz
  • Einer wird gewinnen (Buzzer-Quiz)

Charles Platt: „Make: Elektronik – Eine Einführung für Bastler, Geeks und Künstler“. O’Reilly Verlag 2010. 34,90 EUR. ISBN 978-3897216013.

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Misheard Lyrics

Tipp von Anke:

Hört Euch mal „Pride Shall Fall“ an … und verpasst nicht, mit zu lesen. Denn hier hat jemand mitgeschrieben, was sie VERSTANDEN hat, als die Heavy Metal Band GESUNGEN hat. Lustig!
Screenshot

Aus dem YouTube-Kanal „coldmirror„:

„Hey, ich bin Kaddi aka coldmirror. Man braucht mindestens 7 Gehirne, um den Sinn meiner Videos zu verstehen. Dieser Kanal ist weder für Kinder, noch für Erwachsene, noch für 60-jährige in Begleitung ihrer Eltern geeignet. __________________________ DANKE an alle die subscriben, liebe Kommentare da lassen oder einfach nur mal vorbeischaun und lachen! Ohne euch hätte ich ein Real Life ^^ “

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Kraftvolle Skizzen

Business-Symbole einfach zeichnen lernen

CoverDer Leuchtturm ist ein eindrucksvolles Motiv. Hier gibt es allerdings noch mehr zu lernen: Einfache Motive zeichnen und so Aussagen verstärken. Das Buch ist eine Vorlagensammlung, Inspiration und Anleitung für weitere Motivideen. Dank der Schritt-für-Schritt-Erklärungen lässt sich eine Menge an Bildern, die auf den ersten Blick kompliziert aussehen, einfach und schnell nachzeichnen.

BuchseiteDas fertige Symbol wird in drei verschiedenen Ausführungen vorgestellt, von schlicht und schnell bis professionell schattiert und mit Wachsmalblöcken gefärbt. Gezeichnete Varianten der Symbols sowie eine Verschlagwortung bringen sofort Ideen für den Einsatz zu eigenen Zwecken.

Bonus: Im Download-Bereich des Buchs gibt es die wichtigsten Motive als einsatzfertige Dateivorlagen.

Buchinhalt

 

Fazit: Anschaulich und nachvollziehbar, absolut (nach-)machbar!

Themen

  • Schöne und schnelle Varianten
  • Zeichenmaterial
  • Schwarz-Weiß-Skizzen und Farben
  • 99 Symbole von A bis Z: Abreißkalender bis Zahnräder

Johannes Sauer: „Business-Symbole einfach zeichnen lernen. Die wichtigsten Motive für Flipchart und Whiteboard. Mit Schritt-für-Schritt-Zeichenanleitung“. managerSeminare 2018. 29,90 EUR. ISBN 978-3-95891-040-9-.

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Design-Thinking-Ratgeber mit (arg) wenig Worten

Der Design-Thinking-Werkzeugkasten

CoverDesign Thinking ist eine Methode, die bei der Neuentwicklung von Produkten und Services hilft, die wirklichen Kundenprobleme zu identifizieren und innovative Lösungen für diese zu finden. Aus dem Buchtext: „Ein […] Gedanke – bevor es nun wirklich losgeht: Die meisten erfolgreichen Innovationen sind das Ergebnis von Teamarbeit. […] Und für solch ein Team gilt: Je diverser – in Hinsicht auf den beruflichen, aber auch kulturellen Hintergrund – die Zusammensetzung des Teams ist, desto besser für das Projekt.“

Die Autoren bündeln die vorgestellten Werkzeuge entlang vom Design-Thinking-Prozess in sechs Phasen. Die Anleitungen für den gesamten Projektverlauf sollen die Entscheidung für das richtige Werkzeug erleichtern. Außerdem wird ein erster Eindruck vermittelt, wie eine vom Kunden her validierte Idee in ein erfolgreiches Geschäftsmodell überführt werden kann.

Den ersten Abzug in der B-Note gibt es für weiße Schrift auf Leuchtorange. Das ist nicht so recht barrierefrei… Hübsch, aber vielleicht in der nächsten Auflage mehr Kontrast. Das wäre für mich als Leserin (Kundin) wünschenswert.

Übersicht verspricht die einheitliche Struktur für die Methoden:

  • Ergebnis – Format – Material – Vorbereitung – Zeitdauer

Die Methodenbeschreibungen sind handwerklich okay, sie bieten gute Impulse. Trotzdem und leider: Manchmal sind die Erklärungensehr zu knapp gehalten – manchmal habe sogar ich als Moderatorin mit jahrelanger Erfahrung nicht verstanden, worauf die Autoren bei einer Methode hinauswollten (selbst bei Methoden, die ich schon länger kenne und anwende…)

Gut gefallen hat mir, dass die Materialempfehlungen sehr oft minimalistisch und doch völlig ausreichend sind: Haftnotizen, Moderationswände und Karten, Flipchartstifte, Küchenuhr / Stoppuhr, Fotogerät (Kamera oder Smartphone). Damit geht was!

Hilfreich ist auch die Idee, zwei Rollen zu nutzen: „Projekt-Owner“ und „Projekt-Master“, angelehnt an die Rollen in Scrum. Der eine ist für die Ausrichtung und Priorisierung von Inhalten verantwortlich, der andere sorgt für einen guten Prozess beim Erarbeiten von Lösungen.

Ein Schlüsselfaktor von Design Thinking wird explizit nochmal genannt: „Wenn Sie Kunden interviewen, versuchen Sie nicht, Ihre Hypothesen von ihnen validiert zu bekommen. Seien Sie offen, neugierig und bereit für Überraschungen.“

Fazit: Werkzeugkasten mit Nachholbedarf bei Methodenbeschreibungen

Themen u. a.

  • Business Owner Briefing: Stakeholder und Projektteam
  • Charette
  • Designaufgaben-Lückensatz
  • Informationen und Kernfakten sammeln
  • Google Trends, Trend-Matrix und Google Alerts
  • Buzz Reports
  • Designbrief
  • Nutzer-Kamera-Studie: Kundenperspektive
  • Von Erkenntnissen zu Schlüsselerkenntnissen
  • Empathie-Raster
  • Personas und User Journey Map
  • Kundenperspektiv-Lückensatz
  • Stakeholder-Abstimmung
  • Faktor 10!
  • Storyboard
  • „Zauberer von Oz“
  • Kunden-Co-Creation
  • Feedbackraster
  • Testkarten und Hypothesen-Testblätter
  • Learning Launch
  • Produktvision
  • Business Model Canvas

Ansgar Gerling und Godehard Gerling: „Der Design-Thinking-Werkzeugkasten. Eine Methodensammlung für kreative Macher „. dpunkt 2018. 16,95 EUR. ISBN 978-3-86490-589-6.

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Design Thinking

CoverHast Du weder Zeit noch Lust auf langatmige Belehrungen eines Kollegen oder darauf, Dich durch unzählige Webseiten zu klicken oder ein dickes Fachbuch zu wälzen? Dafür wurde dieser kompakte Ratgeber verfasst. Das Buch hat sich eine klare Aufgabenstellung gesetzt: Es will den Anforderungen anspruchsvoller Leser genügen, die mehr über die Anwendung von Design Thinking in einer digitalen Welt erfahren möchten. Dann sehen wir mal….

Heraus kam ein Buch, das einen rasanten Überblick über die wichtigsten Prinzipien im Design Thinking bietet. Es ist eine Mischung aus Beispielen und Methoden. Die wesentlichen Elemente des Design Thinking werden im Buch angerissen. IM Fokus stehen beispielhaft die Herausforderungen von digitalen Innovationen (als derzeit häufigste Anwendung des Design Thinking). Nach den Grundlagen will das Buch den Blick weiten auf die Verbindung von Systems Thinking und Design Thinking sowie Business Ökosystem Design.

Der Autor ist Gastprofessor für Design Thinking an diversen Universitäten und hat mehr als 15 Jahre lang in der Industrie Innovationen realisiert und digitale Transformationen angestoßen. Leider scheint er mir nicht der geborene Autor für kurze, knappe Ratgeber zu sein…

Auch mit etwas Vorwissen tat ich mir beim Lesen echt schwer. Der Stil … ja, was? Ist auch mal leicht zu lesen. Dann wieder tauchen Bezeichnungen auf, die entweder (zu) weit vorn eingeführt wurden und ohne Verweis nicht mehr rasch wieder zu finden sind. Oder auch gar nicht? Daisy Maps? Google kennt das schon mal nicht. Hm… Das hörte auch nicht auf. Weitere Begriffe oder Abkürzungen ließen mich überlegen, was denn nun wieder gemeinst sein könnte. Und ich konnte auch nicht mal eben nachschlagen, denn einen Index hab ich vergeblich gesucht.

Weiter gibt es abstrakte Konstrukte, die so knapp dargestellt sind, dass ich nicht verstanden habe, was da erklärt werden sollte. An einer Stelle hat mich der Autor völlig abgehängt. Vor allem ein Verweis aus der Einleitung hat mich nur noch mehr verwirrt, denn dazu hab ich auch nix gefunden.

Die Inhalte sind oft so weit verkürzt getextet, dass Neulinge und Gelegenheitsdesignthinker wie ich kaum mitkommen.

Ein paar praktikable Sachen lassen sich allerdings auch herausfiltern. Da ist zunächst mal der Leitspruche des Design Thinking: „Fail eraly to succeed sooner“. Man merkt auch, dass der Autor die Methodik wahrscheinlich sehr gut kennt. Auch die Erklärung des „Mindset“ ist okay.

Zurück zum Anspruch: „Das Buch will den Anforderungen anspruchsvoller Leser genügen, die mehr über die Anwendung von Design Thinking für die Findung von Lösungen in einer digitalen Welt erfahren möchten. Und das in kurzer Zeit.“ Ich würde sagen, dafür sollte es nochmal gründlich überarbeitet werden. Weniger Inhalt, dafür besser erklärt. Gliederung aufräumen und Layout einsetzen, das den roten Faden unterstützt. Weniger von den hübschen Grafiken, dafür die vorhandenen komplett erläutern. Dann kann noch was richtig Gutes draus werden.

Fazit: Vieles bleibt schemenhaft. Schade.

Michael Lewrick: „Design Thinking. Radikale Innovationen in einer digitalisierten Welt“. C. H. Beck 2018. 9,90 EUR. ISBN 978-3-406-72060-4.

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Diskussionen leiten

Jetzt wird nicht lange diskutiert!

CoverDie Teilnahme an einer Diskussionsrunde ist oft mühselig – lediglich eine Pflicht oder gar eine Last… Schlimmstenfalls führt das Gespräch zu keinem Ergebnis. Dagegen möchte das Büchlein vorgehen. Der Autor ist erfahrener Gesprächsleiter und gibt in seinem Ratgeber praxisnahe Tipps für eine effektivere Gesprächskultur. Außerdem kennt er die Sicht als Sprechtrainer, Coach und Vortragsredner.

Spätestens im Berufsleben kommt man um die Teilnahme an Diskussionen in Gruppen nicht herum. Je nach Umfeld ist es ein monatliches Teammeeting, andere sitzen täglich in Sitzungen, Gruppengesprächen und Diskussionsrunden. Wie auch immer man diese Zusammenkünfte nennt, es geht bei allen darum, effizient miteinander zu kommunizieren. Das Buch zeigt, wie man sich auf Gespräche vorbereitet, die eigenen Wortmeldungen optimiert, Gesprächstaktiken anderer Teilnehmer erkennt und diese gegebenenfalls auch pariert. Klare Sprache statt „könnte, würde, wäre“ hilft schon mal. Auch der Gebrauch von Verben ist ein Thema.

Gerade im heutigen Berufsleben werden wir permanent mit schriftlichen Nachrichten überflutet, die in so knappen Worten wie möglich eine erinnernswerte Botschaft übermitteln wollen. Leider eignet sich so mancher Manager diesen Stil auch mündlich an, was nicht immer zur Verständlichkeit beiträgt. Ein Beispiel: „Die Sicherstellung des Auswahlverfahrens vor dem Hintergrund der Qualifizierung von Potenzialträgern geschieht mit der Zielsetzung, Führungswissen erlebbar zu machen.“ Hier kommen auf 7 Substantive gerade mal 2 Verben, und dies sind auch noch schwache Verben… Bresser formuliert lautet dann derselbe Satz: „Stellen Sie etwas sicher, wählen Sie aus, qualifizieren Sie, setzen Sie Ziele und lassen Sie uns die Sache anpacken.“ So wird die Botschaft deutlich.

Gerade unerfahrene Neulinge halten sich oft an das Gelernte aus der Schule, am Anfang anzufangen und einen Sachverhalt von Beginn auf zu erklären. In einer Gesprächsrunde funktioniert es anders besser. Wer mit dem Wichtigen oder Bedeutenden anfängt, sichert sich eher die Aufmerksamkeit. Zwischendrin lohnt es sich, gute Kurzzusammenfassungen anzubringen. Wenn einem dann noch Zeit gelassen wird, können gerne Hintergründe und Erklärungen folgen. Schriftlich helfen Checklisten oder Leitsätze. Wer redet, sollte sich auf das Thema vorbereiten, keine Sätze auswendig lernen. Mehr als den Einstiegs- und Ausstiegssatz aufzusagen (was gegen Nervosität hilft) wirkt oft hölzern.

Unfaire Taktiken ihres Gegenübers zu erkennen, ist auch eine Kunst, die sich durch Erfahrung aufbaut. Trotzdem tappen auch versierte Gesprächsteilnehmer im Eifer des Gefechts unversehens in solche Fallen. Beispielsweise wird eine überzogene Forderung gestellt, nur um nach erfolgter Ablehnung mit einer „wenigstens“-Formulierung das eigentliche Ziel durchzusetzen. Der Ratgeber deckt diverse solcher Taktiken auf und zeigt, wie diesen zu begegnen ist.

„Überzeugen oder überreden?“ Wie lautet die Antwort auf diese Frage? „Überreden.“ Falsch! Monologe führen nicht zu Überzeugungen. Überzeugen hat nix mit Sendungsbewusstsein zu tun (Stichwort Verkaufsgespräch), sondern ist eine Dienstleistung. Das magische Wort hierbei: Zuhören! (Ooooh, ja! Gerade hatte ich erst wieder so ein Beispiel vor mir!)

Viele eher ungewöhnliche Tipps, Erfahrungen und Einsichten machen das Buch interessant. Der Autor ist ein reflektierter Mensch, und so etwas ist  in der Regel ein Erfolgskriterium. Nur das Kapitel „Vorsicht vor Fallen“ ist m. E. etwas schwächer, was wahrscheinlich einfach der Kürze geschuldet ist. Schade. Immerhin bietet die Liste der unfairen Taktiken einen guten und kompakten Überblick über mögliche Fallen.

Stark dagegen ist, dass es eine Einführung in das Thema „Abstimmen durch Betrachten von Widerständen statt Zustimmung“ – auch das ist ein Instrument, das noch  viel zu selten im Einsatz ist.

Fazit: Geht manchmal von alteingesessenen Problemen aus (ggf. trifft das nur noch selten zu), der Rest lohnt auf jeden Fall die Lektüre

Themen

  • Konferenzen und Diskussionsrunden gut vorbereiten und durchführen
  • Hilfsmittel für eine erfolgreiche Diskussionsleitung
  • Umgang mit unfairen Taktiken

Michael Rossié: „Jetzt wird nicht lange diskutiert! Besser, schneller und effizienter in Gruppengesprächen“. C. H. Beck 2018. 7,90 EUR. ISBN 978-3-406-71890-8.

Informatik und Ingenieurwissenschaften… treffen auf eine geniale Störung

Geniale Störung

Cover

»Faszinierend – für jeden, der sich für Autismus und das menschliche Gehirn interessiert.« OLIVER SACKS

Was ist Autismus? Eine Entwicklungsstörung, eine lebenslange Behinderung? Oder eine ganz normale kognitive Eigenheit, verwandt mit Formen des Genies? Autismus ist das alles und noch mehr.

Das Buch zeigt: Oft gehen technische und logische hohe Begabung mit der Diagnose einher. Sogar dann, wenn man gar keine Diagnose hat – noch nicht, vielleicht….? So gesehen sind Ingenieurwissenschaften und Informatik, Wissenschaft überhaupt, eine Welt, in der sich Menschen begegnen, die ähnliche Erfahrungen teilen.

Im Silicon Valley gibt es besonders viele Kinder, bei denen Autismus diagnostiziert wird. Das ist der Ausgangspunkt einer Geschichte, die – von Asperger ausgehend – bis in das 21. Jahrhundert erzählt, wie die Historie der Diagnostik und Behandlung dieser „genialen Störung“ verlief. Bis schließlich zur aktuellen (relativen) Normalität, die viele Ausprägungen umfasst, Stichwort Neurodiversität.

Mit einem Zitat möchte ich Euch einen Eindruck vermitteln. Es ist eine gescheite Umformulierung der früher üblichen typischen Autismus-Diagnosen, die die „normalen Menschen“ (als neurotypisch bezeichnet) in diagnostischer Sprache beschreibt:

„Das neurotypische Syndrom ist eine neurobiologische Störung, die sich in extremem Sozialverhalten, Wahnvorstellungen von der eigenen Überlegenheit und zwanghafter Herbeiführung von Gleichförmigkeit äußert. Therapien sind derzeit nicht bekannt.“

Ja, dieser Eindruck ist mir nicht fremd. Treffend finde ich auch folgende Formulierung von Menschen mit autistischer Ausprägung: „… äffen sie bei der Arbeit ‚Menschenverhalten‘ nach“, um sich anzupassen und einfach mal nicht anzuecken.

Stellenweise fand ich das Buch sehr faszinierend, vertraut, erhellend… dann wieder erschreckend und düster. Mit anderen Worten: Eine packende Tour durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte.

Historisch recherchiert, wissenschaftlich fundiert und stilistisch wie eine Reportage ist der Autor einer bis heute mysteriösen neuronalen Besonderheit auf der Spur. Auf einer Expedition mit Programmierern und Informatikerinnen, dem Entdecker des ohmschen Gesetzes (der niemandem davon erzählte, so dass es eben nicht nach ihm, sondern nach Ohm benannt ist) liest man hier auch die Geschichte von Hans Asperger, der seine kleinen Patienten vor den Nazis zu beschützen versuchte. Am Ende zeigt Steve Silberman in seinem empathischen Buch, dass wir Autisten und ihre Art zu denken brauchen.

Fazit: Vertraut, erhellend, erschreckend und düster – Faszinierend!

Themen

  • Diagnostik
  • Nur Jungs? Auch Mädchen!
  • Nicht nur Kinder, es gibt auch Erwachsene
  • Ausprägungen
  • „Das Spektrum“
  • Vereinigungen und Zusammenschlüsse rund um Autismus
  • Ausgrenzung und Einsatz als Experten

Steve Silberman: „Geniale Störung. Die geheime Geschichte des Autismus und warum wir Menschen brauchen, die anders denken“. DUMONT 2016. 28,- EUR. ISBN 978-3-8321-9845-9.

Übrigens: Einiges aus dem Literaturverzeichnis würde ich auch gern noch vertiefend lesen.
(Hmmm, hoch gerechnet müsste ich wohl 221 Jahre so alt werden, um alles zu lesen, was mich noch interessiert. Mindestens. Ähem.)

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Den Seestern programmieren… mit spielerischen Projekten

Das Calliope-Buch

CoverDer Calliope mini ist ein 5-Gramm-Computer, der erschwinglich ist und Digitalisierung so für alle möglich macht, die spielerisch an das Thema herangehen wollen. Hier kann man ein grundlegendes Verständnis bekommen bzw. schaffen, das für die Zukunft wichtig ist. Und faszinierend ist es auch noch!

Ziel von Calliope ist es ursprünglich, den Informatikunterricht an Schulen zu verbessern und attraktiver zu machen. Die Idee ist, dass alle Knider einer 3. Klasse mittels Calliope das Programmieren im Unterricht kennenlernen. Das heißt ja nicht, dass man das nicht außerhalb von Schulen auch unterhaltsam nutzen kann… vielleicht wird auch ein Hobby draus, mal sehen.

Fakten und Zahlen: Ideen von Makern, Bastlerinnen, Auotren und Autorinnen, Didaktikfachleuten und das in Form von mehr als 25 Projekten (Beispielen) von einfach bis kompliziert… das ist das Buch in einem Satz.

Als Erstes lernt man, welche Funktionen der Calliope mini mitbringt. Und dann, wie man ein erstes Programm schreibt und es auf dem Calliope mini laufen lässt. Danach geht es richtig los, denn das alles lässt sich mit dem MINI bauen:

  • Instrumente für ein halbes Orchester: Klavier! Luftgitarre, Metronom, Theremin!!
  • Alarmanlage
  • Farbthermometer
  • elektronischer Würfel
  • Tee-Roboter
  • lichtscheuer Roboter
  • digitale Sanduhr
  • Spiele: Symbolschnapper, Bingo, Stadt-Land-Fluss-Buchstabengenerator, Fang den Dot, …

Und fast nebenbei lernt man zu programmieren, denn für jedes dieser Projekte schreibt man ein eigenes Programm. So verinnertlicht man spielend, was Variablen, Schleifen und Bedingungen sind. Und noch mehr: Wie ein Computer und seine Bauteile funktionieren. Ab hier kann man dann denken wie echte Programmierprofis und kann sich bald eigene Projekte für den Calliope mini ausdenken oder Projekte aus dem Internet für eigene Zwecke anpassen.

Im Vordergrund stehen der Spaß am Programmierenlernen, am Spielen und an der Gemeinschaft. Die Beispiele aus dem Buch lassen sich oft mit mehreren gemeinsam ausprobieren und anwenden. Auch schön: Die Inhalte im Buch laufen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Und es gibt eine Community, zu finden unter http://bit.ly/2pYTA8G.

Der Stil des Buchs richtet sich direkt an die Kids (und solche, die’s geblieben sind): „In diesem Kapitel lernst Du…“ Das und die Texte an sich lassen sich sehr gut lesen.

Eine Korrektur des bösen Fehlerteufels gibt es online – und hier bekommt man auch einen kleinen eigenen Eindruck des Buchs:
www.dpunkt.de/common/leseproben//13068/Errata%20f%C3%BCr%20Abbildung%209-23%20und%209-24.pdf

Autorinnen

(Autoren gibt’s auch, nur finde ich die Autorinnen hier mal spannender…)

Nadine Bergner studierte die Fächer Informatik, Mathematik und Physik für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen an der RWTH Aachen. Seit 2010 leitet sie das InfoSphere, ein Schülerlabor zum Thema Informatik, in dem 32 Informatikmodule für Kinder und Jugendliche der Klassenstufen 3 bis 13 angeboten werden. Insgesamt konnte sie dort bereits über 8.000 kleine und große Gäste für die Informatik begeistern.

Julia Kleeberger hat nach Promotion und einer 8-jährigen Karriere in der industriellen Forschung das gemeinnützige Unternehmen Junge Tüftler gegründet. Es setzt sich zum Ziel, Kindern einen spielerischen Zugang zu digitalen Inhalten zu eröffnen. Neben handwerklichen Fertigkeiten und logischem Denken werden auch Metakompetenzen des 21. Jahrhunderts geschult.

Natalia Prost arbeitet nach dem Informatikstudium als Software-Entwicklerin und Projektleiterin im Bildungsbereich. Neben dem Beruf studiert sie zusätzlich Bildungswissenschaften und vermittelt auf www.papiercomputer.de u. a. Informatikwissen und regt zur kreativen Nutzung von Technologien im schulischen und privaten Kontext an.

Lina Wassong verbrachte während ihres Studiums der Bekleidungstechnik an der HAW Hamburg einen Auslandsaufenthalt in San Francisco. Dieser inspirierte sie, sich mit der kreativen Seite von Elektronik, Software und Maschinen auseinanderzusetzen. Seitdem gestaltet Wassong, neben ihrer Arbeit als Autorin für Verlage wie O’Reilly, dpunkt und Make, interaktive Fashion-Designs und Accessoires. Mit den Mitteln von Elektronik und digitalen Fertigungsverfahren wie Lasercutting und 3D-Druck präsentiert sie die ästhetischen Seiten von Technik und deren vielfältige Einsatzbereiche.

Fazit: Macht Lust auf Rumspielen und Ausprobieren

Themen

  • Interaktion mit dem Calliope mini
  • „Dein rechter, rechter Platz ist leer“
  • Würfeln
  • Logik
  • Mapping: So rein und anders raus
  • Drahtlose Kommunikation
  • Bewegung

Nadine Bergner, Patrick Franken, Julia Kleeberger, Thiemo Leonhardt, Mario Lukas, Mario Pesch, Natalia Prost, Jan Thar und Lina Wassong: „Das Calliope-Buch. Spannende Bastelprojekte mit dem Calliope-Mini-Board“. dpunkt 2017. 22,90 EUR. ISBN 978-3-86490-468-4.

Übrigens: In der Rezension „Den Seestern programmieren“ stellt sich ein weiteres Buch zum Calliope mini vor.

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