Brainstorming und andere Spiele für Erfolg und Spaß

Gamestorming

CoverWie entstehen Ideen? Das Buch will diese Frage neu beantworten. Es zeigt, dass man nicht hexen muss, um kreativ zu sein, sondern spielen!

Der theoretische Einstieg ist gewöhnungsbedürftig. So entdecke ich u. a. eine ungewöhnliche Methodenbezeichung: „Post-up“. Gemeint ist Brainstorming auf Papier (Moderationskarten, Haftnotizzetteln). Manche Beschreibungen muten auch etwas umständlich an, wie etwa die zur Punktabstimmung: „Sie können zum Beispiel allen Anwesenden zehn kleine runde Aufkleber geben und sie bitten, sie auf das zu kleben, was sie am meisten interessiert. Und wenn jemand dann keine Aufkleber mehr hat, hat er auch keine Stimmen mehr.“ Puh… „kleine runde Aufkleber“? Naja, sowas nennt man schlicht Klebepunkte. Das Umständliche liegt vielleicht an der Übersetzung, sei’s drum. Außerdem fehlt ein Hinweis auf die Faustformel, wieviele Punkte man abhängig von Gruppengröße und Zahl der Themenkarten vorgeben soll (dafür gibt es gute Erfahrungswerte).

Dafür ist das Prinzip „Spielen“ grafisch sehr gut aufbereitet. Hier kann man sich tatsächlich inspieren lassen, wie man ein Vorgehen denen erklärt, die den Moderationsauftrag vergeben – und meist gar nicht selbst beim Arbeiten dabei sind. Die meisten „Spiele“ sind außerdem sauber beschrieben, z. B. der Produktkarton, hier als „Entwirf die Schachtel“ erzählt. Zu Beginn von Kapitel 3 gibt es eine Ultrakurzzusammenfassung der kommenden Abschnitte. Sehr lesefreundlich. Hätte ich mir für mehr Kapitel gewünscht.

Toll: Ein sehr einfaches visuelles Alphabet wird vorgestellt. Wirklich, wirklich simpel: Gerade Striche, Winkel, geometrische Grundformen, die jede und jeder zeichnen kann. Sehr praktisch. Und der Hinweis, dass beim Scribbeln immer auch Beschriftung erlaubt ist. Eine Skizze muss nicht selbsterklärend sein!

Noch was Inspirierendes: Es gibt eine schöne Idee, wie man auf zwei verschiedenen Arten ein „Zwangsranking“ durchführen kann, also Dinge in eine priorisierte lineare Reihenfolge zu bringen. Und dass man DANN die beiden entstandenen Rankings nochmal gegeneinander hält, um daran die Entscheidung abzuwägen, was davon man letztendlich macht, also welches Ranking der Gruppe sinnvoller erscheint. Im Buch klingt das so: „… wir Sie Ihr Geld am effektivsten ausgeben“ (wobei Geld als Metapher für eine Bepreisung / Relevanz dient).

Der Umgang mit dem Thema Fragen ist ebenfalls ungewöhnlich: Es gibt hier …

  • … Eröffnungsfragen,
  • … Navigationsfragen zur Richtungsfindung oder Zielsetzung oder Kurskorrektur: Z. B. „Was ist das“ oder „Was kann ich damit anfangen“, u. a. wenn man im Verlauf auf etwas Neues stößt
  • … Untersuchungsfragen für eine eingehendere Analyse
  • … Ausprobierfragen: Fantasieren oder um eine Analogie zu finden oder um etwas auf eine höhere Ebene zu bringen
  • … Abschlussfragen: „Was davon können wir in den nächsten zwei Wochen auf die Beine stellen?“

 

Eine meiner Lieblingserkenntnisse findet sich auch wieder: „Hat man etwas […] öffnet, muss man es auch wieder […] schließen, um nicht die Energie der Gruppe zu verlieren.“ Wie wahr.

Fazit: Ungewöhnlicher Ansatz, frischer Wind. Vor allem für Fortgeschrittene oder Agil-Erfahrene

Themen

  • Konflikte überwinden
  • Engagement der Mitarbeiter steigern
  • Zusammenarbeit optimeiren
  • Kommunikation optimieren
  • Verständnis von User-Experience verbessern
  • Meetings kürzer und produktiver gestalten
  • Komplexe Systeme und Dynamiken erkunden
  • Wurzel des Problems erkennen
  • Weg zur Lösung finden

Dave Gray, Sunni Brown und James Macanufo : „Gamestorming. Ein Praxisbuch für Querdenker, Moderatoren und Innovatoren“. dpunkt 2011. 29,90- EUR. ISBN 978-3-89721-326-5.

Ein paar Links dazu:

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Kompakter und dabei gut verständlicher Einstieg in Blockchain

Blockchain kurz & gut

Cover Blockchain: DER Begriff für technologische Innovation, wenn es um Handel und Vertrauen geht. Das Konzept dahinter zu verstehen, ist eher anspruchsvoll. Ganz kurz: Eine Blockchain ist eine Datenstruktur, die in kryptografischen Protokollen eingesetzt wird, um Sicherheit gegen Angriffe, Lug und Betrug zu gewährleisten.

Nach einer kurzen Erläuterung der kryptografischen Grundlagen erklärt der Autor den Aufbau eines Blockchain-basierten Protokolls von Grund auf. Ausgehend von einem Protokoll, das jeder kennt, der schon einmal E-Banking benutzt hat, baut er Stufe um Stufe eine Menge an Sicherheits- und Verbesserungsmechanisen auf. In Form von Beispiel-„Coins“ stellt er für verschiedene Probleme einzeln dar, wie man das Problem löst. Und am Ende erreicht man als Leserin Verständnis für das Prinzip der Blockchain.

Abschließend werden mit dem gewonnenen Verständnis Anwendungsfälle von Blockchains identifiziert und auch ausgeschlossen. Man lernt ausgewählte Blockchain-Anwendungen wie Zeitstempel für Dokumente, fälschungssichere Logs und verifizierbare Zufallszahlen kennen.

In kurzen Abschnitten verständlich erläutert, garniert mit ebenso gut ausgewählten grafischen Darstellungen. Etwas Übung im Lesen formaler Modellierung (z. B. UML-Vorkenntnisse) hilft, ist aber nicht unbedingt Voraussetzung für das Verständnis.

Geschrieben ist das Buch für alle, die Software entwickeln, mit IT-Architektur zu tun haben und IT-Entscheidungen verantworten.

Fazit: Wirklich lesenswert.

Themen

  • Hashfunktionen
  • Digitale Signaturen
  • Digitales Geld und Coins
  • Double-Spending-Problem
  • Private Blockchains
  • Proof-of-Work-Prinzip: Rechenleistung verhindert multiple Identitäten aus einer Hand
  • „Ein nicht zu stoppender Computer“

Kai Brünnler : „Blockchain kurz & gut“. dpunkt 2018. 11,90 EUR. ISBN 978-3-96009-070-0.

Zum Weitermachen jenseits dieser Lektüre: Python, NaCl-Bibliothek, Kommandozeilentool, Hashcash

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Kochen für Eistaucher… äh Deep-Learning-Fans

Deep Learning Kochbuch

Cover Mit den passenden Tools und Frameworks sowie dank der Vorarbeit von Generationen von Wissenden ist der Einstieg in die Entwicklung von Deep-Learning-Anwendungen auch für Softwareentwickler*innen möglich, die keine umfassenden Machine-Learning-Kenntnisse haben. Das Buch liefert dafür Rezepte für typische Aufgabenstellungen des Deep Learnings.

Ein paar Voraussetzungen braucht es aber schon, um das Buch nutzen zu können. Man sollte sich auf GitHub bewegen können, den Umgang mit der Shell schon mal praktiziert haben, in Python ein paar Schritte gemacht haben.

Am Anfang steht die „Kultur des Teilens“: Open Data, Open Source, Open-Access-Publishing. Damit hat man schon eine Menge Fundament für die eigenen Projekte. Und wer das Buch zitieren möchte, macht dem Autor (und den Übersetzern) eine Freude – verlangt wird das Zitieren explizit nicht. Sehr sympathisch. Wer auf sich hält, zitiert natürlich trotzdem.

Jedes Kapitel behandelt ein Projekt, u. a. Ähnlichkeiten von Texten mithilfe von Word-Embeddings berechnen. Oder die Stimmung eines Textes erkennen und passende Emojis dazu vorschlagen. Oder ein Empfehlungssystem für Filme basierend auf Wikipedia-Links erstellen. Schön auch: Die Visualisierungsanwendung, das ergibt z. B. eine Weltkarte zum Kaffeekonsum mit verschieden satten Farben je nach Menge.

Der Aufbau der Kapitel unterstützt den Überblick: Problem – Lösung – Diskussion. So erschließt sich schnell der Anwendungskontext und man verliert sich nicht so leicht (nur) in Programmierdetails. Im Abschnitt Diskussion werden u. a. Fallstricke bei der Interpretation von statistischen Daten offenbart: Ist der Kaffeekonsum in Zentralafrika gleich Null oder haben wir einfach nur keine Daten von dort?

Die Codebeispiele sind in Python geschrieben und auf GitHub als Python-Notebooks frei verfügbar. Als Tools kommt neben Python die Open-Source-Biblotohek für Neuronale Netze, Keras, zum Einsatz, außerdem NumPy / SciPy / scikit-learn (Pakete bzw. Bibliotheken zum wissenschaftlichen Rechnen in Python) und Jupyter Notebook (ein Notebook für Python).

Schon das Vorwort gefällt mir: Gut strukturiert und leicht verständlich inklusive Einordnung des Themas Deep Learning in die Welt der Anwendung. Hier erfährt man ein bisschen was vom Mehrwert dieser programmiertechnischen Fachdisziplin mit ihren Neuronalen Netzen, Machine Learning & Co.

Fazit: Interessante Lektüre – und man kann hinterher ’ne Menge Sachen machen…

Themen

  • Neuronale Netze und Netzwerktypen
  • Text- / Bild- / Klangverarbeitung
  • Datenbeschaffung
  • Datenvisualisierung
  • Hund-Katze-Klassifikator
  • Ergebnisse teilen (auch mit Nutzern)
  • Fehler beheben
  • Pandas (nicht die Bären!)

Douwe Osinga (Übersetzung Marcus Fraaß und Konstantin Mack): „Deep Learning Kochbuch. Praxisrezepte für einen schnellen Einstieg“. dpunkt 2019. 34,90 EUR. ISBN 978-3-96009-097-7.

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Motive sehen, verstehen, machen, einsetzen und voraus-fühlen

Einstieg in die Bildgestaltung

CoverDas Buch richtet sich an Hobbyfotograf*innen ebenso wie an Neulinge oder Leute, die ihr Smartphone fürs Fotografieren nutzen. Es gibt anständig viele Beispielbilder mit Erläuterungen, die sich schwerpunktmäßig auf gestalterische Aspekte beziehen.

Statt stumpf Regeln aufzulisten, geht es hier explizit auch um den Kontext, in den das Bild (später) gesetzt wird. Dieser konkrete Einsatzzweck kann aus einem „objektiv schlechten“ Bild ein passendes machen oder ein „perfektes“ Foto als wahrlich ungeeignet erscheinen lassen.

Der Autor und Fotograf ist offensichtlich erfahren – und das nicht nur technisch, sondern auch lebenserfahren. Das zeigt sich deutlich am Beispiel der Perspektive der Bild-betrachtenden Menschen, die sich ein Foto ansehen. Sie sehen nicht alle dasselbe. Sie bringen ihre Erwartungen, Erfahrungen, Gefühle, Wahrnehmungen und Sehgewohnheiten mit. Genauso klug wie diese Sicht ist der Rat des Autors, dass man sich genug Zeit zum Üben zugestehen sollte. Also wirklich. Zum Verinnerlichen der Kameratechnik zum Beispiel. Oder genauso auch zum Schärfen des Blicks. Und dass man beim Üben fokussiert vorgeht. Sich auf einen Aspekt (in Zahlen: 1) konzentrieren.

Und noch so ein guter Tipp: Schlechte Bilder konsequent löschen, spätestens am Rechner. Warum? Speicher sparen? Nö. Weil man sich ungern durch fette Fotoordner klickt, in denen (auch) schlechte Bilder sind. Durch Ordner mit gelungenen Fotos dagegen wühlt man sich doch ganz gern. Weitere Tipps… findet Ihr im Buch.

Fast schon weise nimmt der Profi typische Gestaltungstipps unter die Lupe und entmystifiziert sie:

  • Motiv nie in der Bildmitte!
  • Gestaltungsregeln unbedingt einhalten! Unbedingt brechen!
  • Immer! Goldener Schnitt!
  • Drittelregel einhalten und immer tolle Fotos bekommen!
  • ….

Das Glossar am Ende enthält Verweise auf die Kapitel, in dem der Begriff vorkommt. Danke dafür, auch hier hat jemand mitgedacht. Ganz zum Schluss gibt es noch eine praktische Umrechnungstabelle für Brennweiten (Vollformatobjektive, APS-C-Objektive, FT/MFT-Objektive).

Okay, hier noch mein Lieblingstipp jenseits der üblichen Faustformeln, weil ich ihn zwar schon oft hörte, aber erst hier anhand eines anschaulichen Beispiels so richtig treffend umgesetzt gesehen habe: Eine Gesamtsituation in mehrere Motive aufteilen. So kann man beispielsweise einen Sonnenuntergang in Ausschnitten statt als einzelnes großes Bild fotografieren: Wellen, Seevögel, Strand, die Sonne mit Wolken und Gischt, Wellen, Personen am Strand, …

Fazit: Ungewöhnlicher und kluger Ansatz, nützliche Tipps kurz und exzellent aufbereitet

Themen

  • Motiv wählen
  • Licht und Farbe nutzen
  • Objektive einsetzen
  • Motive grafisch gestalten
  • Fotos aufräumen
  • Bildelemente platzieren
  • Blick führen
  • Schärfe, Bewegung, Fokus und Langzeitbelichtung

Georg Banek : „Einstieg in die Bildgestaltung. 50 Tipps für bessere Bilder“. dpunkt 2019. 19,95 EUR. ISBN 978-3-86490-659-6.

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Vom Anderssein, vom Umgewöhnen und Erfahrungen sammeln: Annie listet alles auf

Mein Leben in Listen

CoverAnnie ist in der 4. Klasse, lebt in Brooklyn und hat ein ganz spezielles Gedächtnis – sie merkt sich Sachen, die sich Leute sonst selten merken. Außerdem macht Annie Listen. Über ihr Leben, darüber, was so passiert und wer was gesagt hat. Und warum. Erstens, zweitens, drittens,… Und da niemand so recht was mit dieser Beschäftigung von Annie anfangen kann, sagt sie eben „Briefmarken sammeln“, wenn sie jemand nach ihrem Hobby fragt. (Auch wenn sie überhaupt nur drei Briefmarken oder so besitzt.)

Damit gerät sie dann auch in Schwierigkeiten. Jedenfalls sieht es für sie eine Weile so aus, als ob sie alles falsch gemacht hat. Die Familie muss aus Brooklyn auf’s Land ziehen. Und Annie muss sich ganz schon umgewöhnen. Nicht nur, weil ihr Bruder Theo total sauer über den Umzug ist, sondern auch, weil sie ihre beste Freundin Mellie verlassen muss. Wie soll das Leben da nur weitergehen können…?!?

Das Buch beginnt mit der Vorgeschichte, bis es soweit ist, dass die Familie umziehen muss. Danach gibt es für jeden Monat, den Annie auf dem Land lebt, ein eigenes Kapitel.

Wie sich das Buch so liest… etwa so wie die Beschreibung des Verlags:

„6 Dinge, die ihr über Annie wissen solltet:

  1. Annie liebt Listen. So kann sie ihre Gedanken ordnen.
  2. Sie hat ein unglaubliches Gedächtnis- aber das bringt sie auch ziemlich oft in Schwierigkeiten.
  3. Annie wäre gerne weniger schüchtern.
  4. Ihr Bruder ist sauer auf sie, weil er denkt, dass die Familie wegen Annie umziehen musste – in einen Vorort mit 8432 Einwohnern.
  5.  Ihre beste Freundin wohnt noch immer in Brooklyn. Aber sie sind sich fast ganz sicher, dass sie trotzdem für immer beste Freundinnen sein werden.
  6. An Annies neuer Schule gibt es auch ein paar nette Kinder, manche mehr, manche weniger.“

Das Ganze liest sich insgesamt nett, nur manchmal haben mich die ganzen Listen etwas genervt. Zwischendurch gibt es immer auch mal ein paar Absätze ohne Auflistung. Wo eine Zahl davor stand und wo nicht, das war leider nicht so sehr durchstrukturiert (mein armes Mathematikerinnenherz hat die Logik gesucht und nicht gefunden).

Fazit: Liebenswert

Kristin Mahoney: „Mein Leben in Listen. Annies Geschichte – in Listen erzählt“. Egmont Schneiderbuch 2019. 14,- EUR (D) / 14,40 EUR (A). ISBN 978-3-505-14257-4.

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Evolution der Wahrnehmung, Fehler und Irrtümer

Wahre Lügen

CoverOb Gesundheit, Politik oder Fake-News : Warum glauben wir nur, was wir glauben wollen?

Dass wir irrational denken und handeln, hat vor allem mit Wahrnehmung zu tun. Der Autor hat Physik und Philosophie studiert und kennt sich mit Hirnforschung und darum auch mit unserer Wahrnehmung aus. So stellt er auch die Frage nach der Wahrheit. Und findet Antworten.

Ein Konzept wie „Wahrheit“ ist evolutionär verzichtbar, da es zum Überleben einer Art wenig beiträgt. Trotzdem kann man lernen, etwas (mehr) zu erkennen, wenn man über Erkenntnisfallen Bescheid weiß.

Das Buch überträgt Forschungsergebnisse auf den Alltag. Es räumt dabei auf mit vorschnellen Schlüssen und argumentiert gegen schlichten Eigennutz. Unter anderem, weil das aus Sicht der Evolution keine gute Strategie ist. Erstaunlich gut erklärt: Das Thema bedingte Wahrscheinlichkeiten (Bayes lässt grüßen).

Außerdem: Es gibt viele – oft etwas skurrile – Fotos, die meisten davon… naja… eher schmückendes Beiwerk als Beitrag zum Verständnis. Sei’s drum.

Der Autor lehrte Psychologie in Münster und untersuchte am Max-Planck-Institut für neurologische Forschung in Köln Wahrnehmungstäuschungen und ihren Einfluss auf menschliches Handeln. Er Autor hat einen ganz eigenen unterhaltsamen Stil: Wortspiele, Anekdoten, Wortwitz. Beispiel gefällig?

„Noch nicht mal ans Erfinden selber war damals schon zu denken gewesen, denn auch was Denken anging: Fehlanzeige. Parpadoxerweise fehlten sogar Fehlanzeigen.“

Oder:

„Man sagt, dass die Kombination von individueller Wahrnehmung, Wissenschat und kooperierenden Experten das schlechteste Mittel der Erkenntnis ist – abgesehen von allen andern, die wir ausprobiert haben.“

Oder:

„Ein Schwein jedenfalls ist ein schlechter Ausgangspunkt, wenn man einen Vogel bauen will.“

Fazit: Unterhaltung mit Potenzial zur Selbsterkenntnis

Themen

  • Wahrnehmung
  • Wahrscheinlichkeit
  • Wahrnehmen für Profis
  • Kein Thema: Wahrheit

Kai Schreiber: „Wahre Lügen. Warum wir nicht glauben, was wir sehen“. Rowohlt 2019. 22,- EUR. ISBN 978-3-7371-0055-7.

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Meditation radikal anders?

Die innere Ruhe kann mich mal

CoverDer ein oder anderen gestressten Großstädterin ist bestimmt schon mal der Gedanke gekommen, man müsse jetzt mal dringend die eigene innere Ruhe finden, am besten in einem Kloster in Tibet. Aber nein, der eigene Zeitplan erlaubt das leider nicht, aber Meditation solle da ja helfen, hört man. Also flugs einen VHS-Kurs gebucht und diesen irgendwie zwischen Arbeit, Einkaufen und Kinderbetreuung gequetscht. Aber irgendwie
will sich die innere Ruhe nicht wirklich einstellen, oh weh.

Dieses Szenario hatte ich ein Stück weit im Kopf, als mich der Titel dieses Buches angesprungen hat, verspricht es doch einen Ausweg aus der Misere.

Worum geht es? Der Autor spricht aus seiner langjährigen Erfahrung als Meditationslehrer und versucht, Entspannung in die Thematik zu bringen. Er erklärt der Leserin, dass es beim Meditieren eben nicht darum geht, einer bestimmten Methode zu folgen oder sich auf eine bestimmte Art hinzusetzen. Das erzeuge kontraproduktiven Druck, den man ja eigentlich gar nicht haben will.

Man könnte das ganze Buch zusammen fassen mit den Worten „Lassen Sie sich in Frieden“.

Das Buch liest sich sehr flüssig, der Autor streut immer wieder interessante Anekdoten aus seiner Lehrtätigkeit ein. Allerdings kam für mich gefühlt nach der Einleitung (!) nichts wirklich neues mehr.

Fazit: Kurzweilig, mehr aber auch nicht

Themen

  • Hören Sie auf zu meditieren
  • Hören Sie auf, ruhig zu werden
  • Hören Sie auf, ein Bewusstsein zu entwickeln
  • Hören Sie auf, perfekt sein zu wollen

Fabrice Midal: „Die innere Ruhe KANN MICH MAL. Meditation radikal anders“. dtv 2018. 14,90 EUR (D) / 15,40 EUR (A). ISBN 978-3-423-26184-5.

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Poetische Kost

Mein Kochbuch für die Seele

CoverEine Prise Humor und ein Teelöffel voll Vergnügen, das sind die wichtigsten Zutaten, die die Autorin serviert. Dazu ein Glas Wagemut und ein Becher Hoffnung. In dem kleinen Band stecken Lebensglücksrezepte, die die Seele erfreuen. Eine Einladung zum Leben und Glücklichsein.

Verschiedene Autorinnen und Autoren liefern ihre besten Rezepte für ein genüssliches Leben. Dazu kommen ungewöhnliche Bilder, die auch zum Schmunzeln einladen. Für einen ersten Eindruck hier ein Zitat:

Der Tisch ist gedeckt
Keinen Blick auf die Uhr werfen
Keine Vorbereitungen treffen
Nicht irgendwo hineilen
Nicht irgendwo herkommen
Keinen Anruf auf dem AB vorfinden
Nichts vergessen haben
Einen leeren Schreibtisch hinterlassen
Nicht an morgen denken
Nicht diskutieren
Nicht reflektieren
Der Tisch ist gedeckt
Für Wesentliches
Thomas Knodel

Fazit: Einfach mal schön

Claudia Peters und Dorothea Siegert-Binder: „Mein Kochbuch für die Seele. Mit vielen Lebensglücksrezepten“. Verlag am Eschbach 2019. 15,- EUR. ISBN 978-3-86917-688-8.

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(Mehr) Lagerfeuergeschichten über beeindruckende Frauen

Good Night Stories for Rebel Girls 2

Cover Neue Geschichten, noch mehr beeindruckende Frauen, die die Welt veränderten: Nachdem der erste Teil gut ankam, gibt es nun nochmal 100 Geschichten. Kurzbiografien von Frauen wie Nofretete oder Beyoncé, Clara Schumann oder J. K. Rowling sind hier wieder gesammelt zu finden. Frauen, die etwas tun. Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Das Buch will Mädchen Mut machen: Ziele setzen und Träume verwirklichen, das kannst auch Du!

In der Einleitung beschreiben die Autorinnen sehr schön, wie man die Geschichten quasi um ein weltweites Lagerfeuer lesen kann. Denn überall auf der Welt ist der erste Band erfolgreich – und so lesen überall Menschen von denselben Erfolgsgeschichten der Frauen. So sind übrigens auch viele neue Geschichten für den zweiten Teil entstanden: Es haben sich Leute gemeldet, um eine Geschichte beizutragen, weil sie sich vom ersten Teil inspiriert fühlten. Super. Die Bilder, die je ein Porträt der vorgestellten Frau zeigen, sind von 60 Künstlerinnen aus aller Welt angefertigt.

Das Schöne am zweiten Band: Hier finden sich (für mich) noch tollere Kurzbios. Warum? Weil hier noch mehr Frauen vorgestellt werden, die ich noch nicht kannte. Heldinnen, Vorbilder. Beeindruckend, von ganz Jungen bis zu weisen alten Frauen, klug oder rebellisch. Von zeitgenössischen Heldinnen bis zu jenen, die vor langer, langer Zeit lebten. Hier, in der westlichen Welt oder weit, weit weg.

Fazit: Für Töchter, Nichten, Enkelinnen. Auch für Jungs. Für Patenkinder. Und für Erwachsene!

Einige vorgestellte Frauen…. bzw. ihre Berufe

  • Neuropsychologin
  • Chemikerin
  • Wildhüterin(nen)
  • Schriftstellerin
  • Astrophysikerin
  • Geschäftsfrau

Elena Favilli und Francesca Cavallo: „Good Night Stories for Rebel Girls 2“. Hanser 2018. 24,- EUR. ISBN 978-3-446-26106-8.

Postkartenset

Postkartenedition

Im Set sind Postkarten für „Rebel Girls“ zusammengestellt: 50 Porträts zum Verschicken und Verschenken. Auf der Rückseite ist dann kurz beschrieben, wer die Frau auf der Vorderseite ist und was sie so besonders macht. Ein kurzer Einblick in die Leistungen, Errungenschaften und Charaktere von Frauen, die die Welt auf ihre Weise verändert haben.

Die Geschenkbox ist hübsch, aus einem handschmeichlerischen Karton sehr stabil gefertigt und dazu noch praktisch für die mittel- bis langfriste Aufbewahrung der Karten, die man noch nicht verschickt oder verschenkt hat. Trennkarten mit Zitaten der Frauen unterteilen den dicken Postkartenpacken in Kategorien: Siegerinnen, Künstlerinnen, Anführerinnen, Pionierinnen und Kämpferinnen. Vielleicht lässt die eine oder andere Karte ja Flügel wachsen…

Wer ist dabei?

  • Königin Elisabeth I.
  • First Lady Michelle Obama
  • Malerin Frida Kahlo
  • Opernsängerin Maria Callas
  • Läuferin Wilma Rudolph
  • Tennisspielerin Serena Williams
  • Naturforscherin Maria Sibylla Merian
  • Primatenforscherin Jane Goodall
  • … und noch viele mehr

Fazit: Schönes Geschenk, gutes Preisleistungsverhältnis.

Elena Favilli und Francesca Cavallo: „Good Night Stories for Rebel Girls – 50 Postkarten“. Hanser 2019. 16,- EUR. ISBN 978-3-446-26233-1.

Der erste Teil

Die Rezension zum ersten Teil findet Ihr selbstverständlich in der zeitung: „Rebellinnen und Pionierinnen am Lagerfeuer

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Kleiner japanischer Bruder einer großen Schwester

Rainbirds

CoverRen Ishido hat gerade seinen Abschluss an der Uni in Tokio gemacht, als er vom plötzlichen Tod seiner älteren Schwester hört. Keiko wurde in einer regnerischen Nacht auf dem Weg nach Hause erstochen, und die Umstände der Tat sind rätselhaft. Ren reist nach Akakawa, um die Sachen seiner Schwester zu ordnen. Mit Keiko, die vor Jahren von einem Tag auf den anderen der Heimatstadt Tokio und der ganzen Familie den Rücken kehrte, verband ihn in der Kindheit eine enge Beziehung. Inzwischen erscheint ihm das Leben seiner Schwester so mysteriös wie ihr unerklärlicher Tod. Interessant sind die Einblicke ins japanische Leben in einer Stadt, die nicht so groß und bekannt ist wie Tokio.

Das Buch beschreibt viel von Rens Alltag in einer sogenannten „Paukschule„, in der er für einige Monate in Akakawa unterrichtet. Parallel erlebt die Leserin seine Spurensuche mit. Danach, wer seine Schwester eigentlich war.  Und was es mit ihrem Tod auf sich hatte. So tritt er buchstäblich in die Spuren seiner Schwester, indem er denselben Job übernimmt. Dort wohnt, wo sie wohnte. Im Regen die Stelle ihres Todes aufsucht. Und so weiter. Das Buch ist aus meiner Sicht weniger Krimi, sondern ein Ausschnitt aus dem Leben. Zu einem Zeitpunkt, wo das Leben für die Hauptfigur erst so richtig beginnt.

Clarissa Goenawan lebt mit ihrer Familie in Singapur. Die indonesische Autorin liebt Regentage, gute Bücher und heißen grünen Tee.

Fazit: Liest sich gut weg

Clarissa Goenawan: „Rainbirds“. Thiele Verlag 2019. 20,- EUR. ISBN 978-3-85179-423-6.

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Kreative Müllverwertung

Müll 2.0

CoverWer nicht hinnehmen möchte, dass tonnenweise Plastik im Meer schwimmt, kann z. B. versuchen, Müll zu vermeiden. Der BUND hat einen schönen Ratgeber herausgegeben, wo Kosmetika überall Mikroplastik drin ist. Die Liste ist erschreckend lang!

Doch manchmal geht das Müllvermeiden nicht so einfach, z. B. aufgrund fehlender Alternativen und ja auch oft aufgrund der eigenen Trägheit.

Hier setzt das Buch „Müll 2.0“ an, indem es der Leserin 70 sehr unterschiedliche Projekte aus Recyclingmaterialien vorstellt, die zumindest bei mir Lust am Basteln geweckt haben. Als Materialien kommen Palettenholz, Wellpappe, Plastikflaschen, Milchkartons, Zeitschriften, Konservendosen und vieles mehr zum Einsatz, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf den beiden ersten liegt.

Die Projekte sind unterteilt in Projekte für Einsteigerinnen, Bastlerinnen, Könner und Profis. Sie schwanken zwischen dekorativ, spielerisch bis nützlich. Die weiter fortgeschrittenen Projekte sind dabei echte Hingucker. Schon mal ein ganzes Büro inkl. Besprechungszimmer komplett aus Wellpappe gebaut? Oder eine mondförmige Wiege aus Palettenholz? Jedes Projekt ist liebevoll aufbereitet und kommt mit vielen Fotos daher. Lediglich die Beschreibung lässt meiner Meinung nach häufig zu wünschen übrig. Ich habe öfter das Gefühl, irgendetwas nicht mitzubekommen – „von welcher Querlatte sprechen die da die ganze Zeit?“

Eine Sache, die ich noch schade fand: Eingangs wird geschrieben, man soll möglichst ökologische Farben und Lasuren verwenden. Was das genau bedeutet, woran ich das erkenne und wo ich vielleicht weitere Informationen dazu bekomme, bleibt leider unbeantwortet. Da ist noch etwas Luft nach oben.

Fazit: Tolle Ideen, macht Lust auf mehr

Themen

  • Pflanzkästen aus Plastikflaschen
  • Tannenbaum aus Wellpappe
  • (Kinder-)Schlagzeug aus Blechdosen
  • Insektenhotel aus Palettenholz
  • Sessel aus Wellpappe
  • Designer-Kleiderbügel aus Kartonhülse

Isabelle Bruno und Christine Baillet: „Müll 2.0. 70 kreative Projekte aus Recyclingmaterial“. Haupt 2017. 24,90 EUR (D) / 25,60 EUR (A) / 31,- CHF (CH). ISBN 978-3-258-60178-6.

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Schon mal eine Geruchskarte erstellt?

Maps!

CoverDies ist zweifellos eines der merkwürdigsten Bücher, das ich bisher in den Händen gehalten habe. Was habe ich erwartet? Ein Buch, das mich in die Geheimnisse der Kartenerstellung einweiht. Also mir erklärt, welche Kartenelemente es gibt, wie ich diese zeichne und wie ich eine plausible Karte erzeuge.

Das Buch führt zu Beginn in verschiedene Kartenelemente ein und erläutert Schritt für Schritt, wie eine einfache Windrose erstellt wird. Leider gibt es außer der Windrose kaum weitere solcher Anleitungen.
Zu jedem Thema gibt es mehrere Übungsaufgaben. Die Aufgaben habe ich alle durch die Bank weg als überflüssig empfunden, insbesondere die Übungen bei den Schriften fand ich sehr frustrierend. Gemeinerweise sind in den Aufgabenteilen aber durchaus wichtige Informationen versteckt, die ich mir außerhalb der Aufgaben im Kapitel selbst gewünscht hätte.

Apropos überflüssig: Verteilt im Buch werden unterschiedliche Kartenkünsterlinnen und -künstler in Kurzinterviews vorgestellt. Den Platz hätte man meiner Meinung nach besser nutzen können für mehr Anleitungen und bessere Beschreibungen. Ebenfalls überflüssig aus meiner Sicht: Die fast 20 Seiten performierte Vorlagen im hinteren Teil des Buches. Für Karopapier brauche ich keine Vorlage (kein Scherz).

Es werden zudem viele unterschiedliche (Kartografier-)Projekte vorgestellt. Die meisten davon fand ich auf den ersten Blick recht merkwürdig, z. B. eine Valentinskarte, in der das eigene Herz kartografiert wird. Und mit Herz ist in diesem Fall das menschliche Organ gemeint. Oder eine Geruchskarte, in der auf einem Stadtplan die unterschiedlichsten Gerüche in ihrer jeweiligen Intensität abgebildet werden.

Auf den zweiten Blick konnte ich dem ein oder anderen Projekt aber doch noch etwas abgewinnen, da die Autorin ihr Handwerk (Karten zeichnen…. nicht Bücher schreiben) sehr gut beherrscht.

Fazit: Viel Überflüssiges, etwas wirr, aber sehr liebevoll aufbereitet

Themen

  • Eine kurze Geschichte der Kartografie
  • Grundelemente einer Karte
  • Kartentypen
  • Stadt-, Netz- und Ortspläne
  • Ideenkarten
  • Projekte

 

Helen Cann: „Maps! Pläne, Karten, Skizzen gestalten und von Hand zeichnen“. Haupt 2017. 24,90 EUR (D) / 25,60 EUR (A) / 31,- CHF (CH). ISBN 978-3-258-60174-8.

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Wunderlich weiblich?

Wunderbar weiblich

CoverSchade… Dr. Libby erzählt, wie sie sich vorstellt, dass alle Frauen sich rundherum vital, gesund und schön fühlen, auf die Weisheit ihres Körpers vertrauen und ihre emotionale Balance finden. Zu den Themen Ernährung sowie ganzheitliche Gesundheit von Körper und Seele erläutert sie sehr knapp einige biologische Abläufe und den Hintergrund hinter körperlichen Symptomen. Dabei kommt sie immer wieder zum selben Schluss: Vernünftig ernähren, genug bewegen und sozial und seelisch für Ausgeglichenheit sorgen. Oder kurz: Gesund leben statt Diät plus Workout.

Was daran ist jetzt schade? Dass ich nach ca. der Hälfte keine Lust mehr hatte, weiter zu lesen. Denn für meinen Geschmack wiederholte sich viel zu viel und die Fakten kamen dabei doch immer wieder recht kurz. Andererseits: Dr. Libby ist ja nicht dumm, sie hat durchaus einen fachlich fundierten Hintergrund und viel Erfahrung. Die Australierin ist Ernährungswissenschaftlerin und promovierte Biochemikerin.

Was mich wirklich geärgert hat: An einer Stelle gibt sie einen Tipp, was man als gesunden Snack selbst zubereiten kann (so eine Art Energiebällchen), verweist auf eine andere Seite im Buch und dort…. steht, dass man ein anderes Buch von ihr kaufen kann, wo dieses Rezept zu finden ist. Pfui! Schlechter Stil. Das Rezept gehört hier ins Buch und dann kann man ja noch auf das andere Buch mit weiteren Rezepten verweisen. So gehört sich das. Außerdem macht sie noch Werbung für ihre Nahrungsergänzungmittel (zumindest ist das bei mir als Werbung angekommen). Nö.

Dann wieder gibt es Stellen im Buch, die wirklich nett sind, z. B. die zugrunde liegende Aussage, dass man auf Basis von Respekt sich selbst gegenüber und Wertschätzung für sich leben sollte. Na klar!

Fazit: Schade, ich weiß wirklich nicht, was ich von Dr. Libby halten soll

Themen

  • Essen: Qualität, Evolution, Natur
  • Ersatzbefriedigung Essen?
  • Wasser, Koffein, Alkohol
  • Nieren, Leber, Verdauung
  • Stimmung, Stress und Nerven
  • Zyklus, Hormone, Menopause
  • Bewegung, Meditation und Atmen
  • Interpretation, Dankbarkeit, Neues ausprobieren
  • Umwelt und Umfeld

Libby Weaver und Imke Brodersen: „Wunderbar weiblich. Gesundheit, Ernährung, Entspannung. Was jede Frau wirklich wissen sollte“. TRIAS (Thieme) 2017. 19,99 EUR (D) / 20,60x EUR (A). ISBN 978-3-43210518-5.

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Scrum aus vielen Perspektiven, vor allem aus der menschlichen

The People’s Scrum

Cover Das Buch vermittelt Scrum als Weltanschauung. Klingt verkopft, ist es aber nicht. Vorab: Ich möchte das Buch unbedingt empfehlen, es gefällt mir wirklich gut!

Als Zielgruppe sollten sich agile Projektleiter, IT-Managerinnen, Entwicklungsleiter, Produktmanagerinnen und agile Softwareentwickler angesprochen fühlen. Man sollte sich vorher mit dem Framework, den Prinzipien und mit dem Einsatz von Scrum als Werkzeug oder Methode beschäftigt haben.

Scrum wird hier aus der Perspektive des erfahrenen Anwenders betrachtet, der eine pragmatische Agilität in den Mittelpunkt stellt, die tatsächlich zum Ziel führt. Ein stures Vorgehen-nach-Vorgabe ist hier ausdrücklich nicht gemeint.

Die Leserin findet in 39 Essays Denkanstöße, Ideen und praktische Hinweise. Dazu stehen drei zentrale Themen im Fokus: Menschen, Prozesse und Kultur. Es geht gleichermaßen um das Individuum, um Selbstorganisation, technische Schulden und Aufwandsschätzung, um Firmenpolitik und die Agilität großer Organisationen.

Die Essays wurzeln im Pragmatismus oder Idealismus, gründen auf Erfahrung oder entspringen abstraktem Denken. Die Autorengruppe der übersetzten Version nimmt mittels persönlichen Erfahrungsberichten und Anekdoten immer wieder selbst eine kritische Sichtweise ein. Dadurch wird auch die Leserin ermutigt, Handlungsweisen und Entwicklungspraktiken im Projektmanagement, in Arbeitsprozessen sowie in der Firmenpolitik kritisch zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. (Leser natürlich auch.)

Mir gefällt das Buch wirklich gut (auch wenn ich das schon oben verraten habe), die einzelnen Abschnitte sind kurz und man kann immer wieder zwischendurch mal wieder einen, zwei oder fünf davon „verschlingen“.

Das Autorenteam

Tobias Mayer ist langjähriger Bürger der agilen Welt, ein Schriftsteller, Mentor, Lehrer und Vortragender. Er hat sich der Befreiung der Arbeitswelt verschrieben und darüber denkt er oft nach, und er bietet Workshops zu Graswurzelinitiativen an. Tobias schaut auf eine abwechslungsreiche Vergangenheit zurück, inklusive vieler Jahre als Softwareentwickler und Tester.

Olaf Lewitz hat sich vom Programmierer zum Chef zum Berater zum Coach entwickelt. Er hilft Führungskräften, für sich selbst das zu entdecken und zu erleben, was sie für andere schaffen möchten. In dieser Arbeit mit sich wandelnden menschlichen Systemen integriert er seine Leidenschaften: Freiheit, geteilte Macht und Respekt für Menschen.

Urs Reupke ist Berater, Trainer und Coach für Agilität. In fast 15 Jahren Erfahrung mit Agilität hat er gelernt, dass Miteinander, Prozess und Technik zusammenspielen gehen müssen, damit das Ergebnis stimmt. Heute gibt er diese Erfahrung weiter und hilft, elegante Lösungen für strukturelle Probleme in Unternehmen jeder Größe zu finden.

Sandra Reupke-Sieroux ist seit 2010 agile Beraterin. Ende der 90er wurde sie während ihres Mathematikstudiums mit dem agilen Virus infiziert. Seither hat sie begeistert in zahlreichen kleinen und großen Projekten agile Entwicklungswerte gelebt und weitergetragen. Heute liegt ihr Hauptaugenmerk auf agiler Organisationsentwicklung.

Fazit: Auf jeden Fall! Dringende Empfehlung!

Themen

Teil I Menschen

  • Furchtlose Forscher
  • Das Herz von Scrum
  • Selbstorganisation und Anarchie
  • Schocktherapie … oder Mitgefühl?
  • Softwarekünstler
  • Verteilte Teams sind keine Teams
  • Mit großer Macht …
  • Team-Charta
  • Weniger tun, mehr entdecken
  • Test(osteron)-infizierte Entwickler
  • Technische Schulden abzahlen
  • Agile Entdecker
  • Aufrichtige Empfindsamkeit ist der neue Hardcore

 

Teil II Prozess

  • Ein steiniger Pfad
  • Scrums Platz in der Welt
  • Addition und Subtraktion in Scrum
  • Aufwandsschätzung
  • Scrum-Rollen: Eine Abstraktion
  • Die Rollen im agnostischen Scrum: 1. Was-Stimme / 2. Wie-Sicht / 3. Joker (auch: Narr) / 4. Publikum
  • Scrum tut gar nichts
  • Meetings? Haben wir nicht
  • Timeboxing != Verbindlichkeit
  • Scrum-Prinzipien: 1. Fokus / 2. Gemeinsame Ausrichtung / 3. Kunstvolles Schaffen / 4. Selbstorganisation / 5. Rhythmus

 

Teil III: Kultur

  • Das gelobte Land
  • Organisationswandel als Katastrophe
  • Agile Anarchie
  • Betriebliche Unterdrückung
  • Wie ein Kreisverkehr
  • Die Klinge des Wandels ist schlank und scharf
  • Erste Eigenschaft: Ehrlichkeit / Zweite Eigenschaft: Aufgeschlossenheit / Dritte Eigenschaft: Bereitwilligkeit
  • Teamkultur und Projektkultur
  • Stellt keine Teams zusammen
  • Scrum skalieren: Aus Sicht des Alkoholikers
  • Suche nach Konsent
  • Mitgefühl für Manager

 

… und darüberhinaus

  • Scrum: Ein einfaches Framework zum Lösen komplexer Probleme (Rollen, Artefakte, Dialoge)
  • Der Wasserfall
  • Wie man einen agilen Berater findet

 

Tobias Mayer, Olaf Lewitz, Urs Reupke und Sandra Reupke-Sieroux: „The People’s Scrum. Revolutionäre Ideen für den agilen Wandel“. dpunkt 2017. 19,95 EUR. ISBN 978-3-86490-533-9.

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Wirklichkeit abbilden statt Wunschfotos jagen

Freude am Sehen

CoverFotografieren hat oft viel mit Vorbereitung, Technik und Planung zu tun. Wo ist die beste Location, wie ist das Licht zu welcher Tages- oder Jahreszeit am besten? Welche Objektive müssen mit?

Kontemplative Fotografie ist ganz anders. Alltagskunst, Aufmerksamkeit und stille Zufriedenheit, wenn man beginnt, in vertrauter Umgebung und während gewohnter Abläufe die Welt wirklich zu sehen. Es geht nicht darum, ein vordefiniertes Motiv zu jagen und optimal einzufangen.

Kontemplatives Sehen macht nicht entspannt im Sinne von weltabgewandt, sondern es macht sehr wach. Es lässt die Fotografin, den Fotografen im Moment ankommen. Wie erreichbar sind wir für die Welt, so wie diese sich darstellt – nicht wie sie sein soll? Die entstandenen Bilder werden nicht bearbeitet im Sinne einer Verfeinerung oder Raffiniertheit. Die Referenz ist immer, was zu sehen ist. So können neue Sehgewohnheit entstehen. Damit bekommt auch die eigene Fotografie neue Impulse. Die Grundlage ist Ruhe.

Hohe Schule!

Neulinge können diese Art der Fotografie meist besonders einfach erlernen. Oft sind sie darin besser als Profis (denen ihr Wissen im Weg steht).

Autorin

Hiltrud Enders ist Architektin und „fotografiert schon immer“. Sie unterrichtet als Trainerin im kontemplativen Fotografieren: www.miksang-fotografie.de. 2006 lernte sie die kontemplative Fotografie kennen. Sie war sofort Feuer und Flamme für diese Spielerei mit der Wahrnehmung.

Fazit: Mischung aus Kontemplation und Motivsuche. Empfehlenswert.

Themen

  • Konzentration und Bewusstheit
  • Wahrnehmung vor Bewertung
  • Unperfekt und ungeplant
  • Spielen und Beobachten
  • Aufnahmefähigkeit
  • Klarheit
  • Langeweile und Muße
  • Löschen oder bewahren?

Hiltrud Enders: „Freude am Sehen. Kontemplative Fotografie“. dpunkt 2018. 29,90 EUR. ISBN 978-3-86490-559-9.

Mehr über die kontemplative Fotografie beim Miksang Institute for Contemplative Photography:
www.miksang.com

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Wechsel? Her damit!

Aus dem Buch „Feuerzeichenfrau“ von Julia Onken habe ich zwei Zitate ausgesucht, dir mir ganz gut gefallen. Das erste für die, die Spaß suchen …

Inserat

„Gibt es auf dieser gottverdammten Welt keine Männerseele (mit Leib), mit der ich Spaß haben könnte? Ich, Weib, vollbusig und -hüftig, im kostbaren Alter von neunundfünfzig Jahren, suche ein Schätzchen! Bin eine (zugegeben unbequeme) Mischung zwischen sanftzartem Eichhörnchen und treffsicherer, intellektueller Amazone. Jüngere Partner sehr angenehm. Wandern, Singen, Schwimmen und der übliche Unsinn Nebensache. Heirat absolut ausgeschlossen. Wer wagt es, Rittersmann oder Hecht?“ (Kennwort: Gottfried Keller)

 

… und das zweite für die Unabhängigkeit …

Gedicht

„Nie wieder spiel‘ ich artig zugteilte Rollen
lass‘ mir soufflieren, was ich spreche, fühle, was ich sing‘,
nie wieder lass‘ ich mir hofieren, mich herumchauffieren,
lass‘ nicht mehr andere bestimmen, wer ich bin.

Nie wieder kette ich mein Lachen und mein Denken
an die Gewichte andrer Menschen an,
lass‘ mein Geschick nie mehr durch Fremde lenken,
vergess‘ dabei, daß ich es selber kann.

Ich bin kein hilflos ängstlich‘ Wesen,
das muskelstarken Schutz des Mannes braucht,
ich bin der Sturm, der endlich wagt zu beben,
ich bin das Feuer, welches lodert, zischt und raucht.

Breit‘ meine Schwingen in den Morgen
und fliege weit hinaus in diese Welt,
lass‘ mir nie wieder fremde Flügel borgen,
und pfreif‘ auf alle, denen’s nicht gefällt.

Will ungehindert sprießen wie die Bäume,
hinauf bis in den Himmel, in das Licht,
hinunter in den Schoß der Wurzelräume,
und all dies fassen in mein Ich.

Weit ausgespannt zwischen den Wolken und der Erden,
will ich mich weiten, wachsen, werden!“

Das Buch trägt den Untertitel „Ein Bericht über die Wechseljahre“ und ist aus dem Jahr 2006.

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Schafherden und Vektorräume

Maschinelles Lernen

CoverMaschinelles Lernen verbindet Informatik, Mathematik und ein fachliches Anwendungsgebiet miteinander. Das Buch berücksichtigt alle drei Teilgebiete: Verwendung von Algorithmen des maschinellen Lernens inklusive theoretischem Hintergrund, um zu verstehen, wie und warum diese Algorithmen funktionieren. Verwendung von Python 3 und seinem Ökosystem im Umfeld des maschinellen Lernens in Form eines „Kickstarts“. Praktische Umsetzung der Algorithmen mittels NumPy und SciPy. Schließlich werden verschiedene Methoden des überwachten, unüberwachten und bestärkenden Lernens besprochen, u. a. Random Forest, DBSCAN und Q-Learning.

Wer Kenntnisse in objektorientierter Programmierung und Basiswissen der Hochschulmathematik hat, kann mit dem Buch ins Thema einsteigen. Wobei die nötige Mathematik eingebettet im Buch präsentiert wird. Die Theorie sieht man dort direkt in Python-Code umgesetzt. Support Vector Machines und Deep Learning lernt man auf Basis von scikit-learn bzw. Keras. Das Buch richtet sich an Studis der Informatik, Mechatronik, Elektrotechnik und der angewandten Statistik oder Data Science sowie für Ingenieur*innen und Informatiker*innen in der Praxis.

Der Quellcode steht nicht nur im Buch, sondern auch als Download zur Verfügung: www.joerg.frochte.de. Online gibt es auch die Fehlerkorrekturen zum Buch ;-)

Fazit: Erfahrener Dozent führt aus verschiedenen technischen Blickwinkeln in das Thema ein. Fundiert.

Themen

  • Lernen, was bedeutet das eigentlich?
  • Logisch denken
  • Unüberwachtes Lernen
  • Entscheiden bei Unsicherheit
  • Entscheidungsbäume
  • Markow-Entscheidungsproblem
  • Strukturierte und unstrukturierte Daten
  • Einheitskreise
  • Matplotlib
  • Bayes-Klassifikator
  • Lineare Modelle
  • Lazy Learning
  • Ein- und mehrschichtige Feedforward-Netze
  • Deep Neural Networks mit Keras
  • Feature-Reduktion und Feature-Auswahl
  • Clusterbildung
  • Fuzzyfier
  • Schafherden und Vektorräume
  • Einlagiges Perzepton und Hebbsche Lernregel

Jörg Frochte: „Maschinelles Lernen: Grundlagen und Algorithmen in Python“. Hanser 2019. 38,- EUR. ISBN 978-3-446-45996-0.

Und was soll der Artikeltitel? Schafherden und Vektorräume? Verrate ich nicht, da könnt Ihr selbst nachlesen ;-)

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Möbel aus gefundenem Holz

Einfach Holz

Cover„Aus gefundenem Holz Möbel bauen? Ich bin gespannt, wie die Autorin es hinbekommt, dass die Möbel gut aussehen und man diese gerne in der Wohnung hat!“ So dachte ich, als ich dieses Buch zum ersten Mal in den Händen gehalten habe. Um es gleich vorweg zu nehmen: Sie scheitert in meinen Augen. Die meisten Möbelstücke sprechen mich optisch überhaupt nicht an, lediglich kleinere Sachen wie das Brillenetui gefallen mir.

Also ein Fehlgriff? Auf gar keinen Fall! Auch wenn mir der Stil der Möbel nicht gefällt, bietet dieses Buch ein Haufen an Ideen, Anregungen, Unterstützung und Einführung in die Holzverarbeitung. Das Glossar am Ende ist dabei meine Perle. Hier werden nicht nur viele Begriffe erklärt, die vielen sehr guten Zeichnungen erhöhen das Verständnis ungemein. Z. B. werden die verschiedenen Eckverbindungen bildlich und textlich beschrieben, stumpfe Eckverbindung, Eckverbindung auf Gehrung, ausgefälzte Eckverbindung und Überblattung. Würde die Autorin der Zargen-Eckverbindung auch noch ein Bild gönnen, wäre es perfekt!
Die kleinen persönlichen Anekdoten vor Beginn jedes neuen Kapitels runden das Bild ab.

Zielgruppe sind Anfängerinnen und mittlere Fortgeschrittene. Die Autorin erklärt auch, wie man kostenlos (natürlich legal) an Holz kommt. Das könnte selbst für ausgebildete Tischlerinnen durchaus interessant sein. Spoiler: Paletten- und Schwemmholz sind hier die Stichwörter.

Fazit: Schöner Ideengeber und Quell von Fachwissen zur Holzverarbeitung

Themen

  • Material Holz
  • Basiswerkzeuge
  • Basistechniken
  • Regale
  • Schränke
  • Tische
  • Stühle
  • Betten
  • Spielzeug

Antje Rittermann: „Einfach Holz. Möbel und Objekte aus gefundenem Holz“. Haupt 2015. 29,90 EUR (D) / 30,80 EUR (A). ISBN 978-3-258-60129-8.

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Guter Rat … oder auch nicht?

Der beste Rat, den ich je bekam

CoverMan könnte dieses Buch zusammenfassen: „Alter weißer Mann mit Doktortitel in der Position des CEOs bekommt Tipp von anderem alten weißen Mann mit ähnlicher Karriere“.

Ich empfinde fast das ganze Buch als extrem einseitig. Aber der Reihe nach.

Worum geht’s? Der Autor lässt 120 Persönlichkeiten zu Wort kommen, die reflektieren, welches der beste Rat war, den man ihnen gegegeben hat. Jede Person wird dabei in ihrem Wirken und Schaffen kurz vorgestellt. So weit so vorhersagbar. Persönlichkeiten sind u. a. Josef Ackermann, Peter F. Drucker, Wolfgang Schäuble, Steve Jobs und Meg Whitman, aber auch viele (mir) unbekannte Menschen.

Ich habe durchgezählt: Von den 120 Personen sind gerade mal 9 Frauen dabei, das macht eine Quote von 7,5 %.

Ich habe mich dabei gefragt, ob der Autor so wenig Frauen kennt oder ob man(n) Frauen einfach zu wenig zutraut, gute Ratschläge weiterzugeben? Unabhängig von der Diversitätsfrage empfinde ich viele Ratschläge als wenig hilfreich oder einfach realitätsfern. Z. B. der Rat von Richard Branson: „Verklag die Mistkerle“ (gemeint ist British Airways). Ahja….?!

Was ich mir gewünscht hätte: Ein breiteres Spektrum an Persönlichkeiten und Erfahrungen und nicht nur männliche Menschen mit dem Fokus auf CEO-Posten. Spannend hätte ich beispielsweise den Rat einer alleinerziehenden Selbstständigen gefunden, wie sie im Buch Anders denken vorkommt. Oder wie sieht es mit Musikerinnen, Künstlern, Krankenpflegern oder Ärztinnen aus?

Fazit: Kurzweilig, hinterlässt aber kaum Spuren

Frank Arnold: „Der beste Rat, den ich je bekam. Lernen von Denkern und Machern“. Hanser 2016. 14,90 EUR (D) / 15,40 EUR (A). ISBN 978-3-446-44725-7.

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Warum die Ökonomie weiblicher wird

Anders denken

CoverIch war mir selbst nicht sicher, was mich beim Aufschlagen dieses Buches erwarten würde. Ein Kampfaufruf? Eine nüchterne Analyse? Oder ein Manifest?

Es ist von allem ein bisschen mit Schwerpunkt auf der Analyse.

Im Kern geht es darum, wie wichtig Frauen als Arbeitnehmerinnen für Industrie und Wirtschaft sind. Allerdings haben diese Erkenntnisse noch nicht zu einem flächendeckenden Umdenken in den Unternehmen, aber auch in der Politik geführt. Viele Arbeits-, Entlohnungs- und Karrieremodelle sind weiterhin auf männliche Arbeitnehmer ausgerichtet und erschweren es den Frauen unnötigerweise. Das Buch lässt dabei viele
beruflich erfolgreiche Frauen zu Wort kommen, die bereits Veränderungen in ihrem Dunstkreis angestoßen haben.

Eine besonders spannende Persönlichkeit hierbei ist Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, CEO bei Trumpf. Sie hat u. a. eine starke Flexibilisierung der Arbeitszeiten im Unternehmen durchgesetzt und so insbesondere Frauen die Möglichkeite eröffnet, trotz Kindern weiter im Unternehmen zu bleiben und sogar aufzusteigen. Nach dem Lesen habe ich gleich mal bei Trumpf auf der Webseite nachgeschaut, welche Karriereoptionen dort angeboten werden. Nicht, dass ich wechseln möchte, aber die Beschreibung klang doch sehr attraktiv :-)

Fazit: Gut geschrieben, für jemand im Thema jedoch wenig neue Erkenntnisse

Themen

  • Anders denken – die Wirtschaftswissenschaft legt vor
  • Frauen sind anders – gut so!
  • Wenn Frauen die Welt verwandeln
  • Der lange Marsch durch die Konzerne
  • Starke Frauen von Amerika
  • Von der Schule bis zur Rente: Hürden auf dem Weg der Frauen
  • Und dann Kinder: Mütter im Wirtschaftsalltag
  • Few Good Men
  • Warum weiblicher auch besser ist

Uwe Jean Heuser, Deborah Steinborn: „Anders denken. Warum die Ökonomie weiblicher wird“. Hanser 2013. 19,90 EUR (D) / 20,50 EUR (A). ISBN 9-783446-436817.

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