Schubs mich, damit ich stärker werde: Antifragilität

Antifragilität

CoverIn seinem Buch „Der Schwarze Schwan“ thematisiert Taleb die Unberechenbarkeit und Unvorhersagbarkeit der Welt. In „Antifragilität“ geht er viel, viel tiefer in Bezug auf die Herausforderungen unsicherer Zeiten.

Antifragilität ist mehr als Robustheit oder Resilienz. Während das Robuste im besten Fall einen Zustand beibehalten kann, wird das Antifragile besser und besser, wenn es auf Widerstände und Verletzungen trifft. Es ist immun gegenüber falschen Vorhersagen.

Indem wir Mechanismen kennen und suchen und vielleicht sogar bewusst einsetzen, die stärker werden, je mehr sie gestört werden, gewinnen wir. Das (neue) Wort hierfür heißt: „Antifragil“.

Welche Mechanismen das sind, das betrachtet der ganz schön dicke Wälzer: Warum kleine Strukturen besser sind als große, Stadtstaaten besser als Nationen, warum Schulden uns schaden und warum das, was wir als „effizient“ bezeichnen, alles andere als effizient ist. Talebs Beispiele beleuchten ein sehr, sehr breites Spektrum von Finanzen und Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Privatleben, Gesellschaft und Gewinn.

Der Autor ist Finanzmathematiker, philosophischer Essayist und Forscher, der ich mit Risiko und Zufall auseinandersetzt. Seine Einsichten basieren in erster Linie auf seiner 20-jährigen Tätigkeit im Wertpapierhandel.

In diesem Buch höre ich hauptsächlich den Philosophen heraus. Er stellt seine Erkenntnisse und Überlegungen dar. Und manchmal ist das schwer anzunehmen. Bis er dann wieder sagt, dass ihm diese oder jene Erkenntnis auch nicht gefällt. Also Betrachtungen, gar nicht so viele Daten und Studien, dafür Einschätzung, Meinung und auch Provokation.

Fazit: Anspruchsvoll. Lesen ist teils Arbeit – ich fand’s trotzdem gut.

Themen

  • Kontextunabhängigkeit abhängig vom Kontext
  • Überkompensation, Überreaktion
  • Komplexität, Chaos
  • Stressoren und Information
  • Evolution und Unvorhersehbarkeit
  • Organismen, Populationen
  • Irrtümer und Fehler, Modellfehler, Fehlleistungen
  • Hunger nach Zufall
  • Ich und wir
  • Zaudern
  • Auslöser und Ursache verwechseln
  • Rationalität
  • Bottom-up-Variationen
  • Das große Truthahn-Problem
  • Krieg, Gefängnis und Pax Romana
  • Stabilität (oder auch nicht)
  • Intervention und Iatrogenik
  • Prognostik und Vorhersagen
  • Fragilismus und Antifragilität
  • Dummköpfe und Nicht-Dummköpfe
  • Senecas Gewinne und Verluste
  • Emotionale Robustheit
  • Grundlegende Asymmetrie
  • Irreversibilität
  • Optionalität, Technik und antifragile Intelligenz
  • Mind the Gaps
  • Epiphänomene
  • A-teleologisches Tüfteln
  • Siebenmal Scheintern, plusminus 2
  • Fat Tony diskutiert mit Sokrates (Fat Tony aus den Simpsons)
  • Die Verkehrssituation in New York
  • Ineffiziente Effizienz
  • Nichtlinearität und Negativa
  • Zeit und Fragilität
  • Medizin, Konvexität und Opakheit
  • Ethik und Moral

Nicholas Taleb: „Antifragilität. Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen“. PANTHEON 2018. 16,- EUR (D) / 16,50x EUR (A). ISBN 978-3-570-55389-3.

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Climate Change … 2020 – es geht weiter!

Dokumentation: Greta Thunberg

In der Mediathek gibt es diese Doku:

„Ich bin Greta“ – so beginnt nahezu jede Rede des wohl weltweit bekanntesten Teenagers. Im August 2018 beginnt Greta Thunberg, eine 15-jährige Schülerin aus Schweden, einen Schulstreik für das Klima. Zunächst von Politikern, Eltern und der Presse belächelt und harsch kritisiert, entstand um sie herum in kürzester Zeit die Welt umspannende Jugendbewegung „Fridays for Future“. Greta, ein ruhiges Mädchen mit Asperger-Syndrom, ist heute eine weltberühmte Aktivistin. Der Film porträtiert sie aus unmittelbarer Nähe.

Nicht weil Greta ein beeindruckender Mensch ist, empfehle ich diesen Film. Sondern – natürlich! – weil das das wichtigste globale Thema für uns alle ist.

 

(Und ja, ich weiß, … es gibt da noch diese Pandemie. Die ist allerdings schneller vom Tisch als die Klimaerwärmung. Mist, genau.)

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„Der Laden macht dicht, wir schaffen’s nicht!“ – Wie Teams wieder produktiv werden

Die 5 Dysfunktionen eines Teams – der Manga

CoverKaum angefangen, bin ich schon auf S. 88 – Wow! Und nach zweieinhalb Feierabenden auf dem Sofa bin ich durch damit. Das liest sich gut weg.

Worum geht’s?

Teams, die wirklich Hochleistungen schaffen, sind selten. Der Autor identifiziert in diesem Comic fünf Gründe, die Teams scheitern lassen. Und wie man dem begegnet, lernt man auch direkt. Das Business-Buch zeigt einen anstrengenden, aber lohnenden Weg, wie Teams gut funktionieren können und tatsächlich Leistung bringen.

Zu oft werden gute Zusammenarbeit und (wirtschaftlich gesunde) Ergebnisse durch das Fehlverhalten einzelner Teammitglieder sabotiert oder behindert. Anhand einer Geschichte begleitet man einen typischen Fall und kann so nachvollziehen, wo es hakt und wie man dem klug begegnen kann.

In der Geschichte muss sich die neue Geschäftsführerin eines Hightech-Unternehmens im Silicon Valley mit einem Führungsteam auf der mittleren Managementebene beschäftigen, das längst handlungsunfähig geworden ist. Schritt für Schritt folgt die Leserin (oder der Leser) ihrem schmerzhaften und anstrengenden Weg hin zu einem erfolgreichen Team, das sich vertraut und Verantwortung für die gemeinsame Aufgabe übernimmt. Und zum Vorbild wird.

Die theoretische Basis kann man wie folgt zusammenfassen: Die weit verbreiteten Erfolgshindernisse sind…
1. Das Ego: Der eigene Verdienst wird über den gemeinsamen Erfolg gestellt
2. Wegducken: Vermeidung, andere zur Rechenschaft zu ziehen oder in die Verantwortung zu nehmen
3. Lähmung: Mangel an Commitment und damit auch zeitnaher und finaler Entscheidungen
4. Konfliktscheu: Angst vor Konflikten zur Bewahrung der Harmonie um jeden Preis
5. Unsicherheit: Kein Vertrauen zu anderen Teammitgliedern, verbunden mit der Angst, sich angreif- und verwundbar zu machen.

Der Trick, das Thema als Comic aufzubereiten, ist gut! Das hilft, schnell den Inhalt zu erfassen. Besser als eine reine Textlandschaft.

Ideal zum Nachschlagen: Am Ende des Buchs folgt eine ebenso prägnante, visuell ansprechende und übersichtliche Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und Instrumente, damit umzugehen. Hier stehen nochmal die 5 Dysfunktionen, welche Methoden man zum Aufbrechen derselben einsetzen kann und was jeweils Aufgabe der Führung ist.

Besonderes Learning für mich diesmal: Thomas-Kilmann Conflict Mode Instrument (Konfliktmodell von Thomas & Kilmann) => Damit kann man Konflikte konstruktiv nutzen.

Was ist nicht so gut? Manche Übersetzung ins Deutsche ist etwas ungeschickt.  Beispiel: „Bist du einverstanden oder findest Du kein Gegenargument?“ (… natürlich muss es heißen „… ein Gegenargument?“) Nun ja, insgesamt lässt es sich trotzdem gut lesen und verstehen.

Fazit: Sehr, sehr gut. Praktische und praktikable Hilfe für alltägliche, weit verbreitete Probleme.

Themen

  • „Eigener Verdienst über Teamerfolg“
  • Verantwortung
  • „Nicht mein Ding“
  • „Harmonie vor Konfliktbearbeitung“
  • Vertrauen

 

Und dann hab ich noch einige Lesezeichen drin…

  • Gesprächsregeln regeln und einfordern
  • Schöne Fragen-Aufwärm-Übung
  • Myers-Briggs-Indikator als Kommunikationsgrundlage
  • Übung: 5 Min lang eigene Stärken und Schwächen finden, danach ins Plenum bringen
  • Weitere Übung: Effizienz verbessern. Dafür gewünschte Stärken der anderen auflisten + 1 Verhalten bitte abstellen (jedes Teammitglied für jedes Teammitglied // 1 Std Zeit)
  • Konflikte nicht unter den Teppich kehren, sondern das Unbehagen aushalten, sie früh anzusprechen. Dabei JEDE Perspektive wenigstens anhören und erwägen.

 

Patrick M. Lencioni und Kensuke Okabayashi: „Die 5 Dysfunktionen eines Teams – der Manga. Eine illustrierte Leadership-Fabel“. Wiley 2010. 19,90 EUR. ISBN 978-3-527-50509-8.

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„Morpho“ und „Proxi“: Spielend Robotik lernen

Zeit für Roboterprogrammierung

Beide Kästen enthalten eine gut verständliche Anleitung, jeweils für verschiedene Spiel- / Programmiermöglichkeiten. Die Anleitung enthält auch kurze Comics, die die Einsatzszenarien der Roboter anschaulich und altersgerecht erzählen. Bei beiden Kästen kann man die einzelnen Teile bei KOSMOS nachbestellen. Super!

Roboter Morpho: Zeichnen, Fegen, Darten

Produktkarton

Ein kleiner Verwandlungskünstler

Der Roboter Morpho kann sich verwandeln. Der Bausatz bietet dafür drei unterschiedliche Einsatzszenarien. Man kann sie ausprobieren, indem man den Roboter umbaut. Junge Tüftler*innen können ihren Roboterfreund dabei mit jeweils einer Spezialfunktion ausrüsten: Zeichnen, fegen oder Pfeile abfeuern. So erhalten Kinder spielerisch Einblicke in die Robotik. Hier sind auch schon Jüngere (mit entsprechender Unterstützung) eingeladen, sich mit Hard- und Software zu beschäftigen.

Der Roboter muss zuerst mal von den jungen Forscher*innen selbst zusammengebaut werden. So lernen die Kids quasi nebenbei, wie so ein Roboter von Grund auf aufgebaut ist. Einblicke in Morphos Technik kommen dabei also schon mal quasi von selbst.

In jeder der drei Roboterversionen programmieren die Kids Morphos Bewegungen mittels eines Tastenfelds auf seinem Kopf. Dann zeichnet der kleine Roboter beliebige Motive, fegt auf seiner Route Schmutz in den eingebauten Staubbehälter oder schießt ungefährliche Softdarts in eine vorgegebene Richtung.

In der Anleitung gibt es hier auch eine Rückbauhilfe, wenn ein anderes Szenario lockt. Gut mitgedacht, so wird das Umbauen leichter. Neben den reinen Auf- und Abbauschritten enthält die Anleitung noch mehr (allgemeinere) Infos zu Robotern und KI.

Fazit: Gelungener Einstieg, viel Wissen, viel Spaß, viel Spiel.

Baumaterial:

  • Bauteile zum Zusammenbau des Roboters
  • Anleitung
  • Schraubendreher
  • Zusätzlich erforderlich: 4 x 1,5 Volt-Batterien Typ LR03 (AAA, Micro) und ein Seitenschneider (oder eine stabile Schere und eine Feile), um die Bauteile aus den Schablonen zu lösen

 

„Morpho. 3-in-1 Roboter“. Ab 10 Jahren. 44,99 EUR. KOSMOS 2020. 878 Gramm (ohne Batterien). Format: 42,6 x 29 x 8 cm (LxBxH). EAN 4002051620837.

 

Roboter Proxi: Programmierbare Sensorenmaschine

Produktkarton

High-Tech-Roboter für Neugierige

Auf Basis des BBC micro:bit (der ja verwandt ist mit Calliope mini) kann man diesen Roboter noch vielfältiger einsetzen und ausprobieren als der Morpho. Proxis Computergehirn besteht aus einem Microcontroller, der mit mehreren Sensoren, einer LED-Anzeige und verschiedenen Schnittstellen auf einer kompakten Platine jede Menge Möglichkeiten bietet.

Proxi wird zum Kompass oder digitalen Würfel, misst die Temperatur, kann rechnen, kann per App ferngesteuert werden und spielt sogar „Schere, Stein, Papier“ mit den Kids. All das ist mit dem Set überhaupt kein Problem. Er verfügt nicht umsonst über sein leistungsstarkes Computergehirn, das von jungen Tüftler*innen (oder verspielte Erwachsenen) selbst programmiert werden kann.

Auch hier steht der Aufbau der Hardware an erster Stelle. Proxi wird aus über 100 Einzelteilen zusammengebaut. Das macht nicht nur Spaß, sondern gewährt gleichzeitig – wie bei Morpho auch, nur noch mehr – interessante Einblicke in die Funktionsweise eines Roboters. Und beim Programmieren ist dann viel Raum für Kreativität.

Anleitung: Per Screenshot wird die Programmierumgebung mit erläuternden Texten vorgestellt, was man wo auf der Oberfläche findet und wie man grundsätzlich loslegt (inkl. Download). Das erste („eigene“) Programm ist leicht erstellt mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung. Die Ansteuerung der Hardware geschieht über eine Datei, die noch keinen Programmcode enthält (in der Ausgangsdatei), sondern die Verbindung zum Proxi herstellt. Dort drin kann dann selbst programmiert werden.

Das Programmieren erfolgt in einer intuitiven, grafischen Programmiersprache sehr schnell und mit schnell erreichbaren Erfolgserlebnissen. Zur Ausstattung gehören auch zahlreiche Vorschläge für Programmierprojekte. So lassen Nachwuchsprogrammierer*innen ihren Roboterfreund singen und tanzen, nutzen die LED-Anzeige zur Übermittlung von Nachrichten oder denken sich selbst was aus.

Schön: Ein paar Programme stehen in der Anleitung, außerdem sind online schon Programme vorbereitet. Diese Programme stehen bereit, um sofort loslegen zu können, der erste Funktionstest, „Follow me“ u. v. m. (kosmos.de/proxi). Darunter sind auch explizit Programme, die man anpassen kann und soll (z. B. Anzeigetext ändern). Okay, prinzipiell kann man natürlich alle Programme abändern, das ist ja der Witz beim Programmieren ;-)

Editor: Makeblock, hier ist die grafische Pogrammierumgebung anschaulich und schnell gelernt. Es gibt online viele Ideen und Anleitungen (nicht nur für den Proxi): https://makecode.microbit.org

Fazit: Leicht verständlich und für verschiedene Level an Interesse, Geduld und Leidenschaft geeignet.

Baumaterial:

  • Bauteile zum Zusammenbau des Roboters
  • BBC micro:bit-Platine Anleitung
  • Schraubendreher
  • USB-Kabel
  • Zusätzlich erforderlich: 4 x 1,5 Volt-Batterien Typ LR03 (AAA, Micro), PC, Seitenschneider (oder eine stabile Schere und eine Feile), um die Bauteile aus den Schablonen zu lösen.
  • Optional erforderlich: Smartphone zur Fernsteuerung

 

„Proxi. micro:bit Programmier-Roboter“. Ab 10 Jahren. 119,99 EUR. KOSMOS 2020. Ca. 844 Gramm (ohne Batterien). Format: 42,6 x 29 x 8 cm (LxBxH). EAN 4002051620585.

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Gestaltete Einblicke ins visuelle Notieren

Sketchnotes!

CoverStift in die Hand und los geht’s! Komplexe Ideen schnell und einfach vermitteln: Das ist Ziel und Zweck von Sketchnotes. Geeignet für synchrone Mitschriften bei Veranstaltungen oder Vorträgen, als Präsentation, für Reiseerinnerungen oder eigene Rezeptbücher – Sketchnotes sind vielseitig.

Das Buch beginnt mit einer Einführung in das Thema, was sind Sketchnotes und wo sind sie sinnvoll, hilfreich oder einfach hübsch. In diesem Teil möchte es den Leser*innen auch die Sorge nehmen, sie wären selbst nicht talentiert genug. Danach werden allgemeine Konzepte und konkrete Tipps vermittelt, eingestreut sind Übungen und Seiten mit Platz für diese Übungen. Das Buch hat Din-A4-Format, zum Ausprobieren und Malen gut ist. Wobei das effektive Üben natürlich eher auf einem Block oder in einem Skizzenbuch stattfindet.

Seiten aus dem Buch title=Als Einstieg ist das Buch durchaus geeignet. Mir hat der Anfang nicht so gefallen, da dort sehr ausführlich argumentiert wird, warum man sich mit Sketchnotes beschäftigen sollte. Hm… das will ich ja, ich hab doch das Buch besorgt! Also bitte weiter.

Danach kommen einige handwerkliche, vor allem gute gestalterische Tipps. Zum Beispiel, dass man Hoch- oder Quer- oder Quadratformat nutzen kann. Bei den Materialtipps war ich etwas enttäuscht. Warum? Dass ein Rucksack gut geeignet ist, Dinge zusammen zu packen und zu transportieren… geschenkt. Beim Papier lese ich da, dass verschiedene Oberflächen verschieden genutzt werden bzw. verschieden funktionieren. Ja, okay. Und … woraus soll ich dann bei der Anschaffung oder Zusammenstellung des Materials achten? Welches Papier ist für welchen Einsatzbereich oder für welche Stifte geeignet? DAS erfahre ich leider nicht. Den für mich spannendsten Teil – Live Recording – fand ich etwas kurz, und auch hier wurden weniger die Fragen geklärt, die mich interessierten. Welche Klamotten ich da anziehe, naja, … das war für mich eher nicht so spannend.

Der Hinweis, dass man versuchen sollte zu lernen, Gehörtes vom Ohr direkt in die Hand zu transportieren (ohne Umweg über Kopf und Herz), weckt meine Aufmerksamkeit. Das geht!?! Ich glaube der Autorin, dass sie das kann. Offen bleibt für mich jedoch: Wie geht das? Den Hinweis sehe ich, verstanden habe ich nicht, wie man diese Fertigkeit erlangt.

Die Übersetzung ist schlecht. Beispiel: „Verwenden Sie keine Whiteboard-Farben auf einem Whiteboard.“ Hm. Musste der Text auf die Schnelle übersetzt werden? Oder kennt sich da jemand gar nicht aus? Das geht jedenfalls besser. Auch wenn man trotzdem im Großen und Ganzen verstehen kann, was erklärt wird.

Ansonsten findet man auch gute Tipps, z. B. für Inspirationen googlen gehen, wobei man ein Teil des Wortes mit dem Anhang „-zeichnung“ versieht, z. B. Glühbirnenzeichnung. So stelle ich mir ein gutes Buch vor!

Das Download-Material zum Buch ist hilfreich und umfangreich, es ist zu finden unter:
https://www.rheinwerk-verlag.de/sketchnotes-die-kunst-der-visuellen-notizen.
Die Leseprobe ist auch online, da bekommt man einen ganz guten Eindruck. Oder – noch besser – guckt Euch den Blog der Autorin an: https://sketchnoteacademy.com/blog.

Fazit: Durchwachsen. Eine erfahrene Sketchnotes-Expertin gibt Tipps und Einblicke; verliert manchmal die Leserin aus dem Blick; die Übersetzung ins Deutsche ist echt schlecht.

Themen

  • Was sind visuelle Notizen?
  • Aktives Zuhören lernen
  • Figuren, Gesichter, Hände zeichnen
  • Verschiedene Schriften ausprobieren
  • Container, Rahmen, Pfeile, Verzierungen
  • Farbe und Schattierungen
  • Mit visuellen Metaphern arbeiten
  • Sketchnotes analog und digital

 

Emily Mills: „Sketchnotes! Die Kunst der visuellen Notizen“. Rheinwerk 2020. 24,90- EUR. ISBN 978-3-8362-7912-3.

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Hä?! Was läuft hier schief?

Irgendwie seltsam …!

CoverDas Buch ist nicht nur für Coaches interessant, für die es geschrieben ist, sondern auch für (agile) Teams und Führungskräfte.

Immer wieder fallen im Arbeitsalltag Menschen auf, die anders ticken. Das Buch erklärt mir dazu einige mehr oder weniger stark ausgeprägte Persönlichkeitsstile. Wenn man diese besonderen Verhaltensmuster nicht erkennt, kann dies zu Situationen führen, die man nicht erwartet und nicht durchblickt. Denn manche Menschen bringen ihre/n Coach ins Schwitzen, treiben einen in immer weitere oder tiefere Arbeit, machen wütend oder verunsichern. Im schlimmsten Fall läuft dann das Coaching gegen die Wand.

Expertinnen aus Therapie, Psychologie & Co. teilen hier ihr Wissen. Sie sensibilisieren für Fallen, und das ganz gut. Und sie geben Methoden an die Hand, wie mit bestimmten Auffälligkeiten gut umgegangen werden kann und wo Grenzen erreicht sind.

Das wird anhand von konkreten Fallbeispielen praxisnah illustriert, eins davon dreht sich um Simon: Er hat viel erreicht. Er ist nach einem Doppelstudium schnell vom Teamleiter zum Abteilungsleiter aufgestiegen. Überraschend sagt ihm im Feedbackgespräch sein Chef, dass sein Führungsstil die Zusammenarbeit im Team sehr stark belaste. Im darauf vereinbarten Coaching verhält sich Simon ungehalten und empfindlich. Er agiert provokativ und will vorgeben, wie das Coaching zu laufen hat. Schnell zeigt sich, dass Simon seinen eigenen Anteil an dem Konflikt im Team nicht erkennen kann.

Wie Simon kommen Leute ins Coaching, weil sie an Symptomen wie Konflikten oder Ängsten leiden, die durch ihr eigenes Beziehungsverhalten ausgelöst werden. Ob sie den eigenen Anteil sehen oder nicht, der Leidensdruck ist erkennbar. Fehlt die Einsicht, wie das eigene Verhalten Probleme verursacht, können sie nicht zielorientiert an sich arbeiten. Somit kann das übliche ressourcen- und lösungsorientierte Methodenrepertoire nicht in gewohnter Weise greifen.

Das Buch stellt sieben verschiedene extreme Persönlichkeitsstile vor. Neben den Fallbeispielen helfen Expertinnengespräche, den jeweiligen Stil besser zu verstehen und in einen größeren Kontext einzuordnen. Miteinander ins Gespräch kommen da Expertinnen aus folgenden Gebieten: Psychotherapie, Tiefenpsychologie, systemisches Coaching, persönlichkeitsorientierte Beratung, psychosomatische Medizin, Verhaltenstherapie, systemische Therapie.

Das wissenschaftliche Fundament besteht aus einem Abstecher zur Persönlichkeitspsychologie, der erklärt und einordnet.

Meine Einschätzung

Nicht ganz leichtes Lesefutter. Voraussetzung: Tieferes Interesse für psychologische Zusammenhänge und Hintergründe. Und Achtung: Es kommt Fachvokabular vor, das nicht immer erklärt wird, d. h. der Nachschlagefaktor ist etwas höher. Die Verständlichkeit ist davon nicht so sehr abhängig, man versteht’s im Großen und Ganzen auch so.

Kann ich nach der Lektüre meine Mitmenschen diagnostizieren und bestenfalls „gesundtherapieren“? Aber sowas von NEIN. Verständnis erlangen: JA!

Die Hintergründe, die hier beschrieben sind, können mir helfen zu verstehen und mein eigenes Verhalten anzupassen oder zu variieren, im Falle einer Falle. Verstehen kann ich danach also mich, Andere und Schwierigkeiten auf der Beziehungsebene. Und das ist doch schon mal was.

Fazit: Nicht ganz leicht verdaulich, dafür sehr sehr hilfreich – und interessant auch noch.

Themen

  • Ehrgeiziger Stil und Narzisstische Persönlichkeit
  • Spontaner Stil und Borderline-Persönlichkeit
  • Liebenswürdiger Stil und Histrionische Persönlichkeit
  • Loyaler Stil und Abhängige Persönlichkeit
  • Selbstkritischer Stil und Selbstunsichere Persönlichkeit
  • Kritischer Stil und Passiv-aggressive Persönlichkeit
  • Sorgfältiger Stil und Zwanghafte Persönlichkeit
  • Persönlichkeitsstile nach DSM-Diagnostik
  • PSI-Theorie

Bettina Hafner und Gudula Ritz: „Irgendwie seltsam …! Über den Umgang im Coaching mit extremen Persönlichkeiten“. managerSeminare 2020. 49,90 EUR. ISBN 978-3-95891-073-7.

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Joballtag: Infoverteilung online

Online-Meetings und Webinare

CoverÜberall Homeoffice. Nähe? Fehlanzeige. Sprich: Es ist die Zeit der Online-Meetings und anderen virtuellen Zusammenkünfte.

Wie gestaltet man sie so, dass sie produktiv sind, dass alle davon profitieren, dass sich alle einbringen können? Die digitale Kommunikation tappst als sehr junge Kommunikationsform noch auf unsicheren Füßen durch die Welt.

Der TaschenGuide zeigt kurz und sehr gut Möglichkeiten und Chancen, die sich bieten. Klar ist: Es gibt nicht DAS Erfolgsrezept, man muss ausprobieren, was gerade jetzt und hier für die anwesenden Leute funkioniert (oder nicht).

Für Neulinge gilt, Anleitung ist hilfreich. Bitte nicht vergessen oder übergehen. Und wenn es nur das neue Konferenztool ist, das doch wieder unerwartet anders aussieht und funktioniert. Überhaupt betrachtet der Autor die Fehlerkultur und ihre Verwandten etwas näher, denn das ist online viel wichtiger als offline. Am besten gut gelaunt, also versucht es mal mit „Fehlerfreude“ und „irrt Euch mit Spaß voran“. Dann ist den ganzen Tag videokonferieren auch deutlich weniger anstrengend.

Besondere Aufmerksamkeit bekommt hier auch das Thema Fragen. Wenn man nicht in einem Raum sitzt, muss man noch viel mehr davon Gebrauch machen als sonst. Und dazu gibt es hier entsprechende Hinweise.

Das Buch nimmt mich als Leserin mit und zeigt in kleinen, überschaubaren Schritten, wo man virtuelle Meetings verbessern kann. Dabei geht es im Kern auch oft um den Menschen, das Lernen, die Kommunikation an sich. Und so ist es nicht verwunderlich, dass eine Übersicht „Faktoren für ein agiles Mindset“ zu finden ist. Denn agil zu denken hilft auch dabei, gute Onlinemeetings ein- und durchzuführen.

Für die hohe Qualität des handlichen Bändchens spricht auch, wie hier die SMART-Kriterien für Ziele erklärt und direkt um einen weiteren wichtigen Tipp ergänzt werden: Dass man des Meetingthema, also das Ziel des Meetings, gegenüber anderen Themen explizit abgrenzt: „Es geht um… , NICHT um… .“ Und falls man beim Ziel für das Meeting schludert, könnte es auch schief gehen: „Wer ins Blaue schießt, trifft nicht immer ins Schwarze.“ Kann man machen, könnte aber fies werden ;-)

Die Kapitelüberschrift „Zuhören ist die wichtigste Technologie“ hat mich natürlich auch sofort angefixt. Lest das einfach selbst, es lohnt sich. Wie gesagt, es geht um Menschen. Nicht um Tools, die spielen in der zweiten Reihe ihre unterstützende Rolle.

Zu den Tools gehören nicht nur Apps und Webapplikationen, sondern auch Formate. Besonders grundlegend ist der Vorschlag für ein online gut funktionierendes Zeitraster (45 / 7), das durch einleuchtende Argumentation überzeugt und auf praktischer Erfahrung beruht.

Offensichtlich ist eine gute Vorbereitung noch viel wichtiger, wenn wir uns nur per Bildschirm sehen (oder gar nur hören). Deswegen sollte die Unsitte, eine Besprechungseinladung ohne Agenda zu verschicken, allmählich auf der Müllhalde landen. Zitat aus dem Buch: „Einer unserer Kunden hat jedem seiner Mitarbeiter gestattet, einem Meeting fernzubleiben, wenn nicht 48 Stunden vor dem Gespräch die Agenda da ist. Und von dieser Regel wird reger Gebrauch gemacht.“ Großartig. Einfach und effektiv.

Was ist nicht so gut? Bei der Grafik auf Seite 14 („Lernmodell“) ist ein Fehler passiert, hier sind die beiden Dimensionen „Unbewusst“ und „Bewusst“ vertauscht. Bei den an sich guten Tipps für Tools, u. a. Protokoll-Tools fehlt leider ein Hinweis (oder noch lieber eine Einschätzung) zum Datenschutz. Beides kann die nächste Auflage sicher besser ;-)

Fazit: Lesen! Nutzen! Dabei haben! (Passt in fast jede Jackentasche!)

Themen

  • Meetingkultur
  • Vorbereiten: Inhalte, Rahmen, Zusammenarbeitsregeln und Tools
  • Turtle-Modell, SMART-Ziele, …
  • Zielen und Fokussieren
  • Führen, leiten, moderieren… und delegieren
  • Paraverbale und extraverbale Kommunikation (nonverbale K.)
  • Orientierierung, Rituale, Aktivieren
  • Zuhören: Wichtigste Technologie
  • Erster Eindruck und Abschluss
  • Feedback: Zwischenfeedback, Abschlussfeedback
  • PMI-Matrix mit +/-/i
  • Protokollieren
  • Toolideen, Tools für Abstimmungen, Münzwurf etc.

Uli Harnacke: „Online-Meetings und -Seminare. Auf dem Weg in die digitale Kommunikation“. Taschenguide Haufe 2020. 9,9 EUR. ISBN 978-3-648-14632-3.

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Candice und die Menschen, die sie mag

Das Blubbern von Glück

CoverHier kommt Candice, Candice Phee. 12 Jahre alt, manchmal schmerzhaft ehrlich und ein bisschen anders. Und auch wenn viele sie nicht auf Anhieb verstehen, Candice hat ein großes Herz. Sie ist entschlossen, die Welt glücklich zu machen. Nur leider ist das gar nicht so einfach.

Denn wohin Candice auch sieht, an jeder Ecke lauert das Unglück. In ihrer Familie, die früher ganz normal war, spinnt sich neuerdings jeder in seinem eigenen Leid ein. Ihr superkluger Freund Douglas Benson versucht seit Langem vergeblich, in eine andere Dimension zu reisen, aus der er ursprünglich stammt. Und ihr Haustier, Erdferkel Fisch, hat womöglich eine ernsthafte Identitätskrise.

Candice macht sich ans Werk, um jeder und jedem Einzelnen von ihnen zu helfen. Ob und wie sie das schafft und ob zum Schluss wirklich jeder um sie herum ein Stück glücklicher ist, das verate ich hier nicht. Lest doch selbst. Es lohnt sich!

Fazit: Großartig! Lesen! Verschenken! A-mü-sie-ren :o)

Barry Jonsberg: „Das Blubbern von Glück“. cbt 2016. 9,99 EUR (D) / 10,30 EUR (A). ISBN 978-3-570-31089-2.

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Agiles Arbeiten in verteilten Teams

Wissensseite von agilen Profis

Nicht erst seit der Krise und den Ausgangssperren im Frühjahr gibt es in der Praxis viele agile Teams, deren Mitglieder verteilt arbeiten. it-agile hat auf  „Wissensseiten“ Informationen zusammengetragen.

Themen sind u.a. …

  • Ab wann sprechen wir von verteilten Teams?
  • Welche Auswirkungen hat verteiltes Arbeiten ab welcher Entfernung auf typische agile Arbeitsweisen?
  • Was sind die Herausforderungen beim Arbeiten in agilen verteilten Teams?
  • 8 Prinzipien für erfolgreichs Arbeiten in verteilten Teams
  • Passende Skills
  • Klassifizierung / Typen von verteilten Teams
  • Prinzipien für Retrospektiven mit verteilten Teams

Infos hier:
www.it-agile.de/wissen/agile-teams/agiles-arbeiten-in-verteilten-teams
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Sammelsurium: Usability, UX, Web mit Tipps von Steve Krug

Steve Krug hat eins meiner absoluten Lieblingsbücher geschrieben (das schon etwas älter, aber immer noch sehr aktuell ist): Don’t make me think (reloaded).

Screenshot UXmattersEin paar UX-Tipps findet Ihr online hier:

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Tipps beim Lernen: „Motiviert studiert“

Fundgrube

Diese Website habe ich gefunden und war erst skeptisch und dann sehr überzeugt. Der Autor kennt sich aus, was Lernmethoden angeht. Er erklärt, was das Gehirn (das er als pfiffigen Fuchs zeichnet) braucht, um gut lernen zu können. Und so bin ich mal durch seine Website gesurft.

Nicht super neu, aber sehr gut erklärt und aufbereitet, u. a. dass man sehr schnell merkt, ob man etwas verstanden hat, wenn man versucht, es jemand anderem zu erklären. Oder dass man – wenn man auf diese Weise feststellt, wo Wissenslücken sind – gezielt weiterlernt mit dem Ziel, genau diese Lücken zu schließen.

Screenshot

Fundgrube:

  • Motiviere deinen inneren Schweinehund (62 Seiten PDF)
  • Prüfungsangst-Notfall-Hacks – Erste Hilfe für dein Panikhuhn (92 Seiten PDF)
  • Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen (115 Seitne PDF)
  • Sprachlernmethoden (getestet und mit Einschätzung)
  • Vorlesungen nachbereiten – Gut zusammengefasst ist halb gelernt (Tipps)

Mehr Infos

https://motiviert-studiert.de
Feynman-Technik: https://georgjocham.com/die-feynman-technik-und-wie-man-mit-ihr-alles-lernen-kann
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Der Roboter im Büro

Robotic Process Automation (RPA) ist eine relativ einfache Möglichkeit, Prozesse zu automatisieren, ohne ein langwieriges SW-Entwicklungsprojekt aufsetzen zu müssen. Es wird lediglich die Interaktion einer Nutzerin mit unterschiedlichen Systemen von einem Software-Roboter übernommen, so als würde weiterhin ein Mensch am Rechner sitzen. Keine Anpassung des Backends notwendig! Für einige Unternehmen ist der Einsatz von RPA daher äußerst attraktiv.

Wer gerade am überlegen ist, ob RPA für das eigene Unternehmen sinnvoll ist, für diejenige kann das hier vorgestellte Buch ein sinnvoller erster Schritt sein. Der Untertitel „Ein Leitfaden für Führungskräfte zur erfolgreichen Einführung und Betrieb von Software-Robots im Unternehmen“ beschreibt das Buch ziemlich genau. Angefangen von Begriffserklärungen über Argumente für den Mehrwert von RPA und das Initialisieren eines entsprechenden Projekts bis hin zum Betrieb nach der Einführung ist die ganze IT-Wertschöpfungskette einmal abgedeckt. Das Buch bedient dabei in weniger als 140 Seiten eine Managementsicht. Wer technische Details zu RPA sucht, wird hier nicht fündig.

Alle Kapitel sind mit vielen Beispielen und Praxistipps gespickt. Man merkt, dass die Autor*innen entsprechende Praxiserfahrung haben: Viele davon sind praxisrelevant, nachvollziehbar und wirken leicht umzusetzen. Manche Tipps gruseln mich aber, wenn z. B. dazu geraten wird, sich bestimmte Dokumente abzeichnen zu lassen. Im Sinne der Verbindlichkeit und auf einen hierarchisch geprägten Großkonzern gemünzt ein nachvollziehbarer Tipp, im Sinne von agiler Zusammenarbeit und „new work“ eher kontraproduktiv. Hier hätte ich mir eine etwas differenzierte Darstellung gewünscht.

Top: Die Tipps, wie man Skeptiker wie z. B. andere Führungskräften oder den Betriebsrat an Bord holen kann.

Das Kapitel über das Aufsetzen eines Einführungsprojekts ist mir persönlich viel zu lang und detailliert. Gestandene Projektleiterinnen werden es gelangweilt überspringen, für Neulinge mag es hier noch die ein oder andere Erkenntnis geben. Positiv überrascht hat mich die beispielhafte Stellenausschreibung für die Rolle des RPA-Teamleiters (sic! Frauen kommen in diesem Buch gar nicht vor). Wer schnell an den Start gehen möchte mit RPA, kann hier wunderbar „spicken“. Das Sahnehäubchen wäre es gewesen, wenn es das gleiche auch für die RPA-Teammitglieder gegeben hätte.

Fazit: Für alle, die RPA im Unternehmen einführen wollen

Themen

  • Roboter gehören in die Fertigungshallen, nicht ins Büro! Oder doch nicht?
  • Der Leuchtturm-Robot: welche Schritte sind notwendig zur Einführung des ersten Robots?
  • Der Rollout: wie führe ich RPA flächendeckend im Unternehmen ein?
  • Kurzer technologischer Ausblick zu Business Process Automation: wo geht die Reise hin und wann werden die Visionen real?
  • Nützliche Hilfsmittel für den Praxiseinsatz

Christina Koch und Stephen Fedtke: „Robotic Process Automation. Ein Leitfaden für Führungskräfte zur erfolgreichen Einführung und Betrieb von Software-Robots im Unternehmen“. Springer Vieweg 2020. 24,99 EUR . ISBN 978-3-662-61178-4.

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Minispiel: Kunterbunt schlau spielen

Einstehen für Demokratie

ScreenshotEin rassistischer Spruch auf der Familienfeier, ein sexistischer Witz auf dem Schulhof oder eine abfällige Bemerkung über Geflüchtete in der Kneipe – Du möchtest etwas entgegnen, aber ehe Dir eine gute Antwort einfällt, ist die Situation auch schon vorbei.

Je besser Du Dich auf solche Situationen vorbereitest, desto leichter fällt es Dir, in solchen Momenten zu kontern. Probier mal die App aus: KonterBUNT. Einschreiten für Demokratie. Damit kannst Du Dich spielerisch mit möglichen Antworten und Reaktionsstrategien auseinandersetzen.

Website: https://konterbunt.de

Danke für den Tipp, Birgit!

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Agil wie ein Delfin im Ozean

Agile

Cover„Agile Arbeit ist Schwimmen wie ein Delfin: immer wieder auftauchen und sich auf der Grundlage konkreter Ergebnisse und neuer Erkenntnisse anpassen.“ (Rini van Solingen)

Ausgehend von klassischem Wasserfalldenken holt das Buch die Leser*innen ab und zeigt die gesamte Palette agiler Themen. Es geht um agile SW-Entwicklung und weit darüber hinaus. Mit nützlichen Erfahrungen und Tipps z. B. zu Ende-zu-Ende-Prozessen, Changemanagement, menschlichen Stärken und Schwächen.

Agilität erfordert Aufmerksamkeit, Konzentration und Mut. Dies greift das Buch auf, z. B. das Prinzip: „Probleme aufspüren statt sie zu verstecken.“ Oder: „Schwierige Dinge oft tun.“ Um dabei den notwendigen Mut nicht zu einer überwältigenden Aufgabe zu machen, werden – ganz Delfin – kurze Zyklen genutzt. Das führt zwar dazu, dass Organisationen beginnen, unter ihren versteckten Dysfunktionalitäten zu leiden, aber eben in noch überschaubaren Häppchen. Es gibt zu diesen und den anderen Aspekten viel Input, auf allen Ebenen vom Team bis zur Gesamtorganisation. Eine überraschende Erkenntnis: Agile Kultur kann man messbar machen (für eine agiles Ändern der Unternehmenskultur ist das wichtig).

Super sind die Inspirationen zu typischen Stolpersteinen und Denkfehlern, denn hier gibt es Lösungsideen, die man nicht in jedem „agilen Buch“ findet. Denken muss und darf man dann trotzdem noch. Stichwort: Ideen auf’s eigene Umfeld anpassen. Wie schön.

Besonders gut sind auch die Tipps zu Art und Funktion der Definition of Done. DAS WIRD SO OFT UNTERSCHÄTZT!

Hübsch gestaltet ist das Ganze auch noch. Mit Lesebändchen, lesefreundlichen kurzen Abschnitten und in Orange – wie das wohl damit zusammenhängt, dass der Autor aus den Niederlanden ist? Alles in allem ein sehr hochwertiger Eindruck. Deswegen auch gut als (Geschäfts-) Geschenk geeignet.

Fazit: Kompakt, ehrlich, sehr sehr sehr empfehlenswert und praktikabel. Dabei leicht verständlich und gut zu lesen.

Besondere Themen (mit konkreten Tipps und wichtigen Gestaltungsmerkmalen):

  • Agil Aufträge vergeben
  • Agile Ausschreibung gestalten
  • Agile Verträge formulieren

 

Grundidee einer alternativen Herangehensweise: „Die Steuerung des ROI erfolgt über eine Steuerung nach Erlösen statt nach Kosten.“ Und: Den Schwerpunkt verschieben weg von Deadlines, Budget, Leistungsumfang hin zu Wert, Qualität, Nutzer*in.

Rini van Solingen (aus dem Niederländischen von Rolf Dräther): „Agile“. dpunkt 2020. 24,90 EUR. ISBN 978-3-86490-738-8.

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Firma retten mittels Comic

Das Ziel

CoverDie Idee, aus einem Wirtschaftsroman eine Graphic Novel zu machen, stammt von der Tocher des Erfinders  der „Theory of Constraints“ (dt. Engpasstheorie oder Theorie der Prozessoptimierung), Dr. Eli Goldratt. Dieser anwortete, als er gebeten wurde, seine Theorie in 5 Sätzen zusammenzufassen, mit nur einem einzigen Wort: Fokus. Allein das hat mich schon zum Ad-hoc-Fan gemacht, noch bevor ich mit der Lektüre begonnen hatte ;-)

Denn Fokus kann zaubern, es macht, dass man etwas fertig bekommt und nicht nur immer wieder 1000 neue Sachen anfängt. Neugierig hab ich also losgelesen.

ComicseiteDie Geschichte beginnt mitten im Arbeitsalltag und man fiebert auch schnell mit dem Protagonisten und seiner Frau mit. (Seine Frau, die eine IT-Firmal leitet … allein  das ist ja schon herausragend, diese Nebenrolle so zu besetzen! Und das Buch, auf dem der Comic basiert, ist aus dem Jahr 1984. Erstaunlich.) In einigen Schleifen pirscht sich der Manager Al Rogo an seine drängenden und existenziellen Probleme heran und löst sie mit Hilfe der Wissenschaft (naja, zumindest mit Hilfe eines Wissenschaftlers): Mr. Rogo wird von der Unternehmensleitung ein Ultimatum gestellt. Entweder es gelingt ihm, seine Fabrikanlage innerhalb von 3 Monaten deutlich profitabler zu machen, oder sie wird geschlossen und Hunderte Menschen verlieren ihre Jobs, die kleine Stadt würde dadurch auch noch deutlich herausgefordert. Puh.

Die Geschichte erfordert wenig Vorkenntnisse, wenn man mal Berührung hatte mit Unternehmerischen Grundgedanken. Dann kommt man ganz gut mit. Hm…. nur bei NettoertragGewinnRenditeCash Flow… da musste ich erst mal die feinen Unterschiede nachschlagen. Was ich mich sonst noch gefragt habe: Ist der Ausdruck „Jemand stellt einen anderen in den Senkel“ eine Redewendung, die ich kennen sollte? Hab ich auch mal nachgeschlagen…

Die Schlüsselelemente der von Eliyahu Goldratt entwickelten Theory of Constraints sind in dieser Graphic Novel fachlich fundiert und visuell ansprechend erzählt.

Fazit: Comiclesen, lernen, vielleicht selbst erfolgreicher werden… Besonders der Ausflug mit Herbie mit seinem großen Rucksack bringt Licht in die Sache. Ha! Wer jetzt nicht neugierig ist…

Themen

  • Theory of Constraints
  • Liefer- und Produktionsketten
  • Arbeitsprozesse
  • Pfadfinderwanderung

Eliyahu M. Goldratt (bzw. seine Tochter) und Dwight Jon Zimmerman: „Das Ziel. Eine Business-Graphic-Novel“. campus 2018. 25,- EUR. ISBN 978-3-59350906-8.

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„Mensch entwickle Dich“

Pioneer Cards

CoverDas Kartenset kann in verschiedenen Szenarien genutzt werden: Als Basis für die eigene Kompetenzentwicklung, für Mitarbeitergespräche oder Feedback, individuell oder für ein Team. Ursprünglich ist das Set für Human Resources entstanden. D. h. es kann auch bei Bewerbungsprozessen eingesetzt werden – dieses Szenario hab ich hier nicht weiter verfolgt, ich stelle ja keine Leute ein.

Für das Teamszenario kann man wie folgt vorgehen: Lege die notwendigen Teamkompetenzen und deren Ausprägung fest. Daraus resultieren Maßnahmen, um das Team weiter zu entwickeln. Im Feedback-Szenario innerhalb eines Teams kann man eine Rangfolge suchen als Basis für Austausch und Lernen aus den Stärken der Anderen. Es erfolgt dabei natürlich keine Notenbewertung der einzelnen Teammitglieder, das würde ja dem Prinzip von Feedback völlig widersprechen.

Die Kartenbox ist hochwertig, sie fühlt sich schön geschmeidig an. Die Karten sind qualitativ recht hochwertig. Achtung: Das Ganze wiegt ganz schön viel, was an der Hochwertigkeit liegt, aber für Reisende ist das nicht so toll.

Die Auswahl der Werte ist OK. Vielleicht hätte ich den einen oder anderen Wert reingenommen oder weggelassen. Insgesamt ist es OK. Wer mag, kann sich inspirieren lassen und „über das Kartenspiel hinaus“ selbst Begriffe definieren und ergänzen. Die Auswahl der Kompetenzen ist auch OK.

Für mich sind die beiden Kategorien wenig trennscharf. Schade, aber man kann sich ja selbst überlegen, ob man eine Kompetenzkarte zu einer Wertkarte umdefiniert ;-)

Fazit: Nette Idee, gut für Workshops und Retrospektiven geeignet; weitere und andere Begriffe fände ich gut für eine 2. Auflage.

Werte (W) und Kompetenzen (K) / Ausschnitt:

  • Leistung (W)
  • Teamgeist (W)
  • Höflichkeit (W)
  • Genauigkeit (W)
  • Kooperation (W)
  • Kundenbegeisterung (K)
  • Offenheit (K)
  • Integratives Handeln (K)
  • Laterale Führung (K)
  • Innovationsfähigkeit (K)
  • Aktives Zuhören (K)

hr pioneers: „Pioneer Cards: Mensch entwickle Dich!“ Netto 39,- EUR (D). https://hr-pioneers.com/leistungen/produkte/pioneer-cards/

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Produkte und Erlebnisse entwickeln aus kognitionswissenschaftlicher Sicht

Think Human

CoverDas Buch startet direkt auf Seite drei mit einem Praxisbeispiel, das mich sofort in den Text hineinbeamt: Ein Bild von einem (sehr bequemen) Stuhl, ich als Nutzerin möchte das Ding sofort haben! Und auf diese Reise (Internet, Stuhl kaufen) nimmt mich der Autor mit. Wir starten also auf einer Website, die im Shop u. a. Stühle verkauft. Bilder, Suche, was noch… Erster Zwischenstopp: Die Navigation. Also… wo bin ich überhaupt und noch wichtiger, was ist der nächste Schritt zu meinem Ziel? Wo muss ich lang? Und zwar schnell! Design, sag’s mir!

Theoretische Inputs werden durch praktische Übungen unterbrochen, z. B. soll man selbst erstmal einen Onlineshop aufsuchen und sich diesen unter einigen Aspekten ansehen, bevor man weiterliest.

Aufgeteilt ist das Buch in drei Teile: Kognition („Erfahrung“ neu denken), Nutzerforschung (Geheimnisse aufdecken), Design (Erfahrungsebenen auf SW- oder Produkt-Design anwenden). Der erste Teil des Buchs zeigt, welche kognitiven Prozesse zu einem positiven Nutzererlebnis führen. Der zweite Teil zeigt, wie man diese mithilfe von Kontextinterviews identifiziert. Der dritte Teil zeigt schließlich, wie man die erlangten Erkenntnisse umsetzt und in die eigene Arbeit integriert.

Man lernt, wie man sich an den Wünschen, Erwartungen und Denkprozessen von Kund*innen orientieren kann. Das Modell der sechs Erfahrungsebenen kategorisiert die UX-Sicht der Kund*innen. So soll man besser verstehen, Muster erkennen und das daraus gewonnene Wissen erfolgreich einsetzen können. Ehrlich gesagt, hat mir die Kategorisierung nicht sooo viel geholfen. Zum Beispiel im Bereich „Wegfindung“ vs. „Gedächtnis/Erinnerung“. Entweder hab ich die Beispiele nicht verstanden oder die Abgrenzung ist so fein, dass ich sie als Laie nicht verstehen kann? Hier hat mich der Autor ganz klar abgehängt. (Wegführung…hm… ist das eher Nutzerführung, User Journey oder Interaktionsdesign? Ich hab’s nicht so genau rausbekommen.)

Die deutsche Übersetzung ruckelt hier und da erkennbar. Stil: Der! Stil! Ist sehr! Amerikanisch! (You got it, don’t you?) Am Ende habe ich vermisst, dass neben eigenen Studienerkenntnissen noch konkretere oder mehr an meinen Erfahrungen anknüpfende Anwendungstipps dabei sind. Weniger sehr eng auf die eigene Sicht der eigenen Arbeit bezogen.

Gut: Immer wieder findet man Fragen, die weiter bringen. So wie diese: „Was machen wir mit den Daten, die wir da erhoben haben?“ – Ja, ich finde auch, dass man sich dazu Gedanken machen muss. Am besten VORHER :-)

Fazit: Durchwachsen. Gute Ideen für Fragestellungen. Die Kategorien… am Ende hat mir das wirklich nicht geholfen.

Themen

  • Erfahrungen: Sehen, Erinnern, Entscheiden, Emotionen, Aufmerksamkeit, Sprache, Verlauf
  • Automatismus und unbewusstes Handeln
  • Visuelles System
  • Bedeutung / Interpretation
  • Wo bin ich? Orientierung
  • Mentale Modelle
  • Kommunikationsprobleme
  • Probleme lösen
  • Zwischenziele
  • Information Overflow
  • Wünsche, Ziele, Ängste
  • Nutzerforschung: Erwartungen und Erfahrungen
  • Empathie: Kontextinterview
  • Sehen: Eye-Tracking, Heatmap
  • Sprache: Interviews, Rohdaten, Fachkenntnisse
  • Virtuelle Wege: Navi, Trampelpfade und Wegebau
  • Stereotype
  • Zeitnahe Bedürfnisse, Zeitgeist und Lebensphasen
  • Sinngebung: Gemeinsamkeiten, Psychografie, Sprache, Emotion
  • Eigene Annahmen hinterfragen
  • Wünsche vs. wirklich Gewünschtes
  • Entdecken und Definieren
  • Entwickeln und Liefernn
  • Design-Thinking: Learning While Making
  • Testen
  • Evidenzbasiert entscheiden
  • Zeitlicher Ablauf
  • Menschen verbessern (?) und KI
  • Erkenntnisse über bewusste und unbewusste Denkprozesse

John Whalen: „Think Human: Kundenzentriertes UX-Design. Mit kognitiver Psychologie zu besseren Produkten“. dpunkt 2019. 29,90 EUR. Gibt’s als Print oder als e-Buch. ISBN 978-3-86490-715-9.

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Game Design: Build and play

Game Design und Produktion

CoverDas Lehrbuch liefert Grundlagen für angehende Computerspieldesigner*innen. Es beginnt damit, die allgemeinen Zusammenhänge des menschlichen Spielens zu erläutern. Dabei betrachtet es ausführlich auch vernetzte Medien und Communitys (Gemeinschaften in den virtuellen Räumen). Technische Aspekte spiegeln sich in verschiedenen Feldern wider: Spielentwicklung (eigentliches Game Design / Produktion) , Programmierung, Funktionsweisen und Jobprofile in der Spieleindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf allgemeinen Prinzipien, denn die Technologie unterliegt einem so schnellen Wandel, dass das Buch sonst quasi sofort veraltet wäre. Das Lehrbuch vermittelt alles in allem wichtige Grundlagen vor dem Hintergrund moderner spieltheoretischer Grundlagen. In dieser zweiten Auflage sind die Beispiele aktualisiert und es findet sich eine neue Engine (Unreal Engine) sowie Neuerungen zu Technik, Technologie, Skills.

Obwohl es sich mit recht viel Text (und eine für mich zu geringe Schriftgröße) darstellt, ist der Stil des Buchs gut lesbar und die Themen sind anschaulich beschrieben. Leider sind die Screenshots nur schwarzweiß. Hier hätte ich mir wenigstens manchmal Farbe gewünscht. Was mir auch fehlte: Ein Glossar mit den Fachbegriffen. Dafür gibt es ein Stichwortverzeichnis, immerhin.

In Kästen und Anmerkungen stehen Verweise auf einschlägige Literatur, Spiele und andere Medien. So kann sich die geneigte Leserin Anregungen zur Vertiefung des dort beschriebenen Gebiets finden. Übungen (nicht zum Programmieren, zum Denken) helfen dabei, sich wirklich ins Thema einzudenken – man muss sich nur die Mühe machen, die Übungen auch durchzuführen ;-)

Eine kommentierte Literaturliste und eine kommentierte Liste an Tools für’s Game Design runden den guten Eindruck ab, den das Buch bei mir hinterlässt.

Nerd-Bonus-Punkt: Ich habe gelernt, dass es sowas wie eine Elo-Zahl gibt – misst die Spielstärke von Spieler*innen.

Fazit: Für ein Lehrbuch sehr gut lesbar; umfassend und interessant.

Themen

  • Casual game / Core game
  • Spielerfahrungen
  • Spielideen und Story
  • Phasen der Spielentwicklung
  • Elemente und Relationen
  • Spielmechaniken und Level Design
  • Fairness: Balancing
  • UI, Interaktion und Interfaces
  • Kundengewinnung und Computerspielindustrie
  • Berufsfelder (inkl. Studiengänge, die dahin führen)

Gunther Rehfeld: „Game Design und Produktio. Grundlagen, Anwendungen und Beispiele“. Hanser 2020. 34,99 EUR. ISBN 978-3-446-46315-8. 2. Auflage, 260 Seiten.

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JavaScript richtig gut programmieren lernen

JavaScript

BuchcoverJavaScript ist als Programmiersprache im Internet nicht mehr wegzudenken. Und wie verlockend klingt ein Buch, das einer das „richtig gut programmieren“ in dieser Sprache beizubringen verspricht? Noch dazu ausdrücklich für Programmieranfängerinnen und Anfängerinnen in der Webentwicklung?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Anfängerinnen rate ich von diesem Buch ab. Trotz Programmier- und Webentwicklungsvorkenntnissen hatte ich oft Mühe, dem Autoren zu folgen, da er einen recht umständlichen Schreibstil hat. Beispiel gefällig? „Eine Funktionsdefinition ist eine reguläre Bindung, bei der der Wert eine Funktion ist.“ Ahja? Wenn man jetzt weiß, dass mit „Bindung“ eine Variablenzuweisung gemeint ist, wird es etwas klarer.

Ich dachte erst, dass das Buch nicht gut übersetzt ist, aber die englische Version ist genauso (übrigens unter einer freien Lizenz auf eloquentjavascript.net veröffentlicht ist).

Das Buch ist in drei Teile gegliedert:

  1. Einführung in die Sprache
  2. Nutzung im Browser
  3. Nutzung von Node.js

In jedem Kapitel gibt es zur Erklärung viele Code-Beispiele. Da wo es sinnvoll ist, auch sehr kleinschrittig. Jedes Kapitel endet mit mehreren Übungen, um das Wissen auch praktisch anzuwenden. Der Autor stellt dafür auf seiner Webseite eine Code-Sandbox zur Verfügung, mit dessen Hilfe man die Übungen machen kann. Die Musterlösungen sind nur einen Mausklick entfernt. Genial finde ich einige Lösungswege, die der Autor sowohl im Buch als auch in den Musterlösungen aufzeigt. Beispielsweise wenn es um die Fehlerbehandlung geht und wie man die Unzulänglichkeiten von JavaScript an der Stelle „austricksen“ kann. Hier kann man als Fortgeschrittene noch einiges lernen.

Die Sandbox ist cool und irritierend zugleich. Ich weiß über weite Strecken des Buches nicht, wie ich JavaScript auch ohne diese Sandbox einsetzen kann. Ich persönlich hätte mir zudem noch mehr zu Node.js gewünscht.

Bis zum Schluss werde ich mit dem Schreibstil des Autors nicht warm. Häufig verstehe ich den erklärenden Text nicht, dafür aber die dazugehörigen Code-Beispiele oder andersherum. Manche Beispiele sind originell (wie z. B. die Verwendung von JavaScript um die Verwandlung in ein Wer-Eichhörnchen zu analysieren), bei anderen schüttel ich nur mit dem Kopf (intelligente Krähen, die Lehmknollen zur Datenspeicherung nutzen).

Fazit: Enthält viel Nützliches für Fortgeschrittene, für Anfängerinnen eher nicht geeignet

Themen

  • Werte, Typen, Operatoren
  • Programmstruktur und Funktionen
  • Reguläre Ausdrücke und Module
  • Asynchrone Programmierung
  • Bugs und Fehler
  • Document Object Model (DOM)
  • JavaScript im Browser
  • Einführung in Node.js
  • Projekte: Eine Programmiersprache, Editor für Pixelgrafiken, Jump’n’Run Spiel u. a.

Marijn Haverbeke: „JavaScript. Richtig gut programmieren lernen – von der ersten Codezeile bis zum eigenen Projekt“. dpunkt 2020. 32,90 EUR . ISBN 978-3-86490-728-9.

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