Alles im Rahmen statt stetig Wachsen

Die Donut-Ökonomie

CoverDas Modell will einen revolutionären Weg aus der Krise weisen. Und zwar so, dass Kapitalismus, Ökologie und soziale Grundrechte auf gescheite Weise vereint werden. Die Donut-Ökonomie wird gerade zur Bewegung, mal sehen, wie viele noch mitmachen und inwieweit das funktioniert.

Die Vision aus dem Buch möchte verschiedene Denkschulen zusammenbringen, damit man gemeinsam die großen Herausforderungen in den Blick nehmen kann: Hunger und Armut, Analphabetismus, Klimawandel, Verlust der Biodiversität.

Eigentlich wollte ich ja keine „Wirtschaftsbücher“ mehr lesen. Zu oft stehen da einfache Antworten, es gibt viel Selbstbeweihräucherung der „Experten“ und meist wenig Bodenhaftung. Jedenfalls, wenn man’s gesamtgesellschaftlich betrachtet, abseits hipper Hauptstadtmodelle, die im Kleinen gut funktionieren. Mit anderen Worten: Wenn diese ganzen kursierenden Ideen so richtungsweisend sind, wieso setzen sie isch dann nicht durch? Na?

Und nun das: Ein Buch, das genau die Schwachstellen anderer Publikationen anspricht, z. B. dass man die Rechnung (also die Volks- und Weltwirtschaft) nicht ohne die Menschen machen kann. Vor allem auch Machtmenschen… Und hier? Hier hat mich der Titel zuerst mal ordentlich abgeschreckt: Donut?!?!? Wie ernsthaft kann das sein? Aber dann…

… aber dann hab ich mir die Ideen im Inhaltsverzeichnis durchgelesen, d. h. die verschiedenen Ansatzpunkte. Hmmm. Klang gar nicht so dumm. Neugierig geworden, lese ich nun doch das Buch, darin die 7 Ansätze, Ökonomie neu zu denken. Das sind grob folgende Ideen:

  • Ziel verändern: Gleichgewicht herstellen statt stetiges (BIP-)Wachstum anstreben
  • Gesamtbild sehen: Gesellschaft und Natur mit berücksichtigen statt nur Macht
  • Menschliche Natur einbeziehen: Gemeinschaft statt Egoismus fördern, also Kooperation statt Egozentrik
  • Systemisch denken: Rückkopplungsschleifen, immer wieder- und Abhängigkeiten, Komplexität wahrnehmen
  • Verteilungsgerechtigkeit anstreben: Gewinnmaximierung durch Verantwortung ersetzen (OK, das WIRD schwierig!)
  • Auf Regeneration ausrichten: Zyklische Prozesse statt Linearität (z B. Ressourcenverbrauch)
  • Agnostische Haltung gegenüber Wachstum: System anstreben, in dem der Nutzen für den Menschen das Ziel „Wachstum“ ersetzt. Auf und Ab als selbstverständlich akzeptieren statt Angst vor „Abwärtsbewegung“.

 

Ein paar Kernideen könnt Ihr hier schon mal nachschlagen, bevor Ihr Euch in aller Ruhe mit dem ganzen Buch befasst:
www.hanser-literaturverlage.de/themen/donut-oekonomie

Aufmerksam wurde ich bei den Überlegungen zu einem Perspektivwechsel: Blick auf die unbezahlte Arbeit richten, die die bezahlte Arbeit erst ermöglicht (extrem dargestellt könnte man sagen, Mama kocht dem Söhnchen, das Manager geworden ist, immer noch das Abendessen und bügelt seine Hemden). Zur unbezahlten Arbeit gehören Hausarbeit, Kindererziehung, Nachbarschaftshilfe, Ehrenamt …. eben alles, was nicht bezahlt wird, und auf irgendeine Weise doch zum Funktionieren der (friedlichen) Welt beiträgt.

Die Autorin

Kate Raworths nachhaltiges Wirtschaftsmodell könnte man revolutionär nennen. Die Ökonomin wird als „John Maynard Keynes des 21. Jahrhunderts gefeiert“. Sie lehrt in Oxford und Cambridge. Mit ihrem Buch „Doughnut Economics“ hat sie es bis vor die Vollversammlung der Vereinten Nationen geschafft.

Fazit: Vernünftig, ob’s klappt…?

Kate Raworth: „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“. VERLAG 2018. 24,- EUR (D) / 24,70 EUR (A). ISBN 978-3-446-25845-7.

Augen-Logo Maria

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