Sprachmanipulationen durchschauen

„Ihr Anliegen ist uns wichtig!“

Cover Im Untertitel erfährt man, worum es den Autoren geht: „So lügt man mit Sprache“. Als Journalistin oder Journalist steht man immer mal wieder vor der Frage: Mach ich´s verständlich, oder mach ich´s mir leicht? Oder will ich gar manipulieren…?

Sprache verfügt über so viele Möglichkeiten, Missverständnisse zu erzeugen, dass es schon echtes Handwerk ist, diese zu vermeiden. Und – schlimmer  noch – oft wird bewusst manipuliert, eben Lügen per Sprache. Das sind dann Formulierungen und Begriffe, mit denen sich komplexe Zusammenhänge verharmlosen und in Nebelbomben verwandeln lassen. Der Angriffskrieg wird so zum „Luftschlag“ und ungerechte Gesetze werden „nachgebessert“. Da ist „noch etwas Luft nach oben“, finden die Autoren, die auch die Floskelwolke.de betreiben (derzeit leider eine Baustelle, hier gibt es nix zu sehen, Stand 17. Mai 2018).

Leider hab ich auch ein Haar in der Suppe gefunden (Achtung, Floskel, ich weiß….): Sie monieren, dass man bei einem Rezept den Backofen „vorheizen“ soll. Nunja. So ist nunmal der Fachbegriff beim Kochen und Backen. Der Rest ist durchaus fundiert. Und oft bedenkenswert, denn wo man überall wie manipuliert wird… da kann man gar nicht genug aufpassen!

Expertise

Die Autoren sind Nachrichtenredakteure und haben es regelmäßig mit teils abenteuerlichen Versuchen zu tun, die Wahrheit mit Nebelkerzen zu verschleiern. Weil das Radio ihre Heimat ist, treiben sie Herden von Kamelen durch die sprichwörtlichen Nadelöhre. Radio ist nämlich erstens ein so genanntes Nebenbeimedium – man darf also nicht davon ausgehen, dass die Hörer die ganze Zeit konzentriert lauschen. Und zweitens kann man Radio nicht zurückspulen. Wer eine Textpassage in der Zeitung nicht sofort verstanden hat, der liest sie einfach noch mal. Das geht beim Radio nicht. Deshalb ist gerade die Sprache in Hörfunknachrichten ein Spezialgebiet. Sie selbst drücken es so aus: „Wir finden Veränderungen der Sprache grundsätzlich gut. Wir sind präzise, aber keine Korinthenkacker. Ein schmaler Grat, das wissen wir auch.“

Wie ihnen das gelingt? Die Antwort liefert dieses Zitat eines Zitats aus dem Buch: „Thomas de Maizière würde sagen: »Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.« “

Fazit: Unterhaltsam

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Sebastian Pertsch und Udo Stiehl: „Ihr Anliegen ist uns wichtig! So lügt man mit Sprache“. Piper 2016. 10,- EUR. ISBN 978-3-492-30784-0.

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