Personen fotografieren, eine persönliche Sicht

Manche Fehler muss man selber machen

CoverAls Mischung aus Fachbuch und autobiografischen Fotosessionberichten ist das Buch nach einem eher außergewöhnlichen Konzept aufgebaut. Aufmerksam gemacht hat mich als erstes mal der Titel. Super! Fehlerkultur! Da bekomme ich nicht nur fotografische Inspiration, sondern auch etwas mehr. Leider war meine Erwartungshaltung zu hoch… die Fehler, die beschrieben sind, sind zwar lehrreich. Manche davon hätte ich selbst allerdings auch beim ersten Mal eher nicht gemacht ;-)

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Zunächst erzählt der Autor über seine grundlegende Philosophie; über seinen Ansatz, Menschen zu fotografieren. Der zweite Teil ist eine Sammlung seiner persönlichen Lieblingsbilder, wie sie gemacht wurden und vor allem wie die Geschichte dahinter ist. Manche Bilder haben eine längere Geschichte, andere gar keine. Wie der Autor selbst sagt: „Ich möchte mit dem Buch eine persönliche Sicht auf die Dinge geben. Es soll keine Anleitung sein, sondern ein Denkanstoß, eine Ermutigung.“

Nun zu meinem Eindruck… Das Titelbild ist Käse, jedenfalls war das mein erster Gedanke. Im Buch drin, mit Kontext, wäre es besser platziert. Was das Fachwissen angeht, Expertise und Erfahrung sind beide da. Mich hat das Buch trotzdem nicht gepackt. Vor allem fühlte ich mich im Aufbau verloren. Es gibt eine Gliederung, die sogar recht explizit ist. Doch gleichzeitig hatte ich den Eindruck, der rote Faden franst aus, ist dann auch mal gar nicht da. Da ist ein Abschnitt, in dem der Autor beschreibt, wie es zu diesem Buch kam: „Ich über mich“. Sehr gut. Nur leider mitten im Buch positioniert; zwischen den beiden Buchteilen. Das war mir für’s Verständnis zu spät.

Die Fotos sprechen mich auch nicht sonderlich an. Sehr viele Fotos könnte man als ästhetischen Frauenabbildungen kategorisieren, darunter auch (meist stilvolle) erotische Aufnahmen. Andere zeigen Porträts z. B. von Schauspielern. Hier war ich wieder irritiert. Einige Fotos erinnerten mich beim ersten Ansehen an… ist das nicht…? Ein bekannter Schauspieler. Genau. Und irgendwo weiter hinten – gefühlt sehr weit hinten – erzählt der Autor dann auch, wer da abgebildet ist. Und wie er dazu kam, Porträtaufnahmen von Schauspielern zu machen. So entstand vor meinem inneren Auge kein Spannungsbogen, der mich durch die rund 240 Seiten trägt.

Ein bisschen wirkte die Lektüre auf mich auch wie eine Werbebroschüre des Fotografen – auch wenn es offensichtlich nicht so gemeint war. Ganz gut gefallen haben mir die Beispiele (mit Making-Of) für „Bilder am Fenster“, wo es um Licht geht und wie man damit den Eindruck eines Bildes steuern kann.

Zu den äußeren Werten: Das Buch ist groß, schwer und hat eine eher kleine Schriftart. Es riecht nicht gerade gut, wenn man die Folie entfernt hat. Und Tage später immer noch nicht… Dafür hat es ein Lesebändchen, das finde ich sympathisch.

Ein paar Tipps und Fachbegriffe kann man sicher beim Weg durch das Buch aufsammeln, immerhin.

Fazit: Geschmackssache; halb so langl wäre mehr, fachlich fundiert, sehr persönlich

Themen

  • Licht
  • Bildgestaltung
  • Kreativität
  • Umgang mit Menschen vor der Kamera

Patrick Ludolph: „Manche Fehler muss man selber machen oder wie ich Menschen fotografiere“. dpunkt 2018. 36,90 EUR (D). ISBN 978-3-86490-612-1.

Augen-Logo Maria

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