Ich schaumschlage doch nur die ganze Zeit…

Wenn große Leistungen zu großen Selbstzweifeln führen

Cover„Wenn große Leistungen zu großen Selbstzweifeln führen“ widmet sich dem innerlichen Kampf erfolgreicher Menschen, die sich als Hochstapler fühlen. „Wenn andere wüssten, wie sehr sie mich überschätzen …“, ist dabei nur einer von vielen Gedanken, die betroffene Menschen mit sich herumtragen.

Das Buch richtet sich an interessierte Laien sowie wissenschaftlich und praktisch tätige Fachleute. Dementsprechend ist es auch sehr sachlich im Stil.

Worum geht’s?

Manche Menschen haben trotz belastbarer Belege ihres tatsächlichen Könnens ständig Angst, ihre Erfolge äußeren Zufällen zuschreiben zu müssen und bei nächster Gelegenheit „aufzufliegen“. Sie sind beruflich erfolgreich, erbringen Höchstleistungen und sind offenkundig fähig, qualifiziert und kompetent. Aber… Sie schreiben berufliche Erfolge übermäßiger Anstrengung oder unkontrollierbaren Faktoren wie Glück zu. Sie erleben sich als inkompetent.

Das Phänomen nennt man Impostor-Syndrom oder Hochstapler-Selbstkonzept. Betroffene sind überzeugt, nicht so intelligent und fähig zu sein, wie sie anderen erscheinen. Sie sind überzeugt, dass sie unverdient in ihre Positionen gelangt sind. Sie erleben sich als Betrüger*in und befürchten, früher oder später als Hochstapler*in entlarvt zu werden.

Das Buch befasst sich mit den Merkmalen, Erfassung des Phänomens, seiner Verbreitung, seiner Entwicklung. Darüber hinaus werden Zusammenhänge mit anderen Persönlichkeitsmerkmalen erläutert und seinen Auswirkungen dargestellt. Schließlich wird der Frage nachgegangen, wie man dem Impostor-Syndrom begegnen kann. Und wie man lernen kann, die eigenen Kompetenzen realistisch einzuschätzen, Selbstzweifeln zu begegnen und ein gesundes Wohlbefinden (wieder) zu erlangen.

In einer Gesellschaft, in der Versagensangst, Selbstzweifel oder auch eine allgemeine emotionale Überlastung besonders unter beruflich erfolgreichen Personen selten kommuniziert werden, ist es beruhigend, wenn man sich dank des Buchs mit diesem (Tabu-)Thema intensiver befassen kann.

Mein „Wieder-was-gelernt“-Moment: Am anderen Ende der Skala ist der Dunning-Kruger-Effekt (Selbstüberschätzung) zu finden.

Besonders betroffen sind laut einer vorgestellten Studie Frauen im wissenschaftlichen Umfeld. Und dort besonders Doktorandinnen. Warum? Das Arbeitsumfeld „Wissenschaft“ fördert das Auftreten des Syndroms ( Selbstkonzepts). Wieso? Die professionelle Sozialisation im Wissenschaftsbetrieb fördert die Tendenz zum Impostor, da man sich kompetent und selbstbewusst darstellen muss, und zwar oft mehr als man sich fühlt, z. B. in direkter Konkurrenz zu anderen Promovierenden.

Besondere Faktoren hierbei:

  • Unsicherheit des Karriereweges als Normalität der Wissenschaftskarriere
  • Glaubenssätze über das Arbeiten in der Wissenschaft: „Der Wahrheit verpflichtet“ – obwohl alle wissen: It’s all about pretending
  • Notwendigkeit, sich kompetenter und selbstbewusster darzustellen, als man ist, bei wissenschaftliche Vorträgen auf Konferenzen, Berufungsverahren etc.
  • Frauen sind mehr gefährdet, durch ihre Sozialisation, die eine Machtposition als untypisch einstuft. Oder durch die Unsicherheit, ob man als Quotenfrau die Position bekommen hat statt durch Kompetenz, weil sich z. B. die Hochschule entsprechend darstellen möchte = positive Diskriminierung.

 

Fazit: Interessante Einblicke, Überblicksliteratur zum Thema aus wissenschaftlicher Sicht

Themen

  • Wer ist betroffen und wie verbreitet es sich?
  • Wie entwickelt sich das verschobene Selbstkonzept?
  • Potenzielle Auswirkungen
  • Interventionen

Sonja Rohrmann: „Wenn große Leistungen zu großen Selbstzweifeln führen. Das Hochstapler-Selbstkonzept und seine Auswirkungen“. hogrefe 2019. 19,95 EUR. ISBN 978-3-456-85772-5.

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