Fische sind Freunde! Unbekannte Welten unter NN

Was Fische wissen

CoverEins meiner Lieblingszitate aus dem Buch – nicht nur für Fische: „Es gibt keine Wahrheit. Es gibt nur Wahrnehmung.“ von Gustave Flaubert. Das muss man zweimal lesen. Genau so ist das. Nun zum Buch.

Der Fisch an sich ist oft unterschätzt und selten niedlich. Angler:innen, Köch:innen und Aquarienbesitzer:innen interessieren sich für ihn. Unser Herz rührt er eher nicht: Die Augen ohne Ausdruck, seine Welt für uns unverständlich.

Dabei sind Fische uns viel ähnlicher, als wir denken. Die Unterschiede untereinander sind mitunter größer als der Unterschied zu Säugetieren (also uns). Sie verhalten sich strategisch und sozial, sie pflegen aufwendige Balzrituale und lebenslange Beziehungen, sie täuschen und bestrafen.

Aus wissenschaftlicher Sicht, gesprenkelt mit einigen Anekdoten aus persönlichen Beziehungen zu Fischen, werden verschiedene Perspektiven dargestellt. Es beginnt mit der Wahrnehmung: Wo sich diese mit unserer deckt und wo es in der Welt der Fische ganz anders ist.

Dann erfährt man, was Fische fühlen; ganz wörtlich (Tastsinn & Co.), aber auch eher abstrakt wie Schmerz, Emotionen und Bewusstsein. Dies schafft die Überleitung zum Denken: Intelligenz, Werkzeuggebrauch, vorausschauendes Verhalten und „Gedankensprünge“.

Vom Individuum geht es als nächstes in die Gruppe. Fischpopulationen (Schwärme), aber auch artübergreifende Handlungen. Natürlich darf das Thema Fortpflanzung nicht fehlen. Es gibt große Wolken von Eiern und Spermien, die sich im Wasser vermischen. Es gibt viele lebendgebärende Fische. Oder Fischväter in spe, die quasi mit der Ausgewählten zusammenwachsen, um für den Nachwuchs gleich zur Stelle zu sein.

Aus dem Epilog erfährt man einen Aspekt, der die Motivation für das Buches widerspiegelt: „Welche Hautfarbe man hat, welcher Religion man angehört, ob man eine Gebärmutter oder andere beliebige Eigenschaften besitzt: All das ist schlicht keine Rechtfertigung für Ausbeutung.“

Der Autor ist Verhaltensbiologe und seit Jahren spezialisiert auf das Empfindungsvermögen von Fischen. Er überrascht mit Erkenntnissen, die weit über das allgemeine Wissen hinausgehen. Sehr weit.

Fazit: Faszinierend. Aufrüttelnd. Macht neugierig auf mehr.

Themen

  • Verhaltensforschung
  • Soziobiologie, u. a. Kooperation, Demokratie und Friedensarbeit
  • Neurobiologie / Neurowissenschaften
  • Ökologie
  • Wahrnehmung, u. a. optisch getäuschte Fische (Ebbinghaus-Täuschung und Müller-Lyer-Illusion)

Jonathan Balcombe: „Was Fische wissen. Wie sie lieben, spielen, planen: unsere Verwandten unter Wasser“. mare 2020. 18,- EUR. ISBN 978-3-86648-639-3.

Augen-Logo Maria

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