Führen heißt Vor-Gehen

Buchrezensionen

Führungsstark neuroleadership Mitarbeiterführung

Führungsstark in alle Richtungen

CoverNicht nur für Führungskräfte interessant, auch für Berufstätige in jeder Hierarchiestufe lesenswert.

Beim ersten Aufschlagen des Buches habe ich gleich viel mehr gelesen, als ich mir vorgenommen hatte. Wollte nur mal einen Blick hineinwerfen. Der Autor hat es dann aber fertig gebracht, mich sofort tief ins Thema hinein zu ziehen. Die mehr als 250 Seiten hatte ich in acht Tagen durchgearbeitet (nicht bloß überflogen), obwohl ich das Buch nicht im Urlaub, sondern neben normalem Vollzeitbetrieb gelesen habe. Der Autor schreibt so, wie ich mir einen guten Mentor vorstelle: praxiserfahren, sehr verständlich und mit einem klaren Blick für die wesentlichen Punkte.

Als Hintergrund ist ein positives Menschenbild spürbar. Es geht hier nicht um Karriere der Karriere oder gar hoher Gehälter willen, sondern darum, wie frau (oder man) eine gute Führungskraft wird. Integer in ihrer Handlungsweise. Es geht unter anderem darum, die eigenen Werte auch in schwierigen Situationen in die Arbeit einbringen zu können. Konsequenterweise startet das Buch damit, wie frau sich selbst als Führungskraft führt. Selbstreflexion ist angesagt.

Treffend und vielsagend finde ich auch die Abgrenzung der Begriffe Führungskraft (eine Kraft, die Menschen führt) und Vorgesetzter (jemand, der Menschen vorgesetzt wird).

Die weiterführenden Buchempfehlungen sind kommentiert statt lediglich aufgelistet. Es gibt viele Übungen; manche erfordern durchaus Zeit. Bei denen ist der Zeitaufwand dann aber auch gut begründet. Dazu sehr klare Beispiele.

Eines der wenigen Bücher, die ich nicht nur mit Haftnotizen gespickt, sondern auch mit dem Bleistift durchgeackert habe.

Fazit: Das Buch hat es geschafft, mein Einschlafbuch kurzzeitig zu verdrängen …

Themen

  • Sich selbst führen
    • Integer handeln
    • Stärken erkennen und nutzen
    • Entwicklungspotenzial erkennen und nutzen
    • Zufriedenheit und Glücksempfinden steigern
  • Das untere Management führen
    • Überblick behalten
    • Richtung vorgeben
    • Prioritäten setzen
    • Mitarbeiter motivieren
    • Einheitliche Kultur im eigenen Bereich entwickeln
  • Kollegen führen
    • Sinnvoll kooperieren
    • Umgang mit schwierigen Menschen
    • Einfluss auf Managerkollegen ausüben
    • Netzwerk knüpfen
  • Chef und das obere Management führen
    • Wenn der Chef nervt
    • Sich unkündbar machen
    • Übertriebene Anforderungen korrigieren
    • Menschen mit extremen Macken

Alexander Groth: „Führungsstark in alle Richtungen. 360-Grad-Leadership für das mittlere Management“. Campus 2008. 22,90 EUR. ISBN 978-3-593-38573-0.

neuroleadership

CoverAuf den ersten Blick klingt der Titel vielversprechend. Wie kann ich Erkenntnisse aus der Hirnforschung für die Führung von Mitarbeitern nutzen? Leider erfüllt das Buch meine Erwartungen so gar nicht. Der Autor nutzt den derzeitigen Hype um die Hirnforschung. Als Aufhänger für ein Buch, bei dem mir die Halbherzigkeit entgegenschwappt. Der Autor kommt nicht auf den Punkt. Er listet auf, was eine Führungskraft nicht tun soll (mit Beispiel) und was sie stattdessen machen soll (ohne Beispiel, na toll).

Darüber hinaus verkauft der Autor alte Kamellen als neue Weisheiten, z. B. grundlegende Regeln für Kommunikation. Das Ganze dann immer unter dem Deckmäntelchen der Hirnforschung. Nicht mal in der Aufbereitung ist eine klare Linie erkennbar. So ist das Layout sehr – sagen wir mal – variantenreich. Das Buch liest sich eher wie eine lose und anekdotenhafte Aneinanderreihung von Forschungsaspekten als ein brauchbarer Ratgeber.

Das Buch ist eines der wenigen, die ich nicht bis zum Ende durchgelesen habe, weil ich mich beim Lesen immer wieder über den schlechten Stil und die laffen Inhalte geärgert habe.

Fazit: Lieber im Regal stehen lassen.

Christian E. Elger: „neuroleadership. Erkenntnisse der Hirnforschung für die Führung von Mitarbeitern“. Haufe 2009. 34,80 EUR (D). ISBN 978-3-448-09068-0.

Praxishandbuch Mitarbeiterführung

CoverDas Praxishandbuch kann als erster Einblick in verschiedene Themen der Mitarbeiterführung dienen. Leider wird zuwenig erklärt, wie etwas funktioniert. Es handelt sich eher um eine Auflistung, was eine Führungskraft tun könnte.

Besonders negativ fiel mir auf, dass der Abschnitt zu Präsentationstechniken völlig ohne Bilder daher kommt. Hallo? Wie kann man eine visuelle Methode ohne visuelle Veranschaulichung erklären wollen? Dabei war auch der erklärende Text- und Checklistenteil nicht so richtig hilfreich. Zum Thema Layoutgestaltung heißt es da: „Nutzen Sie den oberen Bereich eines Charts, um das Thema … durchgängig vor Augen zu halten. Eine Ebene darunter … die jeweiligen Thesen … Auch diese bleiben während des gesamten Argumentationsdurchlaufs … bestehen.“ Äh? Wie jetzt?

Beispiele fehlen oder hören an den spannenden Stellen (ja, genau, und dann…?!?) auf. Auch die Abgrenzung einzelner Instrumente zueinander ist unklar, z. B. der Unterschied zwischen Jahresmitarbeitergespräch und Beurteilungsgespräch. Der Abschnitt „Die Ebene der Regeln“ kommt ohne konkrete Beispiele aus, was eine Regel sein könnte.

Fazit: Wer es irgendwo herumstehen sieht, kann mal einen Blick reinwerfen. Kaufen? Ich weiß nicht …

Michael Lorenz und Uta Rohrschneider: „Praxishandbuch Mitarbeiterführung. Praxisratgeber“. Haufe 2009. 34,80 EUR (D). ISBN 978-3-448-09075-8.

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