Literaturrecherche 2.0

FAZ.NET hat sich eines Themas angenommen, das viele Studierende und Leute in der Wissenschaft betrifft: „Wenn geschrieben wird, ohne zu lesen“. Jürgen Kaube beschreibt dazu in „Die drei Formen der Ignoranz“ die Untersuchungsergebnisse des Chicagoer Soziologen Abbott. Abbott hat sich studentische und wissenschaftliche Arbeiten angesehen und Verschiedenes festgestellt. Für manche Texte wirken die Hauptquellen beliebig gewählt. Da wird dann nicht das Standardwerk zum Thema als Grundlage zitiert, sondern eine eher zufällig gefundene Literaturquelle, die das Thema auch behandelt. Irrelevante Quellen und falsche Interpretation von Aussagen in den Quellen tauchen ebenso auf wie das Ignorieren des Stands der Forschung. Okay, den Artikel könnt Ihr ja selbst lesen.

Mir sind dazu auch ein paar Gedanken gekommen. Gefühlt gibt es heute mehr Plagiate als früher. Es ist ja auch wesentlich leichter, sich Textpassagen aus dem Internet zu kopieren als Abschnitte aus gedruckten Büchern abzuschreiben. Was ich zur Diskussion stellen möchte, ist folgende These. Das Bewusstsein, was ein Plagiat ist und wie eine robuste Literaturrecherche aussieht, schwindet. Dazu kommt, dass das Handwerk des Schreibens in der Ausbildung zu kurz kommt. Vielleicht ist manches Stück Plagiat nur ein vergessener Literaturhinweis?

Neben den Plagiaten gibt es allerdings seit der massenhaften Nutzung des Web ein weiteres Phänomen: Literaturrecherche 2.0: Per Google und Wikipedia werden ein paar Webseiten überflogen, ohne das „Deep Web“ oder die papiernen Quellen auch nur in Erwägung zu ziehen.  Könnte es nicht sein, dass in den verstaubten Gängen der Universitätsbibliotheken doch noch Bücher darauf warten, in den gerade entstehenden wissenschaftlichen Text aufgenommen zu werden? Immerhin gibt es ja schon länger auch für die Bibliotheksrecherche vor Ort (z. B. E-LIB in der UniBib Bremen) und im Web (z. B. ezDL) elektronische Suchhilfen.

Ich finde, es ist nicht nur anständiger, sondern auch befriedigender, eine Arbeit fertigzustellen, in die gewissenhafte Recherche (Stichwort: Zuerst der Stand der Forschung, dann eigene Ideen) und Achtung vor der Leistung Anderer (Stichwort: Du sollst nicht plagiieren) drin steckt.

In diesem Sinne – geht hinaus in die Welt der Wissenschaft, sammelt, lest, vergleicht, denkt nach und sammelt Eure Erkenntnisse. Weil’s mehr Spaß macht!

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