Die Klimawende JETZT organisieren
Für wen ist das Buch? Für alle, die sich wegen der Klimaentwicklung Sorgen machen und die sich für eine Klimawende einsetzen möchten – da, wo ihr Alltag ist und auch jenseits davon.
Das Buch macht Mut („Klimapolitik wirkt“), und es bleibt dabei realistisch: Es könnte Vieles besser sein. Pragmatisch und alltagstauglich stellt es mögliche Wege in den Mittelpunkt, nicht den einen goldene Weg. Besonders überzeugend: Raus aus dem individuellen Sichdurchwurschteln. Rein ins „sich-organisieren“. Das kann im Alltag durchaus entlastend wirken :-)
Das Buch fragt: Was kann ich konkret tun, wenn ich die Klimawende will? Die Antwort lautet: organisieren.
Auf der Grundlage ihrer sozialwissenschaftlichen Forschung entwirft die Autorin eine „Landkarte“ der gesellschaftlichen Bedingungen, die Klimaschutz fördern oder blockieren. Sie zeigt, wie gemeinsames Organisieren die Rahmenbedingungen verändert.
Anhand anschaulicher Beispiele macht sie deutlich, wie Veränderung praktisch aussehen kann: Nachbarschaften gestalten ihren Stadtteil neu oder gründen Energiegenossenschaften. Unternehmen stellen ihre Beschaffung klimafreundlich um. Initiativen fördern alternative Wirtschaftsformen oder erschweren die Finanzierbarkeit fossiler Geschäfte.
Anita Engels verbindet ihre realistische Analyse gesellschaftlicher Machtverhältnisse mit konkreten Handlungsoptionen. Sie macht Mut, die eigene Position ernst zu nehmen und genau dort anzusetzen.
Besonders die beiden Sorgenkinder „Verkehr“ und „Gebäude“ tauchen immer wieder auf, dazu natürlich die fossilen Rohstoffe und deren Vermeidung sowie… die Politik und die Wirtschaft, die die größten Hebel haben. Die Autorin macht Mut, die eigene Position kennenzulernen und auch in diesem Rahmen einzusetzen.
Nach der Lektüre halte ich eins für sicher: Die Klimawende ist organisierbar, das ist kein Ding der Unmöglichkeit. Politik und Soziales sind dabei die größeren Hebel als Technologien. Überall lässt sich eine eigene Nische finden, in der ein Beitrag zu einer positiven Zukunft möglich ist – bei aller Mühe und allem langen Atem.
Und manchmal ist man schon weiter, als man vor der Lektüre dachte ;-)
Schade ist nur, dass die Fußnoten lediglich die Autor:innen, nicht aber die Buchtitel nennen – das hätte ich mir lesefreundlicher gewünscht.
Beispiele, die mir im Gedächtnis bleiben
- Plastikverpackung gemeinsam aus dem Supermarkt verbannen
- Superreichtum klug besteuern, und dann in die Verantwortung (und Kosten) einbeziehen:
Meiner Ansicht nach erstklassige Vorschläge, die niemandem auf die Füße treten und auch keine Enteignung bedeuten ;-) - Tausch-Events: Feste Regeln, so dass man am Ende nicht auf einem Haufen Müll sitzen bleibt …
Kleine Spoiler
Gute Informationsquellen
- www.agora-energiewende.de
- https://expertenrat-klima.de
- https://climateactiontracker.org
- https://climateanalytics.org
- https://newclimate.org
Und weil’s so schön war, noch ein paar Links für lokale Möglichkeiten
- www.riffreporter.de/de/umwelt/klima-klimaschutz-klimawandel-lokales-staedte-nachbarschaft-buerger-initiativen
- www.stadt-land-klima.de/projects
- www.klimaschutz-nebenan.de/de/community-academy/klimaschutz-aktionskarte/aktionen-in-meiner-nachbarschaft
- https://klima-taler.com/de/staedte
Fazit: Konstruktiver Ansatz, schafft Überblick, zeigt ausdauernde und gleichzeitig wichtige Lösungswege
Autorin
Professorin für Soziologie in Hamburg, wo sie den Exzellenz-Cluster „Klima, Klimawandel und Gesellschaft“ (CLICCS) mit aufgebaut hat.
Themen
- Wo stehen wir in der Klimawende?
- Wo lässt sich die Wende weiter vorantreiben?
- Bereits erfüllte gesellschaftliche Voraussetzungen
- Ansätze für das Organisieren der Klimawende ableiten
- Gesellschaftliche Voraussetzungen organisieren, auch global
- Ambiguitätstoleranz
Anita Engels: „Die Klimawende JETZT organisieren. Strategien gegen Stillstand und Ohnmacht“. oekom 2026. 24,- EUR. ISBN 978-3-98726-548-8.
Maria