Frag immer erst: warum

Die zentrale Frage, im Buch und laut Simon Sinek auch im Arbeitsleben: „Warum?“
Warum sind manche Organisationen profitabler als andere? Warum werden einige Führungskräfte von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr geschätzt und andere weniger? Warum sind manche Menschen in der Lage, dauerhaft erfolgreich zu sein?
Das Buch enthält Beispiele, wie erfolgreiche Persönlichkeiten nach demselben Muster dachten, handelten und kommunizierten. So haben es Martin Luther King Jr. oder Steve Jobs gehandhabt, jedenfalls aus Sicht des Autors: Am Anfang ihres Wirkens stand immer die Frage nach dem Warum. Mit diesem Ansatz schafften sie es seiner Ansicht nach, Dinge zu vollbringen und Andere zu inspirieren. Sinek rät nun Führungskräften, Unternehmen, aber auch Privatpersonen, wie man „zum endgültigen Erfolg“ kommt. Nun ja. Ganz so großspurig würde ich es nicht formulieren.
Der Kernfrage gibt er dabei noch zwei weitere mit und kommt so auf drei elementare Fragen: Warum? Wie? Was? Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten, wie man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zielführender motiviert als durch die üblichen Manipulationstechniken.
Was er also propagiert, ist dies: Erfolgreich ist, wer die Frage nach dem Ziel stellt. Dies entspricht nach der Definition des Autors, dass man Werte und Überzeugungen des Menschen berücksichtigt – es trifft den Kern einer Sache, das Sein und nicht den Schein, den Zweck und nicht das Mittel zum Zweck.
Dies ist wieder ein sehr auf amerikanisches Zielpublikum zugeschnittenes Buch. Einige wohlüberlegten Anpassungen für die deutsche Wirklichkeit täten dem Buch gut. Zum Beispiel im ersten Teil die kurze Beschreibung, die in die Irre führen soll (ein paar Sätze und die Frage: um wen handelt es sich hier?) funktioniert in Amerika sicher gut; hier ist mir genau die „unwahrscheinliche“ Variante als erstes eingefallen – und der Effekt, der gezeigt werden sollte (dass man Ungenaues fehlinterpretiert, weil man falsche Annahmen macht) ist eben nicht eingetreten…
Immerhin: Zwei Seiten später spricht der Autor genau diesen Fall an (leider etwas spät, aber da bekam er von mir wieder ein paar Glaubwürdigkeitspunkte zurück). Tipp am Rande: Lest dazu auch mal das Buch „Der Schwarze Schwan“ von Nassim Nicholas Taleb.
Insgesamt ist mir das Buch viel zu lang, die Kernthese wird immer und immer wieder wiederholt, und zwar oft fast genau mit denselben Worten und anhand derselben Ausführungen. Das wirkt, als hätte der Autor keine guten Argumente. Hier verwässert er seine eigene Aussage unnötig. Ärgerlich. Auch sein Vergleich eines „Goldenen Kreises“ (die drei Fragen) mit dem „Goldenen Schnitt“ ist willkürlich. So einen Marketingtrick (ich verknüpfe meine Idee mit einer bekannten guten Idee) hätte er nicht nötig. Ich empfehle, die nächste Ausgabe einfach mal deutlich zu straffen und bei der guten Kernthese zu bleiben, ohne darüber zuviel Rhetoriktricks auszugießen.
Denn im Grunde hat er ja Recht. Die Frage nach dem Warum ist die Basis für das Vertrauen, das der Kunde aufbaut (z. B. in einen Verkäufer, der an das Produkt selbst glaubt und dadurch authentisch ist, weil er weiß, warum das Produkt so ist, wie es ist). Auch seine Erkenntnis, dass es ohne Disziplin und Beständigkeit nicht funktioniert.
Überzeugt hat mich der Abschnitt über Vertrauen innerhalb eines Unternehmens und über Teamplayer vs. Einzelkämpfer mit rein egoistischen Zielen. Demnach entsteht das Interesse des Unternehmens aus Eigeninteresse der Angestellten. Dadurch ergibt sich ein enormes Potenzial, mit andern Worten: Erfolgreich ist ein Unternehmen, wenn alle an einem Strang ziehen!
Metaphern, Formulierungen, Beispiele, Belege und Argumente funktionieren im amerikanischen Original wahrscheinlich viel besser als hier in der deutschen Übersetzung. Es ist also durchaus eine Überlegung wert, sich gleich den „Urtext“ zu besorgen, wenn man Sprache und Kultur gut genug kennt.
Die Frage, die ich nicht mehr los werde, seit ich dieses Buch und ähnliche gelesen habe: Kann man von erfolgreichen Leuten mit einer gemeinsamen Eigenschaft darauf schließen, dass diese Eigenschaft JEDEN MENSCHEN erfolgreich machen würde? Hmmm… zumindest rein aussagenlogisch nicht zu halten. Vielleicht bin deswegen nicht überzeugt.
Fazit: Kürzer wäre besser und Achtung: „Amerikanisch“ muss man abziehen. Dann isses OK.
Themen:
- Falsche Annahmen
- Manipulation und Inspiration
- Angst, Wünsche und Gruppendruck
- Perspektivenwechsel
- Klarheit, Disziplin und Konsequenz
- Vertrauen entsteht
- Wissen, warum
- Kommunikation als Zuhören
- Erfolg bedeutet Risiko
Diana empfiehlt den TED-Talk von Simon Sinek: www.ted.com/talks/simon_sinek_how_great_leaders_inspire_action
Katharina hat das Buch auch gelesen. Sie sieht es genauso, dass das Buch stark auf Amerika bezogen ist, empfindet es aber nicht als störend. Sie begründet das so, dass sie aufgehört hat, sich bei Sachbüchern über die Schreibweise der Autoren zu ärgern. Stattdessen konzentriert sie sich auf den Inhalt schaut, wie er für sie nützlich sein könnte. Sie findet dieses Buch so gut, weil sie vieles auf Geschehnisse in ihrem Leben bzw. die Umgebung, in der sie lebt, übertragen konnte.
Ihr Kollege hat sich das Buch auch angesehen:
Auch er hat bemerkt, dass Amerika eine zentrale Rolle im Buch spielt. Weiterhin fragt er sich, warum der Autor nicht einen Schritt weiter gegangen ist und Religionen angeführt hat, die die Erklärung des Autors womöglich viel einfacher bestätigt hätten. So weit hat Katharina selbst gar nicht gedacht, muss aber feststellen, dass es passt: Gebe den Leuten eine Vision, und sie folgen Dir…
Katharinas Fazit: „Ja, das Buch hat mich inspiriert und daher empfehle ich es jedem weiter!“
Simon Sinek: „Frag immer erst: warum. Wie Top-Firmen und Führungskräfte zum Erfolg inspirieren“. Redline 2014. 19,99 EUR. ISBN 978-3-86881-538-2.
Katharina und Maria


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